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Vampir Geschichten

Kurzgeschichten über die Nachtwesen

Nachtgesang


(Lang: 24151 Zeichen)
 Risika Online seid 11.01.2006
(1283 mal gelesen)

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Heiße brennende Flammenglut
warmes süsses reines Blut....

Seit drei unglaublich langen Jahren war sie nun jeden Abend hier.
Jeden Tag um die selbe Uhrzeit, genau am selben Ort. Damals mit dreizehn Jahren war es das erste Mal, als ihre Eltern aus ihrem Leben verschwanden und sie allein in den Wirren des Lebens zurückließen. Ein Autounfall hatte sie ihr weggenommen.
Die Ärzte sagten später zu ihr es wäre schnell gegangen und sie hätten nicht leiden müssen, doch in Caras Ohren waren dies nur Lügen. Jeder Versuch von Verwandten sie über den schmerzlichen Verlust hinwegzutrösten endete in einem Streit. Irgendwann wurde ihr dies alles zu viel und sie schnappte sich ihre Jacke und floh hinaus in die Dämmerung. Sie rannte und rannte. Der Wind zerrte an ihrem Haar und peitschte in ihre tränengefüllten Augen. Cara lief bis der Schmerz in ihren Beinen zu einem flammenden Inferno wurde und den Schmerz in ihrem Herzen ein wenig verdrängte. Gierig sogen ihre brennenden Lungen die Luft ein. Ihr Herz pochte laut gegen ihren Brustkorb.
Die Stadt in der sie lebte war eine ausgewogene Mischung aus Groß-und Kleinstadt. Tagsüber schlenderten muntere Menschen durch die Einkaufsstraßen und bei Einbruch der Dämmerung wurden die Nachtschwärmer aktiv. Cara war in dieser Stadt groß geworden. Sie kannte jeden Winkel und jede Gasse. Selbst nachts fand sie sich spielend zurecht. Damals, als sie vor Tränen blind und ohne Ziel davongestürmt war, führte sie ihr Weg in den ältesten Teil der Stadt, in dem sich ein großer Park mit rustikalen Sitzgelegenheiten und Statuen befand. Selten kamen Menschen hierher und meistens schien der Ort für die Welt vergessen zu sein. Die ganze Nacht verbrachte sie auf einer steineren Bank und blickte auf die vom Mond versilberte Wasseroberfläche des kleinen Weihers. Sie genoss diese friedliche Ruhe um sich herum und versuchte sie in sich aufzunehmen.
Als sie begann hierher zu kommen, fingen ihre Freundinnen an sich von ihr abzuwenden. Man warf ihr vor sie würde sich zu sehr zurückziehen und wäre komisch geworden. Doch wie konnte ein dreizehnjähriges Mädchen den Tod ihrer Eltern verkraften ohne sich dadurch zu verändern? Gegen Mittag des nächsten Tages schließlich war sie zu ihren Verwandten zurückgekehrt. Wieder kam Streit auf und niemand schien Caras Schmerz nachfühlen oder ihr Handeln verstehen zu können. So versuchten sie schließlich sogar sie abends in ihrem Zimmer einzusperren, doch die Wohnung lag im Erdgeschoss und Cara floh durch das Fenster. Irgendwann gaben es ihre Verwandten auf ihr diese Ausflüge verbieten zu wollen, kauften ihr ein Handy und vereinbarten feste Zeiten zu denen sich Cara melden musste.
Dieser Park wurde zu einem der wichtigsten Bestandteile ihres Lebens. Manchmal nachts, wenn sacht die Winde durch ihr Haar fuhren, stellte sie sich vor es wäre, die liebevolle Berührung ihrer Mutter, die bei ihr wäre. So erbaute sie sich jedes Mal ihre eigene kleine, glückliche Welt und versuchte ihren Schmerz zu verdrängen. Sie hasste die Winter. Die kalte Jahreszeit, wenn die Natur unter der Grausamkeit der Kälte zu erstarren schien. In diesen Nächten war Cara gezwungen ihre Ausflüge auf wenige Stunden zu reduzieren.
Wenige Menschen störten sie in ihren Träumen. Einmal die Woche erschien eine ältere Dame, welche Brot auf den See warf. Lächelnd betrachtete Cara diese Frau jedes Mal. Sie versuchte Enten zu füttern, die nicht existierten. Doch nie gab die alte Frau die Hoffnung auf und glaubte fest daran, dass eines Tages die Enten erscheinen würden um das Brot zu genießen. Womöglich hoffte sie sogar auf einen stolzen wunderschön gefiederten weißen Schwan der ihre Sehnsucht perfekt machen würde. Ein starkes, freies Wesen. Geschaffen für ein Leben ohne Grenzen und ohne Furcht. Einige Male unterhielt sich Cara mit dieser wunderlichen Frau und schloss eine gewisse Freundschaft mit ihr. Beide wussten über die Regelmässigkeit der anderen Bescheid und freuten sich über das Vertrauen welches dadurch entstand. Eines Tages eröffnete Cara der Frau ihr Herz und erzählte zum ersten Mal seit langem von ihren verstorbenen Eltern. Die trüben Augen der Alten füllten sich mit Tränen als sie sich vorstellte welcher Schmerz das Mädchen beschäftigte. Sie wollte ihr helfen und sie aus ihrer Trostlosigkeit holen. So lud die alte Frau Cara ein, mit ihr nach Hause zu kommen und sich mit ihr zu unterhalten, anstatt jeden Abend so mutterseelenallein an dem Weiher zu sitzen und zu trauern. Doch das Mädchen lehnte dankend ab.
Sie sehnte sich nach der Stille und Einsamkeit um sich herum, um tief in sich selbst ihre Eltern und Antworten auf deren Tod zu finden. Dies war zumindest ihre Absicht zu Beginn. Irgendwann wurden ihre traurigen Augen leer und ihr Blick entrückte in eine Welt, in der ihr niemand nachfolgen konnte. In der Schule versuchte sie ihre Gefühle und ihr wahres Wesen so gut es ging zu verstecken. Ihre Noten waren nicht herrausragend, aber gerade ausreichend. Sie wollte diese Zeit so schnell wie möglich hinter sich bringen. Mit den Gesprächen und Interessen der anderen konnte sie nicht mehr viel anfangen. Ihre Kleidung und ihre Haare waren seit der Beerdigung so schwarz wie die Nacht. Womöglich fürchteten und mieden die anderen sie deshalb. All dies war ihr gleich. Sie kehrte in sich ein und fand eine Welt aus schwarzen Rosen und Dunkelheit, welche sie in zahlreichen Gedichten auszudrücken versuchte. Sie schrieb jedoch nur für sich. Jedes brennende Wort ihres Geistes, war für ihre eigenen Augen bestimmt . Sie wollte nicht nach ihren Gedichten beurteilt werden, oder von anderen einer Kategorie zugeteilt werden. Niemand würde verstehen, dass sie diese Gedichte voller Schmerz, Blut und Trauer nur dazu verwendete ihren eigenen Schmerz zu verdrängen.
Eines Nachts, als der Vollmond kalt und bleich über ihr stand, beobachte sie eine Gruppe von Jugendlichen, die plötzlich aufgetaucht waren. Cara betrachtete sie aus einem Gebüsch heraus und war sich sicher, dass ihre schwarze Kleidung ihre Anwesendheit verschleiern würde. Diese Gruppe von etwa 5 Menschen saß in einem Kreis von Kerzen und flüsterte leise untereinander. So sehr sich Cara auch bemühte konnte sie kein Wort verstehen. Süsslicher Duft einer Zigarre oder etwas ähnlichem zog zu ihr herüber. Um noch besser sehen zu können, streckte sich Cara ein wenig. Mit einem lauten Knacken brach ein morscher Ast unter ihr. Als sie sich nun auf einmal von diesen blassen Gestalten umringt sah, welche ebenso schwarz wie sie gekleidet waren, befürchtete sie ihr Herz würde lauter zu hören sein, als das Brechen des Zweiges. Um sich ihre Angst nicht anmerken zu lassen, begann sie vorsichtig und langsam ein Gespräch aufzubauen. Glücklicherweise erschien es als würden die Jugendlichen, die ungefähr ihr Alter besaßen, keinen Streit provozieren zu wollen. Im Laufe der Nacht fand Cara heraus, dass es einige Gemeinsamkeiten zwischen ihr und diesen Jugendlichen gab. Sie teilten ihre Leidenschaft für dunkle Musik und Gedichte, sowie den Kleidungsgeschmack.
Schließlich tauschte man Adressen und Namen aus und die kleine Versammlung löste sich auf, nachdem ein neuer Termin für ein Treffen angesetzt wurde. Cara sehnte sich schon seit langem nach Gleichgesinnten, vor denen sie sich für ihre Gedanken nicht schämen musste und mit denen sie ihre Welt teilen konnte. Gedankenverloren las sie sich die kleinen Zettelchen mit den Adressen und Namen durch. Dabei stach ihr einer besonders ins Auge. Alex, der anscheinend soetwas wie der Anführer der Gruppe war, hatte unter seiner Adresse eine kleine schwarze Rose gemalt und es war zu lesen :''Hoffe auf ein baldiges Wiedersehen''. Alex war ihr schon von Anfang an aufgefallen. Sie bewunderte ihn für sein starkes , selbstsicheres und doch zurückhaltendes Auftreten. Im Schein der Kerzen leuchteten und glitzerten seine Augen geheimnisvoll. Seine Haut war völlig glatt und von einer porzellangleichen Blässe. Als sie in dieser Nacht schließlich in ihr weiches Bett fiel, waren ihre Träume erfüllt von Alex,welcher wie ein Schatten über ihr zu wachen schien.
Sie war jetzt 16 Jahre alt und zum ersten Mal fühlte sie das Toben von Schmetterlingen in ihrem Bauch. Doch andererseits hatte sie auch Furcht sich zu sehr in diese Gruppe zu integrieren. Daher war sie froh, dass das nächste Treffen noch ein paar Tage entfernt lag. So konnte sie die folgenden Abenden ihren eigenen Gedanken nachhängen.
Schließlich war der Tag des Treffens gekommen und Cara machte sich extra ein wenig früher auf den Weg um sich wie gewohnt noch etwas auf ihre steinere Bank zu setzen und auf die Oberfläche des Weihers hinauszublicken. Als sie dort ankam, bemerkte sie eine Person ,welche ihr schon zuvorgekommen war. Alex. Gedankenversunken blickte er vor sich hin. Um ihn nicht zu erschrecken räusperte sich Cara kurz bevor sie ihn ansprach. Dennoch zuckte er leicht zusammen. Schnell hatte er sich wieder gefangen und bot ihr einen Platz neben sich an. In stummer Übereinkunft blickten die beiden aufs Wasser. Die völlige Stille zwischen ihnen machte Cara nervös, sie wusste nicht was sie sagen sollte, da began Alex mit dem Gespräch.''Es ist sehr schön hier,so ruhig und friedlich.'' ''Ja'',antwortete Cara,''ich bin hier seit 3 Jahren beinahe jeden Abend''. ''Kann ich verstehen.'' Dann herrschte wieder Schweigen. Die Zeit verstrich viel zu schnell, bald würden die anderen kommen. Cara fasste sich ein Herz :''Am liebsten würde ich ewig mit dir hier sitzen'' ''Ich auch, denn du bist anders als alle Mädchen, die ich je kennengelernt habe.''Sanft lehnte sich Cara gegen seine Schultern und schmiegte sich an ihn, als er seinen Arm um sie legte und ihr einen zärtlichen, langen Kuss gab. Wiedereinmal schien ihr Herz verbrennen zu wollen doch diesmal war es Liebe statt Kummer und sie genoß dieses Gefühl und beschloß nicht davor zu fliehen.
Viel zu schnell erschienen die anderen aus der Gruppe doch Cara und Alex blieben die ganze Nacht eng beieinander und standen vor den anderen zu ihrer Liebe. Nach kurzer Verwunderung wurde dies lächelnd akzeptiert. Cara war glücklich wie seit langem nicht mehr. Endlich hatte sie Freunde mit denen sie alles teilen konnte und noch dazu einen Freund der sie liebte. Die folgenden Wochen verliefen wie in einem Strudel aus Gefühlen. Jeden Tag war sie nun mit Alex unterwegs und oft saßen sie gemeinsam ,eng umschlungen auf der Steinbank und blickten in den Sonnenuntergang.
Ihre Gedichte wurden heiterer und sie fing an über Liebe zu schreiben.Mit ihm wurden alle Träume wahr, die sie sich so lange ausgemalt hatte. Beinahe ein Jahr war sie nun schon mit ihm zusammen. Oft gingen die beiden nachts zu einer kleinen, versteckten Kapelle im nahen Wald und stellten sich vor wie es wäre zu heiraten. Sie war sich sicher wie sehr sie ihn liebte, dies fühlte sie jedes Mal wenn sie in seine strahlenden, braunen Augen blickte und seine Lippen ihr Liebkosungen ins Ohr flüsterten. Alle Probleme schienen auf einmal unbedeutend, wenn sie nur bei ihm war und in seinen Armen lag. Wie gern hätte sie gewusst, wie ihre Eltern Alex gefunden hätten. Sicher wären sie stolz auf ihre Tochter, wie sie die Schule gemeistert hatte und jetzt in der Ausbildung war und ihre freie Zeit mit einem wundervollen Freund verbrachte, der sie von ihren düsteren Gedanken befreite.
Schwarz war aber immernoch Teil ihres Lebens, genauso wie der Schmerz über den Verlust ihrer Eltern ein Teil von ihr war. Eine Zeit aus Glück verstrich und Cara wusste sie zu nutzen, denn schon bald sollten wieder dunkle Wolken den Himmel bedecken.... Es war ein kalter, nasser Sonntagmorgen. Verschlafen erwachte Cara aus einem seltsamen und beängstigenden Traum von Alex, froh über den Glauben, dass er keine Realität sein konnte. Letze Nacht war sie nicht mit ihren Freunden und Alex unterwegs gewesen, da sie sich eine leichte Erkältung eingefangen hatte. Sie waren mit dem Auto von Georg, dem zweit ältesten der Gruppe zu einem Konzert gefahren. Am Nachmittag wollte Alex Cara besuchen und ihr von diesem Abend erzählen.
Verschlafen blickte sie in die tränenerfüllten Augen ihrer Tante und bei den Worten welche diese so behutsam wie möglich sprach, zerbrach ihr Herz in Tausend Stücke und riss Cara in einen Abgrund der tiefer war als jemals zuvor.
Alex war tot. Ein betrunkener Raser war in Georgs Auto gerast und es hatte keine Chance gegeben. Die anderen ihrer Freunde waren teilweise schwer verletzt, doch sie würden überleben. Das wichtigste Wesen in ihrem Leben jedoch, war ihr genommen. Der alles zerstörende Schmerz öffnete ihr die Augen. Sie erkannte, was die wahre Bedeutung von Liebe war. Eine zärtliche Umarmung aus Qualen und Leid. Augenblicke der Ewigkeiten, verloren im Nichts. Brennende Wunden aus BLut und Tränen, die niemals heilen. Sie fühlte wie alles schwand, alles verging und erkannte, dass sie in sich allein war. Sie versuchte die Schönheit der Vergangenheit in sich aufleben zu lassen doch der Schmerz stach in ihr Herz wie ein Dolch in das weiche warme Fleisch.
In einer Apathie aus heissen Tränen verbrachte sie den Tag in ihrem verdunkelten, von schwarzen Kerzen erleuchtetem Zimmer. Morgen würde die Beerdigung stattfinden. Alex würde zu Grabe in die kalte Erde herabgelassen werden und sie bliebe allein zurück. Die erste Beerdigung seit dem Tod ihrer Eltern. Wie sie jedoch den morgigen Tag überstehen sollte oder den Sarg anblicken könnte, ohne vor Kummer zusammenzubrechen, wusste sie nicht, denn der Schmerz und das Leid und die brennende Leere die durch ihren Geist wie ein verzehrendes Feuer jagten war bereits mehr als ein Mensch zu ertragen vermochte.
Alex und sie hatten oft über den Tod geredet. Er hatte ihr damals gesagt, wenn er zuerst sterben müsste, so solle sie in weiss bei der Beerdigung erscheinen, damit er sie unter den anderen Trauernden erkennen könnte. Cara hatte damals gelacht und ihn stürmisch geküsst. Nie hätte sie geglaubt, dass dies jemals geschehen würde. Doch die Zeit war schneller als ihre Hoffnungen und das Schicksal so grausam wie es nur sein konnte. Der Montag kam, ein Tag für die meisten wie jeder andere, doch für Cara ein Tag der lieber niemals hätte existieren dürfen. Zusammengesunken und realitätsfern betrachtete Cara die Menschen um sich herum. Hände wurden geschüttelt und Beileidsbekundigungen ausgesprochen. Einige kannte Cara flüchtig, andere Gesichter waren ihr fremd.
Sie fragte sich, ob diese ihn wirklich gekannt hatten, oder ob sie einfach aus Anstand aufgetaucht waren. Ihr langer weisser und warmer Mantel hebte sie von der Menge ab. Doch in ihr war es schwarz und kalt. Der Pfarrer hielt eine ergreifende Rede neben dem Sarg ihres Geliebten. Das Holz des Sarges war schwarz und glänzend wie sein Haar. Zum Glück wussten die Eltern von Alex von seinen Wünschen und Vorstellungen. Ein weisser Sarg wäre erniedrigend gewesen. An Gott hatte Cara noch nie wirklich geglaubt, doch in dem Moment, als der dumme Pfarrer Standardworte über einen Menschen sprach, den er noch nie zu Lebzeiten getroffen hatte, entflammte ein Hass in ihr.
Am liebsten wäre sie aufgestanden und hätte die Kapelle verlassen, um vor den lügengefüllten Worten des Pfarrers zu fliehn. Doch sie blieb bis zum Schluss, bis die letzte Zeile von Evanescence Hello verklungen war. Dieses Lied war einst das Lieblingslied von Alex. Nach langem diskutieren, hatten es seine Eltern geschafft vom Pfarrer die Erlaubnis zu erhalten, es zu spielen. Die Gemeinde erhob sich schließlich und folgte dem schwarzen Sarg hinaus zu einer seiner letzten Ruhestätte. Direkt neben dem Sarg lief Cara und ihre Hand ruhte sacht auf seiner glatten Oberfläche. Der Weg dorthin erschien ihr wie der längste ihres Lebens und in ihr wurde alles auf einmal still.
Die Worte der Menschen um sie herum wurden immer leiser und wichen schließlich völliger Lautlosigkeit. Die Vögel schienen in stiller Trauer innezuhalten und selbst der Wind vergaß die Bäume zum Rauschen zu ermuntigen. In ihr fühlte sie plötzlich etwas vertrautes und warmes Aufsteigen. Cara blickte sich erstaunt um. Als sie ihren Blick auf einen steinernen Engel einige Meter vom Weg entfernt richtete, sah sie eine vertraute Gestalt daneben stehen. Er war so schön wie sie ihn kennengelernt hatte. Seine braunen Augen funkelten und strahlten ihr entgegen. Er erschien so voller Leben und voller Liebe. Leise hörte sie seine Stimme in ihrem Ohr flüstern.''Du bist tatsächlich in weiss gekommen, meine wundervolle Cara.Es tut mir so unendlich leid, dass ich dich im Stich lassen muss und gezwungen werde zu gehn. Ich liebe dich mehr als alles auf dieser Welt und niemals werde ich dich vergessen. Immer wirst du ein Teil von mir sein und immer werde ich bei dir bleiben''Caras Augen brannten vor Tränen und Schmerz. Sie konnte nicht verstehen warum dies alles geschehen musste. Warum ließ sie jeder den sie liebte irgendwann allein? Sie redeten und redeten und Alex erzählte ihr die ganze Geschichte wie es geschehen war und dass sie sich keine Gedanken darüber machen sollte, ob er gelitten hätte. Er schilderte ihr ein Erlebnis voll Ruhe und Frieden. Eine Welt ohne Kummer und Schmerzen. Er wollte ,dass sie für ihn lebte und versicherte ihr sie würden sich eines Tages, wenn die Zeit gekommen wäre wiedersehen.
Cara war verzweifelt. Sie wollte nicht ohne ihn sein. Wie sollte sie dies nur verkraften? Langsam begannen wieder die Stimmen der Menschen die Stille zu durchdringen. Sie fühlte für einen winzigen Augenblick nur, nocheinmal die warmen und sanften Lippen ihres Liebsten auf ihrem Mund. Dann war er verschwunden und sie blieb allein zurück. Die Gesellschaft war nun an dem offenen Grab angelangt. Cara betrachtete die dunkelrote Rose in ihrer Hand. Als sie über den Stiel strich, ritzten die Dornen ihre weiche Haut und ein winziger Tropfen Blut fiel auf den Sarg. Ein Meer von Rosen regnete in das dunkle Grab und dumpf schlug die Erde auf das Holz und erinnerte an den Klang eines schlagenden Herzens.
Schließlich war die Zeremonie beendet, einige der Besucher und die Eltern gingen noch zu einem Leichenschmaus. Cara erschien diese Sitte unpassend und barbarisch. Als einzige stand sie noch an dem Grab und warf behutsam ihre Rose in die Tiefe. Die Totengräber liessen ihr Zeit einfach nur dortzustehen und zu trauern. Doch nach einigen Stunden schoben sie Cara behutsam zur Seite und begannen das Grab mit Erde zu füllen. Schließlich war ihr Werk beendet und grosse Blumenkränze aus roten und weissen Rosen schmückten nun seine letzte Ruhestätte. Langsam begann die Dämmerung und Nebel hervorzukriechen. Der Wärter fand Cara immernoch auf das Grab starrend und schickte sie schließlich nach Hause.
Missmutig verließ sie den Friedhof und begab sich wieder an ihren gewohnten Platz am Weiher. Einige Stunden verbrachte sie wieder damit, das kräuselnde Wasser anzublicken.
Sie glaubte allein zu sein, doch in Wirklichkeit wurde sie bereits seit Tagen von einem Wesen begleitet, welches wie ein Schatten in ihre Seele zu blicken vermochte und jede Nuance ihres Schmerzes nachfühlen konnte. Gegen Mitternacht beschloss Cara wieder auf den Friedhof zu gehn. Es war zwar bereits recht kalt und frisch geworden. Doch dies fühlte sie kaum. Wie in Trance kletterte sie über das Friedhofstor und schritt sicher und ohne Mühen zu dem kleinen versteckten Ort unter der Trauerweide.
Sie wusste nicht, dass sie verfolgt wurde und spürte nicht die dunkle Energie, welche von diesem Wesen ausgestrahlt wurde. Mit einem leisen Seufzen liess sich Cara neben dem Grab nieder, legte ihre Hand auf die weichen, zarten Blütenschalen der Rosen und fragte sich welchen Sinn ihr Leben jetzt noch hatte. Alles in ihrem Leben war ihr genommen worden. Zuerst ihre Eltern, die sich doch noch so sehr gebraucht hätte und dann den einzigen Menschen seit Jahren, der ihr das Gefühl gab, ihre Sorgen und Gedanken zu verstehen und genauso zu fühlen wie sie. Die Leere in ihr brach wie ein Strom aus ihr heraus und die Tränen tränkten die Rosenblüten. Zitternd und schniefend lag sie auf seinem Grab, versunken in ihrer Welt aus Trauer, als sich der Schatten sacht hinter ihr niederliess.
Zärtlich und sanft legte sich seine kalte Hand auf ihre Schulter und seine Worte drangen wie süsse Musik in ihre Ohren. Sie fragte nicht wer er war, oder was er hier tat. Das einzige was sie wusste war die Verzweiflung in ihr und ein uraltes, angeborenes Bewusstsein als er sagte, er könne jeden Schmerz vergessen lassen und sie zu ihrem Liebsten bringen, wenn sie nur leicht nicken würde. Cara war nicht in der Lage nachzudenken. Sie wusste nur, dass sie zu Alex wollte. Kein Preis war nun zu hoch, denn alles hatte seinen Wert verloren. Blind vor Tränen und von Schluchzern geschüttelt nickte sie schwach. Schon glitt ein starker Arm um ihre schlanke Hüfte und zog sie leicht zurück. Kein Widerstand regte sich in ihr.
So lehnte sie sich an dieses Wesen aus Mythen und Märchen, welches so plötzlich und real in ihre Welt gedrunken war. Ein Wesen für das jedes Wort nur ein Wort des menschlichen Verstandes war und niemals seine Gesamtheit auszudrücken vermochte- Ein Jäger voll Grausamkeit und anziehender Schönheit. So lag sie bereitwillig in den Armen dieses anmutigen Wesens ,einer faszinierenden romantisch erscheinenden und zerstörenden Kreatur welches an die Ewigkeit gebunden war.
Ihr Blick entfloh in die Sterne, weiter als ihr Zeit und Raum hätten folgen können. Sie fühlte seine Macht und seine Gier voll Sehnsucht und Blut als er mit einer Hand beinahe zärtlich ihren Kopf zur Seite bog und die schwarzen,im Wind flatternden Haare zur Seite strich. Sein kalter Kuss berührte ihren Hals und unter einem Schauer der ihren jungen Körper beben liess, durchbrachen seine Fänge ihre Haut wie Dornen einer Rose das weiche Fleisch wenn man nach ihrer Schönheit greift. Er hatte bis jetzt nur die oberste Schicht ihrer jungfräulichen Haut geritzt um die ersten Tropfen ihrer Seele in sich aufzunehmen.
Völlig entspannt lag Cara in seinen Armen. Als die Zähne schließlich noch tiefer in ihr warmes Fleisch glitten und die Arterie trafen, schoss der heisse Strom ihres Lebens wie aus einem Strom heraus und das Wesen ohne Mitleid oder Reue fing es in sich auf um dadurch seine Existenz verlängern zu können. Sanfter Nebel ergriff ihren Geist und ein schwarzer Schleier schien sie einzuhüllen. Als sie ihren sterbenden Körper verließ und in einem Wirbel aus Licht Alex erkannte, welcher ihr seine Arme entgegenstreckte, hauchte sie ein letztes leises Danke über ihre weiss gewordenen Lippen. Der gestärkte und nun vor Kraft glühende Vampir hob Cara sanft an und flog mit ihr auf seinen Armen zu dem Weiher, an dem sie so oft ihre Zeit verbracht hatte. Anmutig schwebte ihr von Steinen beschwerter Körper ,wie ein weisser Engel auf den Grund des Sees um dort seine Ruhe zu finden. Niemand erfuhr jemals was mit Cara geschehen war.
Nach Jahren widmete man den beiden ein Steindenkmal welches sie in einem Kuss verschlungen zeigte. Eine schwarze Rose zierte Caras Hand. Manchmal noch kann man Geschichten über die beiden hören. Wie sie als Geister lachend durch das kleine Wäldchen streifen oder manche Nächte auf einer alten Steinbank verbringen. Eine alte verwirrte Frau behaupt sogar sie hätte Wochen nach Caras Verschwinden mit ihr geredet und erfahren dass sie nun glücklich mit ihrer einzigen Liebe vereint sei und sich niemand mehr Sorgen machen müsste. Doch niemand schenkt ihr Gehör, denn schließlich wirft sie Brot auf einen Weiher, auf dem es keine Enten gibt...

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