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Vampir Geschichten

Kurzgeschichten über die Nachtwesen

Rubinstern


(Lang: 64602 Zeichen)
 belladonna999 Online seid 18.10.2007
(1735 mal gelesen)

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Ich schreibe diese Geschichte für alle, die erfahren möchten, warum ich mich für ein Leben in der Finsternis entschieden habe. Für ein Leben, dass nur durch die Gier nach Blut bestimmt wird!

Mein Name ist Jessica, aber meine Freunde nennen mich Jessy.
Ich bin 26 Jahre und lebe in einer Großstadt, irgendwo in Deutschland.
Alles begann an einem regnerischen Freitagnachmittag. Gedankenverloren schlenderte ich durch unsere sonst so romantische Altstadt. Ich hatte mal wieder eine herbe Enttäuschung hinter mir. Mein Freund hatte sich letzten Monat von mir getrennt.
Doch dieser Spaziergang munterte mich auch nicht auf. Ich zog meine Zigaretten aus der Tasche und zündete mir eine an. Beim Versuch sie zurück in meine Tasche zu stecken, ließ ich sie jedoch fallen. Ich bückte mich um sie aufzuheben. Dabei fiel mein Blick in ein Schaufenster auf der gegenüber liegenden Seite.
Es war mit Grablichtern, Büchern, Kerzenständer und magischen Symbolen geschmückt. Dieser Laden war mir nie zuvor aufgefallen. Schon seid meiner Kindheit war mein Interesse an Okkultem groß. Ich hatte bereits mit 10 Jahren meine erste Vampirgeschichte geschrieben. Über die Jahre entwickelte ich mich zur Okkultismusexpertin und Gothic war mein Lebensstiel. Ich legte Karten, betrieb Heilkunde mit Edelsteinen und Kräutern.
Schöpfte meine Kraft aus den Sagas der alten Germanen und Kelten, aber Vampirismus war meine dunkle Leidenschaft. Deshalb ging ich zum Schaufenster. An der Eingangtüre stand „Exorial“. Ich musste lachen, denn den gleichen Titel trug eines meiner Lieblingsbücher. Ich öffnete die Tür und mir kam eine Duftwolke Patchuli entgegen. Ich betrat den Laden, der nur durch Kerzen erhellt wurde und mir war, als würde ich eine andere Welt betreten.

Ich sah mich um und entdeckte Regale mit Büchern, Tarot’s, Kerzen, Talismane und Amulette. Dann fiel mein Blick auf eine Vitrine mit Schmuck. Ich ging darauf zu und ein lilaner Stein an einer Kette fiel mir sofort ins Auge.
Der Schein der Kerzen ließ ihn schimmern. Ein Stern, gefangen in einem Rubin. Der Sternrubin war der König der Korunde. Er war in Tropfenform geschliffen und ich wusste, dass ich endlich den Stein gefunden hatte, den ich schon so lange suchte. Ich wollte ihn kaufen und drehte mich zur Verkäuferin um, die bereits lächelnd auf mich zukam.
Sie war wohl Mitte 30, hatte langes feuerrotes Haar und leuchtend grüne Augen.
„Ich möchte bitte diese Kette“, sagte ich zu ihr. Sie nahm den Anhänger aus der Vitrine und legte ihn mir um. Ich sah in den Spiegel und war zufrieden. „Endlich“, dachte ich, endlich hatte ich meinen Stein. Er war nach alter Überlieferung ein Symbol für Vampire und Astralvampirismus.
Insgeheim sehnte ich mich nach diesen Untoten Geschöpfen. Nach einem Leben in Dunkelheit und Leidenschaft. Nach einem Wesen der Nacht, dass mir meine Sterblichkeit raubt und mich in die Schönheit der Nacht trägt.
Eine Nacht, in der ich die Jägerin bin, die Schmerz und Leid in die Menschheit trägt. Die Menschheit, die mir soviel Leid zugefügt hat. Mein Leben war bis dahin übersäht von Enttäuschungen und Rückschläge. Doch es gab auch Glücksmomente wie diesen. Der Anblick des Steins versetzte mich in Euphorie, meine Traurigkeit war vergessen, zumindest für den Augenblick.
Die Verkäuferin bestätigte mich in meiner Entscheidung. „Diese Kette ist wie für dich gemacht, ein Unikat, das nur auf dich gewartet hat“, sagte sie. Ja, das war sie wohl. Ich verließ mich meistens auf meine Intuition, meine Träume und Visionen. Wir gingen zur Kasse, ich bezahlte, verabschiedete mich, verließ das Geschäft und machte mich auf den Heimweg.

Kurze Zeit später betrat ich meine Wohnung. 2 Zimmer, Küche und Bad, die ich mein eigen nannte. Ich zog meinen Mantel aus, ging ins Wohnzimmer und legte eine CD ein. Da ich Hunger hatte, schmierte ich mir ein paar Brote und stellte den Teller ins Wohnzimmer. Dann ging ich ins Schlafzimmer, zu meinem Bücherregal, nahm ein bestimmtes heraus und verzog mich damit auf meine Couch. Ich griff zu den Broten und suchte im Buch ein bestimmtes Kapitel. „Stella Rubea“ - da war es! Ein Ritual mit dem man Sternrubine weihte. Es war einer alten Vampirgottheit gewidmet.
Da klingelte es an der Haustür, ich stand auf und öffnete. Es waren Denice und Isabell, meine Freundinnen. Wir begrüßten uns und gingen ins Wohnzimmer. Natürlich berichtete ich ihnen gleich von meiner neuen Errungenschaft. Ich setzte Kaffee auf und bei einem Video, das Denice mitgebracht hatte, wollten wir den Abend ruhig ausklingen lassen.
Die „Königin der Verdammten“ war die Fortsetzung von „Interview mit einem Vampir“. Wir machten es uns gemütlich, dämpften das Licht und genossen den Film bei einer Flasche Rotwein. Knapp 3 Stunden später verabschiedeten sich meine Freundinnen und ich war wieder allein. Es war bereits nach Mitternacht und da ich die Kette noch heute Nacht weihen wollte, bereitete ich alles vor. Ich arbeitete als Fotografin für eine Zeitung und hatte zum Glück gerade Urlaub. Hätte ich früh raus gemusst, hätte ich das Ritual wohl verschoben. Denn eine gute Stunde würde es wohl in Anspruch nehmen.
Ich hatte mir im Schlafzimmer in einem kleinen Schrank meinen Altar eingerichtet. Ich nahm die Kette ab und begann mit dem Ritual. Circa eine Stunde später war ich fertig. Ich zog die Kette wieder an und räumte alles weg. Da es schon spät war ging ich ins Bett. Vor dem Einschlafen lass ich immer noch einen dieser Horrorschmöker. Müde löschte ich das Licht und schlief ein.

Feuchte Nebelschwaden überzogen die Gräber.
Der Mondschein warf silberschimmerndes Licht auf die zahlreichen Gruften und Statuen. Der Wind spielte mit den Ästen der Bäume, wie ein Marionettenspieler mit seiner Puppe.
Diese warfen tanzende Schatten auf die steinernen Monumente. Blätter wirbelten vor meinen Füssen umher. Alles schien mir so vertraut und doch so fremd. Langsam schritt ich über den mit Efeu überzogenen Boden. Plötzlich fühlte ich mich beobachtet. Hinter jedem Grabstein, Baum oder Busch sah ich schwarze Schatten huschen.
Und dennoch schien für mich keine direkte Gefahr davon auszugehen. Doch dann lösten sich zwei Schatten aus der Dunkelheit. Die Umrisse nahmen allmählich Gestallt an und ich erkannte ein Pärchen, das in meine Richtung kam. Die Frau war höchstens 18 Jahre alt, hatte kurzes, aber knallrotes Haar. Sie war ein hübsches und zierliches Wesen.
Der Mann an ihrer Seite war bestimmt einen Kopf größer als sie. Er hatte langes blondes Haar, trug einen knielangen Ledermantel und war ganz in schwarz gekleidet. Sein Haar schimmerte wie das eines Engels, doch die Strahlen des Mondes spiegelten die Wildheit seiner Augen und seine markanten Gesichtszüge wieder.
Sie liefen Arm in Arm und blieben nicht weit von mir entfernt vor einer Grabplatte stehen. Er zog sie in seine Arme und küsste sie leidenschaftlich. Langsam ließen sie sich auf dem kalten, nassen Stein nieder. Er saß mit dem Rücken zum Grabstein und sie auf seinem Schoß. Beide küssten sich leidenschaftlich, das Mädchen öffnete sein Hemd und liebkoste seinen nackten Oberkörper.
Wow...dieser Kerl hatte einfach alles, der reine Wahnsinn. Ich stand nur drei Gräber entfernt von den beiden, im Schatten einer großen Buche. Eigentlich wollte ich mich ja davonschleichen, aber irgendetwas hielt mich zurück.
Da war noch etwas anderes an dieser Szenerie, und ich erschrak, als sich plötzlich jemand von hinten gegen mich drückte. Wie versteinert stand ich da, als dieser jemand fest seine Arme um mich legte.
„Sieh nur hin und genieße was du siehst! “ hörte ich ihn sagen.
Mein Blick fiel wieder auf das Pärchen, das noch immer im Liebesspiel vereint war. Er hatte ihr inzwischen die Bluse ausgezogen und sie lag mit nacktem Oberkörper in seinen Armen. Sie küsste gerade seine Brust als er mit einer schnellen Bewegung seine Hand in ihren Nacken legte und ihren Kopf zur Seite riss.
Er warf sein Haar zurück und grub seine Zähne wild in ihren Hals. Der Körper des Mädchens zuckte und dann lief ihr eine dünne Blutspur am Rücken hinab. Genüsslich labte er sich an ihr und dann blickte er mir genau in die Augen. Mein Verstand spielte verrückt, ich wollte weglaufen, doch daran hinderte mich ja der Unbekannte, der mich immer noch fest in seinen Armen hielt.
Es war verrückt, aber irgendwie fühlte ich mich geborgen in seinen starken Armen. Plötzlich ließ der Blonde von seinem Opfer ab, stieß es beiseite, stand auf und kam mit einem Grinsen auf seinen blutverschmierten Lippen auf mich zu. Ich konnte mich noch immer nicht bewegen. Doch da lockerte sich sein Griff und er drehte mich zu sich herum.
Er drückte mich gegen den Baum und nun sah ich endlich sein Gesicht. Es war umrahmt von langem schwarzem Haar, das seine blasse Haut, die geschwungenen Augenbraun und seine Bernsteinfarbenen Augen verliehen ihm ein diabolisches Aussehen. Seine Lippen waren wohlgeformt und als er sie öffnete, sah ich die spitzen Zähne, die jeden Vampir ausmachten. Er beugte sich in Richtung meines Halses und glitt mit seiner Zunge langsam an ihm entlang. In meinen Kopf drehe sich alles und mir war als würden tausend Blitze meinen Körper durchfahren. Ich spürte wie er zärtlich in mein Ohr biss.
Dann blickte er mir tief in die Augen und plötzlich spürte ich seine Lippen auf den meinen. Sein Kuss wurde immer leidenschaftlicher und dann wanderten seine Lippen von meinem Mund zum Hals. Neben seinen Lippen spürte ich nun auch seine Zähne, die er erst leicht und dann immer fester in mein Fleisch grub.
Plötzlich schreckte er zurück und in seinen Augen sah ich Leidenschaft und Verwirrung zugleich. Er küsste mich noch einmal zärtlich auf die Lippen, ließ mich dann los, drehte sich um und beide gingen davon. Schweigend sah ich ihnen nach und sah dass er einen langen Ledermantel trug und seine Haare reichten ihm fast bis zur Hüfte. Ohne sich umzudrehen verschwanden beide in der Dunkelheit...!
Schweißgebadet wachte ich auf und brauchte eine Weile um zu registrieren, wo ich war.
Ich lag im Bett und die Jalousie schlug im Luftzug gegen die Balkontüre. Der Schein des Vollmondes erhellte mein Zimmer. Ich knipste das Licht an, griff nach einer Schachtel Zigaretten, die auf dem Nachttisch lagen, zündete mir eine an und ging hinaus auf den Balkon. Der Wind umspielte meinen zitternden Körper, hastig nahm ich einen tiefen Zug. „Das war alles nur ein Traum, nur ein Traum“, sagte ich immer wieder leise vor mich hin.
So einen realen Traum hatte ich noch nie zuvor. Mir war so als spürte ich seine Lippen immer noch auf meinem Mund. Ich blickte hinauf zum Mond, Wolken waren keine zu sehen, es war eine wundervolle sternenklare Nacht. Die Stadt unter mir lag noch in tiefem Schlaf. Meine Wohnung lag im 3. Stock eines alten Jugendstilhauses, mit Blick auf die Altstadt. Ich schnippte die Kippe über die Brüstung und ging wieder hinein.
Ein Blick auf die Uhr sagte mir, dass es erst halb vier war. Ich legte eine CD ein und ging wieder in mein Bett. Ich lauschte der Musik und in Gedanken spielte sich der eben erlebte Traum noch einmal vor meinem geistigen Auge ab. Vielleicht war ja der Film oder der Roman den ich gerade las, der Auslöser für diesen Traum. Aber er war so real, er glich einer Reise auf astraler Ebene. Ich konnte ihn einfach nicht zuordnen. Einige Zeit später schlief ich wieder ein und hatte bis zum aufwachen eine restliche ruhige Nacht.

Ich schlief bis Mittag und nach dem Frühstück musste ich erst mal Einkaufen und danach die üblichen Hausarbeiten erledigen. Den Nachmittag vertrieb ich mir mit Fernsehen. Gegen 19 Uhr duschte ich und musste mich dann erst mal durch meinen Kleiderschrank wühlen.
Nach langem suchen entschied ich mich dann für eine langärmlige Coursage, dazu einen kurzen Samtrock, Netzstrümpfe und natürlich durften die langen Schnürstiefel nicht fehlen. Geschminkt hatte ich mich wie immer und meine lange Mähne bändigte ich zum Zopf. Die Seiten hatte Denice bereits ausrasiert als sie mir rote Strähnen ins schwarze Haar färbte. Ein Blick in den Spiegel und ich war zufrieden mit mir.
Ich geizte nicht mit meinen Reizen, doch für manche war das wohl ein Freifahrtsschein. Da waren sie bei mir allerdings an der falschen Adresse, ich war kein Mädchen für eine Nacht. Da klingelte mein Handy, das war das Zeichen das Denice und Isabell unten im Auto auf mich warteten. Ich nahm meine Sachen und eilte nach unten.

Als wir auf dem Parkplatz unserer Stammdisco ankamen, standen schon einige Autos und Motorräder da. Es war ein Mistwetter, den ganzen Tag über hatte es geregnet und es sah auch nicht so aus, als ob es bald aufhören würde. Denice parkte ihr Auto direkt am Eingang und wir stürmten zur Türe, um nicht nass zu werden.
Das „Raven“ war der Angesagteste Club in unseren kreisen. Hier traf man Gothic`s und Headbanger zugleich. Der Tanzpalast bestand aus zwei Ebenen. In der einen konnte man zu hartem Metallsound die Haare kreisen lassen, in der anderen wurde von depressivem Gothic, bis hämmerndem Industrial die ganze Palette gespielt. Es gab mehrere Bars, ein Cafe und eine Spielhalle. Die Wände zierten unzählige Fratzen, Monster und Fantasiegestallten, die Decken waren mit Efeu und Spinnweben bewuchert und Kerzen standen in jeder freien Ecke.
Hinter der Kasse gab es eine Garderobe, an der wir unsere Sachen abgaben. Gemeinsam stürmten wir die Bar und nahmen auf den Barhockern Platz. Wir bestellten uns etwas zu trinken und unterhielten uns. Dann beschlossen wir zur Tanzfläche zu gehen, überall gab es Sitznischen und über Treppen konnte man noch höhergelegene Plätze erreichen. Von dort aus hatte man eine gute Sicht über alles. Wir saßen immer genau an der Tanzfläche, dort traf sich unsere ganze Clique. Wir begrüßten erst einmal alle, die bereits da waren und setzten uns dann. Denice und Isabell gingen tanzen und ich schaute mich erst einmal um.
Zum Glück sah ich meinen Ex nicht, der hätte mir gerade noch gefehlt. An der Bar sah ich Josie stehen, sie bestellte sich gerade etwas zu trinken. Ich stand auf und ging zu ihr. Ich freute mich sie zu sehen, denn sie war meine beste Freundin und sie war erst vorgestern aus dem Urlaub zurückgekommen. Wir kannten uns schon aus der Schule, sie war so alt wie ich, hatte schulterlanges Haar und grüne Augen.
Wir fielen uns in die Arme und sie erzählte mir von ihrem Urlaub. Sie war ganz aus dem Häuschen, weil sie gestern einen Typen kennengelernt hatte. Beide hätten sich für heute abend im „Raven“ verabredet.
Er hieß „Picasso“ wie originell, solange er nicht aussah wie einer. Da machte ich mir aber keine Sorgen, denn Josie und ich hatten den gleichen Geschmack, was Männer betraf. Wir unterhielten uns noch eine weile und gingen dann tanzen. Ich war heute dermaßen Energiegeladen, das ich mehrere Lieder durchtanzte. Danach ging ich zur Toilette um mich frisch zu machen. Ich drehte noch eine Runde durch die Disco, holte mir einen neuen Southern Comfort Kirsch und ging wieder zum Tisch.
Jetzt waren fast alle aus unserer Clique da. Ich sah mich um und sah Josie mit einem Typen tanzen. Das musste wohl ihr neuer Lover sein und sie hatte nicht übertrieben. Er sah wirklich gut aus, war groß, schlank, hatte langes blondes Haar, das er genauso wie ich trug. Er war geschminkt, trug ein enges Lackoberteil, Lackhose und Boots. Beide legten eine heiße Nummer aufs Parkett und irgendetwas kam mir an ihm vertraut vor.
Als der Song zuende war, sah Josie mich am Tisch und kam mit ihm im Arm auf mich zu. Sie machte uns miteinander bekannt. Als er mich angrinste und mir die Hand reichte, stockte mir der Atem. Denn dieser Picasso hatte eine gewisse Ähnlichkeit mit dem blonden Vampir aus meinem Traum. Aber das war ja irre, es war doch nur ein Traum. Josie wollte etwas zu trinken. Zusammen gingen wir an die Bar und setzten uns an den Tresen. Josie saß zwischen uns, wir bestellten Tequila, unterhielten uns und aus einem Tequila wurden mehrere.
Ich fand Picasso ganz in Ordnung und verwarf den Gedanken an meinen Traum. Wir waren guter Stimmung und lachten viel als sich ein Typ neben mich setzte, der mich natürlich auch gleich blöd anmachte. „Na Puppe wie wär’s mit nem Drink? So`n heißer Feger wie du sollte nicht alleine trinken, “ sagte er. Ich drehte mich angewidert um und versuchte ihn zu ignorieren. Doch dann legte er seinen Arm um mich und betatschte mich.
Wütend versuchte ich mich aus seiner Umarmung zu befreien. Da stand Picasso auf, packte den Typ am Arm und mit der anderen griff er ihm ins Genick. Mit einem gewaltigen Ruck zog er ihn vom Barhocker. Er hatte keine Möglichkeit sich aus Picassos Griff zu befreien und so musste er sich wohl oder übel nach draußen befördern lassen. Wir blieben verdutzt an der Bar zurück. Picasso schob den Rüpel aus der Diskothek, er lockerte seinen Griff auch dann noch nicht, als sie bereits in eine dunkle Gasse hinter der Diskothek einbogen.
Erst jetzt lockerte er seinen Griff, drehte den Mann herum und schleuderte ihn so hart gegen die Wand, dass ihm wahrscheinlich alle Knochen im Leib brachen. Dann packte er ihn, zog ihn hoch und stemmte ihn gegen die Wand. „So behandelt man keine Lady, du Mistkerl, “ sagte er. Der andere winselte nur vor Schmerzen. Im nächsten Moment war er tot, denn Picasso biss ihm ein riesiges Stück Fleisch aus seinem Hals heraus. Dann packte er ihn und beförderte ihn in die Mülltonne, die neben ihnen stand und ging zurück in die Diskothek.

Picasso war keine zehn Minuten weg gewesen, als er sich wieder zu uns gesellte. Er meinte noch „Solchen Müll sollte man beseitigen.“ Und damit war das Thema gegessen. Ich ging auf die Tanzfläche um mich abzureagieren. Josie und Picasso verschwanden in eine der Sitzecken. Die Zeit verging wie im Flug und da Denice und Isabell nach Hause wollten, verabschiedete ich mich von allen.
Beim gehen sah ich Josie und Picasso in einer dunklen Ecke sitzen. Er hielt sie im Arm und knabberte an ihrem Hals herum. Wieder erinnerte ich mich an die Bilder aus meinem Traum. Hätte Picasso andere Kleidung an, wäre Ungeschminkt und hätte er seine Haare offen, würde er dem Blutsauger aus meinem Traum zum verwechseln ähnlich sehen. Ich steuerte auf die beiden zu und als er mich kommen sah, drückte er Josie hoch. Sie lächelte und beide verabschiedeten sich von mir.
Ich ging noch meinen Mantel holen und dann verließen wir die Disco. Denice setzte mich zuhause ab, wir verabschiedeten uns und ich ging nach oben. Ich war noch nicht müde und beschloss ein Bad zu nehmen, ich ließ das Wasser ein, zog mich aus und stieg in die Wanne. Zuvor hatte ich mir noch ein Glas Wein eingeschenkt, ich liebte es bei einem guten Wein und Kerzenschein zu entspannen.
Ich dachte wieder an den Traum, wobei mir der mysteriöse schwarzhaarige nicht mehr aus dem Kopf ging. Er war die Verkörperung eines Vampirs, so wie ich ihn mir erträumte. „Erträumte“... das war es eben, nur ein Traum. Aber die Ähnlichkeit von Picasso war verblüffend. „Das ist wahrscheinlich nur ein Zufall“ dachte ich. Ich trank den letzten Schluck Wein und stieg aus der Wanne.
Nachdem ich mich angezogen hatte, ging ich ins Schlafzimmer, stellte die Musik an, zündete mir eine Zigarette an und ging hinaus auf den Balkon. Es regnete immer noch und ich liebte das Geräusch des Regens, wenn er auf das Dach des Balkons prasselte. Der Wind fuhr durch mein Haar, das erinnerte mich wieder an seinen Atem, wie er meinen Nacken steifte. Ich entsorgte die Kippe und sah ihr auf ihrem Weg nach unten nach.
Unterhalb unseres Hauses lag ein kleiner alter Park mit Resten der Stadtmauer. Er war ziemlich verwildert, aber das verlieh im seinen Charme. Er war spärlich beleuchtet und nur wenigen Leuten bekannt. Diejenigen die sich dorthin verliefen, taten es in der Absicht, dort ein Schäferstündchen zu verbringen. Der Regen und der Rest meiner Zigarette verschwanden in seichten Nebelschwaden. Plötzlich sah ich zwischen den hohen, alten Bäumen die Umrisse einer männlichen Person stehen, die genau zu mir hoch zu schauen schien. Er bewegte sich und schien etwas aus seinem Mantel zu holen, was konnte ich nicht erkennen, dann sah ich die schwache Glut, er hatte sich eine Zigarette angemacht.
Wie angewurzelt stand ich da, konnte mich nicht bewegen, nur ihn anstarren, obwohl ich ihn nur undeutlich sehen konnte, erkannte ich einen langen Mantel und er musste wohl langes Haar haben. Dann drehte er sich um und ging weg. Sein Haar wurde vom Wind umhergeweht und als er unter einer der wenigen Laternen Langschritt, erkannte ich noch dass es schwarz war und dann war er in der Dunkelheit verschwunden.
Ich wusste nicht wie lange ich noch so da stand, jedenfalls war mir dann sehr kalt geworden und ich ging hinein. Wer war das gewesen? Ich wusste es nicht, noch nie zuvor war mir im Park seinesgleichen aufgefallen. Ich wusste es einfach nicht und wollte mich jetzt auch nicht damit auseinandersetzen. Deshalb löschte ich das Licht und ging zu Bett.

Am nächsten Tag hatte ich erst einmal in Ruhe gefrühstückt und mich dann gegen 16 Uhr auf den Weg zu Josie gemacht. Wir hatten uns für heute nachmittag verabredet. Es hatte endlich aufgehört zu regnen, ab und zu gelang es der Sonne sogar die Wolkendecke zu durchbrechen. Und nach einem kurzen Spaziergang war ich bei Josie`s Wohnung angekommen und klingelte, doch niemand öffnete. Josie war normal eine Frühaufsteherin und deshalb konnte ich mir nicht vorstellen, dass sie noch immer schlief.
Wie viele Drinks hatte sie denn gestern? Oder war sie vielleicht mit zu Picasso gegangen und hatte mich vergessen? Nachdem ich bereits 5-6-mal geklingelt hatte, ging die Türe doch auf. Ich ging nach oben, die Türe war angelehnt, ich ging hinein und schloss sie hinter mir. Ich rief nach Josie und hörte sie im Schlafzimmer, sie saß auf dem Bett und hielt die Hände vors Gesicht. Sie musste wohl ne heiße Nacht hinter sich haben, die Handschellen, Kerzen und das Chaos im und ums Bett sprachen Bände. Ich setzte mich aufs Bett und bot ihr grinsend eine Kippe an. Wir unterhielten uns und ich lag gar nicht so falsch mit der heißen Nacht. Picasso musste ein ganzschönes Tier im Bett sein, so wie Josie aussah, könnte man eher denken, sie hätte die ganze Nacht über der Kloschüssel verbracht.
Ich ging erst mal in der Küche und setzte starken Kaffee auf und Josie verschwand ins Bad. Ich brachte den Kaffee gleich ins Wohnzimmer und machte die Glotze an. Auf dem Boden lagen einige Zeichnungen von Josie, eine viel mir sofort auf, es war ein Bild von Picasso, ein Porträt, ungeschminkt und mit offenen Haaren. „Wie der Typ aus meinem Traum“, dachte ich. Gerade als ich es aufhob betrat Josie den Raum und griff zum Kaffee. „Ist gut getroffen, oder? Ich hab noch mehr Bilder von Picasso, “ sagte sie. Josie ging zum Schrank und holte ihren Zeichenblock hervor. Beim durchblättern fiel mir ein Szenario auf einem Friedhof auf. Josie erklärte mir der Picasso morgen mit ihr auf einen Friedhof wolle.
Sie schmunzelte, als sie das sagte. Sie hätte noch nie auf einem Friedhof und Picassos Beißspiele hätte sie am liebsten. Ich nahm einen Schluck und zündete mir eine Zigarette an, ich wusste einfach nicht was hier ablief. Diese Bilder waren identisch mit meinem Traum. Sollte ich Josie davon erzählen? Das würde mir doch niemand glauben. Josie hatte dieses Bild gemalt bevor sie mit Picasso auf dem Friedhof war, es ist noch nichts passiert. Ich beschloss nichts zu sagen, vielleicht konnte ich ihnen ja heimlich folgen. Josie wusste noch nicht viel von Picasso und einen schwarzhaarigen kannte sie auch nicht. Er wolle sie allerdings nachher abholen und mit zu Freunden nehmen. „Du kannst doch auch mitkommen, wenn er nichts dagegen hat“, sagte sie und verschwand dann um sich anzuziehen.
Da klingelte es auch schon an der Tür und Josie nahm Picasso in Empfang, um ihm zu sagen dass ich auch da sei. Er kam ins Wohnzimmer und begrüßte mich. Er hatte schon einen umwerfenden Charme und ich konnte verstehen, warum Josie so Happy war. Als sie sich umgezogen hatte, kam sie zu uns und fragte, wo es denn jetzt hinginge und ob er etwas dagegen hätte, wenn ich mitkommen würde. „Ganz im Gegenteil, ich hätte Josie schon noch gesagt, dass sie dich fragen soll ob du mitkommst!“ sagte er. Er wollte mich also dabei haben, mir wurde die Sache immer mysteriöser und ich wollte ihr auf den Grund gehen. Dann machten wir uns auf den Weg.
Wir stiegen in seinen schwarzen Jeep und fuhren erst einmal an eine Tankstelle, denn Josie wollte noch Zigaretten holen. Dort angekommen, stieg sie aus und wir blieben alleine im Wagen. Er sagte keinen Ton und es war irgendwie seltsam mit ihm alleine zu sein. Dann trafen sich unsere Blicke im Rückspiegel und mir rann ein Schauer über den Rücken. „Wer bist du?“ dachte ich und er warf mir nur ein wissendes Lächeln zu, gerade so als hätte er meine Gedanken gehört. Da zog Josie auch schon die Beifahrertür auf und für den Rest der Fahrt, dröhnte nur noch der Bass der Anlage.
Er bog in einen Waldweg ein und Minuten später erreichten wir den Parkplatz einer Villa. Ein riesiges, altes Backsteingebäude, die Fenster waren nur spärlich beleuchtet. Ich wusste nicht was uns hinter diesen Mauern erwartete. Mit gemischten Gefühlen stieg ich aus und kalte Schauer rannen mir über den Rücken beim Anblick dieses unheimlichen Gemäuers.

Treppen führten von beiden Seiten zu einer mächtigen Einganstüre. Picasso ging voran und oben angekommen betätigte er den historischen Türklopfer. Ein großer, Glatzköpfiger Typ öffnete uns. Er sah schrill aus, hatte eine Tätowierte Glatze, war extrem gepierct und war ganz in Latex gekleidet. Er begrüßte uns und wir gingen hinein.
Wo andere Häuser Flure hatten, hatte dieses eine riesige Empfangshalle, genauso eine wie man sie aus diesen Südstaatenfilmen kannte. Von der Mitte aus ging eine mit Holzfiguren verzierte Treppe nach oben, dunkelrote Teppiche bedeckten die Treppe und den Boden. Große Gemälde hingen an den Wänden und in jeder Ecke standen kostbare Statuen. Aus den Nebenräumen hallte Musik und Stimmen. Wir gingen in das Zimmer zu unserer linken. Die Party war schon voll im Gange.
Das Zimmer war schon fast ein Saal, große Fenster mit roten Samtvorhängen, alle Möbel waren aus dunklem Mahagoniholz, unzählige Kerzenständer in allen Größen. Am Zimmerende stand die Musikanlage, vor der schon viele Gäste tanzten. Das Ambiente war fabelhaft, ich war fasziniert von diesem Haus und diese Atmosphäre ließ mich all meine Bedenken vergessen. Im Nebenraum war eine Bar aufgebaut, an die gingen wir, um uns Getränke zu hohlen. Picasso musste noch etwas erledigen und ließ uns allein. Wir schnappten die Drinks und stürzten uns ins Getümmel. Ich ging tanzen und gab mich leidenschaftlich den düsteren Klängen der Musik hin. Es war sehr heiß im Saal und als ich zu unserem Tisch zurück kam, hatte uns Picasso bereits neue Getränke gebracht.
Plötzlich ging die Musik und das Licht aus, nur die Kerzen spendeten noch ihr flackerndes Licht. Es herrschte eine gespenstische Stille im Saal, als plötzlich die Scheinwerfer auf eine Frau in der Mitte des Raumes fiel. Sie trug ein grünes Samtkleid mit tiefem Dekolletee, ihr blondes Haar hatte sie zum Zopf zusammengebunden. Der DJ hatte die Nebelmaschine angeschmissen und Mittelalterliche Klänge hallten durch den Raum. Sie blickte sich mit ängstlichen Blicken um und aus dem Nebel löste sich eine männliche Gestalt. Ich konnte die Umrisse nur langsam erkennen, er war groß und als er ins Licht trat, konnte ich sein Gesicht erkennen. „Oh mein Gott, er ist es“, dachte ich.
Dieser seltsame Fremde aus meinem Traum. Er trug einen schwarzen Gehrock, die Haare hatte er zum Zopf geflochten. Er ging auf das Mädchen zu, packte ihre Hand, zog sie in seine Arme und dann begannen sie zu tanzen. Geschmeidig bewegten sie sich zur Musik. Sie schien regelrecht unter seinem Bann zu stehen, sie versuchte sich loszureisen, doch sie schaffte es nicht, er zog sie immer wieder zurück in seine Arme.
Dabei strich er ihr immer wieder über`s Gesicht und den Hals. Wie versteinert stand ich da, alles um mich herum verschwamm, ich sah nur noch die beiden. Mir war als würde ich wieder träumen. Dann riss er sie ruckartig herum, langsam glitt seine linke Hand über ihren Oberkörper, umspielte ihre Brüste und ihren Hals. Mit der anderen zog er sie an den Haaren um den Hals freizulegen. Dann öffnete er den Mund, legte zwei spitze Fangzähne frei und biss zu. Deutlich sah ich wie das Blut an ihrem Körper entlang glitt.
Dann sackte sie leblos zu Boden und beide verschwanden im dichten Nebel. Es wurde dunkel und als das Licht anging, waren beide verschwunden.
Die Anwesenden klatschten euphorisch und dann ging die Party normal weiter.
Ich musste erst mal meine Gedanken sammeln. Was war das hier? So eine Art Theater? Da rempelte Josie mich an und riss mich aus meinen Gedanken. „Wow war das geil, der reinste Wahnsinn“, sagte sie freudestrahlend.
Da kam Picasso und das Mädchen das gebissen wurde auf uns zu. Sie hatten etwas zu trinken dabei, die reichten sie uns und Picasso stellte sie uns als Helena vor. Wir begrüßten sie und unterhielten uns über die Vorstellung. Helena hatte noch immer die Bisswunden und die sahen verdammt echt aus. Josie wollte wissen wie Picassos Freund hieß und Helena ließ sich die Antwort nicht nehmen, sie teilte uns mit das er André hieß.
„André heißt er also“, dachte ich. Er sah genauso aus wie der Vampir aus meinem Traum, das konnte doch kein Zufall sein.
Ich hatte nicht viel zur Unterhaltung der anderen beizutragen, mir ging zuviel durch den Kopf. Er hatte mir vorhin auch keinen Blick gegönnt und so wie diese Helena von ihm sprach, schienen die beiden was miteinander zu haben. Was war nur mit mir los? War ich etwa eifersüchtig? Ich kannte ihn doch gar nicht. Helena verzog sich dann mit einem anderen Kerl im Schlepptau in ein Nebenzimmer. Ich hatte genug und wollte erst einmal an die frische Luft. Ich ging durch die Terrassentüre nach draußen und ließ alles hinter mir.

Es ging ein schwacher Wind und die frische Luft tat mir richtig gut. Ein paar Stufen führten von der Terrasse in den Garten, er musste ziemlich groß sein, Bänke standen in Abständen am Wegrand und hohe, alte Bäume zeugten davon, dass er schon sehr alt sein musste. Ich ging eine weile und kam an einen kleinen See.
Der Lärm vom Haus wurde durch den Park gedämpft. Ich zündete mir eine Zigarette an und ging langsam am Seeufer entlang. Ich versuchte Ordnung in meine Gedanken zu bekommen. Wer war dieser André, oder was war er und Picasso? Waren die beiden einfach nur Vampirfanatiker? Üblich war das in unserer Szene natürlich schon. Viele glaubten an Vampire, Dämonen und Magie. Aber wieso hatte ich dann diesen Traum?
Vielleicht sollte mir dadurch nur offenbart werden, wen ich kennen lernen würde. Ich wusste es einfach nicht. Ich kam an eine kleine Brücke, die zu einem Pavillon hinaus auf den See führte. Ich ging hinüber und setzte mich auf die Bank, die in der Mitte des Häuschens stand. Gedankenverloren starrte ich auf``s Wasser und bemerkte wohl deshalb nicht gleich, dass sich mir jemand näherte. Durch Schritte wurde ich aus meinen Gedanken gerissen. Ich drehte mich um, jemand kam über die Brücke auf mich zu. Der Mond schien hell genug um ihn erkennen zu können.
„Oh mein Gott, dachte ich, das ist er.“ Und tatsächlich kam André genau auf mich zu. Er hatte sich umgezogen, trug jetzt eine Lederhose, ein Rüschenhemd und die Haare hatte er offen. Ich wurde nervös, er war nur noch ein paar Meter von mir entfernt. Er sah mich an und lächelte. An der Bank angekommen, fragte er ob er sich setzen dürfe. Ich nickte und er nahm neben mir Platz. Er zog ein Zigarettenetui aus der Brusttasche seines Hemdes und hob es mir hin. Ich versuchte ruhig zu bleiben, dennoch zitterten meine Finger, als ich zugriff. Er bemerkte es, ließ sich jedoch nichts anmerken. Lässig reichte er mir Feuer und zündete sich ebenfalls eine an. Langsam blies ich den Rauch aus, es herrschte eine Stimmung zwischen uns die, die Luft knistern lies.
Dann ergriff er das Wort und fragte mich ob mir die Show gefallen hatte. Ich bejahte und sagte ihm, dass ich sie aber für sehr Real hielt. Da drehte er sich zu mir und sagte, dass Helena zwar sehr gut wäre, er aber lieber mit mir getanzt hätte. Er hätte mich beobachtet, meine Art mich zu bewegen, eine Art, die er als geschmeidig, elegant und äußerst erotisch bezeichnete. Erotisch – hatte er erotisch gesagt? Was sollte das? Wollte er mich anmachen? Dabei hatte ich heute nicht mal ein besonderes Outfit an als ich zu Josie ging.
Ich war ja nicht auf eine Party eingestellt und hatte deshalb auch nur eine schwarze Hüfthose, eine bauchfreie Rüschenbluse und meinen Ledermantel an. Ich hatte auch kein auffälliges Make-up aufgelegt. Im Gegensatz zu den Girls auf der Party war ich heute wohl eher ein Mauerblümchen. Ich wusste nicht was ich darauf sagen sollte. Das übernahm er dann als er sagte, “ Picasso hat nicht übertrieben – du bist eine Wahnsinnsfrau!“
„Was – er hat dir von mir erzählt“, sagte ich.
„Ja, und er hat noch untertrieben – du bist ein Traum!“ sagte er und strich mir ein Strähne aus dem Gesicht, dabei fuhren seine Finger über mein Gesicht und an meinem Hals angekommen, griff er nach meiner Kette und nahm den Rubin in seine Hand. Ich wollte etwas sagen, doch ich brachte kein Wort heraus. Seine Augen, die übrigens wirklich bernsteinfarben waren und seine Ausstrahlung nahmen mich gefangen. Er zog leicht an der Kette um mein Gesicht nahe an seines heran zu bringen.
Er sah mir tief in die Augen und dann küsste er mich.
Ich erwiderte seinen Kuss, ich konnte gar nicht anders. Das war Wahnsinn, meine Sinne spielten verrückt. Dieser Mann, dieser Kuss, ich versank in der Ewigkeit, mein Blut begann zu kochen. In diesem Moment war er kein Fremder für mich, da war ein Gefühl der Vertrautheit, als würden zwei Seelen verschmelzen, die zusammen gehörten.
Wir küssten uns leidenschaftlich und er drückte mich dabei langsam mit dem Rücken auf die Bank. Seine Hand wanderte unter meinen Mantel und ich zuckte zusammen, als seine kalte Hand meine warme Haut berührte. Er streichelte meinen Bauch und seine Finger spielten mit meinem Bauchnabelpiercing. Dann küsste er meinen Hals und knappere an meinem Ohr. Und, es war verrückt, aber ich sehnte mich danach, seine Zähne an meinem Hals zu spüren. Er schien meine Gedanken zu lesen, denn nun biss er mich zärtlich.
Wobei sein Biss immer fester und wilder wurde. Mein ganzer Körper schien zu beben.
Er biss mich mit solch einer Leidenschaft, man könnte meinen, ich wäre Rotkäppchen und er der böse Wolf. „Nein!“ flüsterte ich und drückte ihn plötzlich von mir weg. Er setzte sich aufrecht hin und sah mich an. In seinen Augen leuchtete Wildheit und Verlangen. Zitternd lag ich vor ihm. „Wer bist du?“ fragte ich ihn. Mir ruhiger Stimme sagte er zu mir: „Ich bin der Mann deiner Träume, dein Schicksal!“ Dieser Augenblick erschien mir wie eine Ewigkeit, ich blickte ihn nur schweigend an. Er sprach kein Wort, dann gab mir einen zärtlichen Kuss und zog mich von der Bank hoch. „Komm, lass uns zu den anderen gehen“, sagte er, nahm meine Hand und wir gingen schweigend zurück zur Villa.

Die Party war voll im Gange. Josie sah uns gemeinsam hereinkommen und kam zu uns.
Sie fragte mich, ob sich da etwas zwischen André und mir entwickelte. Ich erzählte ihr nur oberflächlich von unserer Begegnung. André war zwischenzeitlich hinter dem DJ Pult verschwunden, redete mit ihm und kam dann auf uns zu. Das Licht wurde gedämpft und André schien durch die Nebelschwaden zu schweben. Er blieb stehen und gab mir ein Zeichen, dass ich zu ihm kommen sollte. Als ich langsam auf ihn zuging, dröhnten bereits die ersten Takte von Tito & Tarantulla`s – After Dark – aus den Lautsprechern.
Er streckte die Hand aus und zog mich in seine Arme. Ich liebte dieses Lied und wollte mit ihm tanzen. Engumschlungen bewegten wir uns zum Rhythmus der Musik. Wir spielten miteinander und immer wieder strich er über meinen Hals und küsste diesen. Für die Anderen muss es ausgesehen haben, wie die Mischung aus Dirty Dancing und Tango, es schien ihnen zu gefallen, denn die hatten einen Kreis um uns gebildet.
Dann war der Song zuende und wir verschwanden im Nebel. Unsere Zuschauer klatschten Beifall und André zog mich an die Bar ins Nebenzimmer, um uns etwas zu trinken zu holen. Picasso kam mit Josie im Arm zu uns, er wollte ihr das Haus zeigen und fragte uns, ob wir nicht mitkommen wollten. Natürlich wollte ich dieses schöne Haus besichtigen, freudig stimmte ich zu. André nahm mich an der Hand und wir gingen durch eine kleine Seitentüre, die in einen Flur führte. Er öffnete eine Tür, die in einen Speisesaal führte. Auch hier herrschte das gleiche alte Flair, wie in den anderen Räumen.
In der Mitte stand ein großer Tisch mit vielen schönen Stühlen, die zweifellos sehr kostbar waren. Die Decke zierte ein Kronleuchter und am anderen Ende befand sich ein großer, offener Kamin. Wir durchquerten den Raum und durch eine kleine Türe kamen wir zu einer steinernen Wendeltreppe. Diese gingen wir hinunter und kamen dann in ein Kellergewölbe.
“In diesem Haus kann man bequem drei Horrorfilme drehen und jetzt geht’s bestimmt in die Folterkammer! Hier würde ich gerne einmal Fotos machen, “ sagte ich lachend. André nahm eine brennende Fackel von der Wand und öffnete die Türe am Treppenende. Langsam verteilte sich der Schein der Fackel im Raum. Es war ein Gewölbe, in dessen Mitte drei große Sarkophage standen, die schon sehr alt aussahen, es gab auch Särge in den Seitennischen. Spinnweben und Staub bedeckten jede Ecke und jeden Winkel in der alten Gruft. André erklärte uns, dass dies die Gruft der „Grafen von Rubea“ war. Josie und Picasso stiegen lachend auf einen der Sarkophage und sagten, dass sie den Toten gerne mal richtig einheizen würden! Alle lachten und Picasso warf André einen Blick zu und nickte nur.
Der nahm mich dann an der Hand und sagte dass er mir etwas zeigen müsse. Wir verließen die Gruft und gingen alleine nach oben in den 1. Stock. Er lachte und meinte, dass man den beiden doch ihren Spaß lassen sollte. Im oberen Stockwerk angekommen, gingen wir durch mehrere Räume. Die Musik von unten war nur noch leise zu hören. Vor einer großen Flügeltüre hielten wir an. André ergriff die beiden Türklinken, drückte sie hinunter und zog die Türen langsam auf. Er schickte mich vor und was ich dann sah übertraf all meine Erwartungen. Eine Bibliothek!
Über 2. Stockwerke stapelten sich die Bücher und ein modriger Geruch lag in der Luft.
Ich ging die Reihen auf und ab, es gab Bücher aus allen Epochen und zu jedem Thema. Das musste alles einen Wahnsinnswert haben, denn die Bücher waren zum Teil schon sehr alt. Mein Herz machte Sprünge, so aufgeregt war ich. André kam auf mich zu, nahm mich in den Arm und fragte mich ob ihm die Überraschung gelungen sei. Ich bejahte und er meinte er hätte noch eine. Wir gingen über eine alte Wendeltreppe nach oben, hier stapelten sich noch mehr Bücher und am Ende des Gangs befand sich eine Nische, die von schwarzen Samtvorhängen umrahmt war.
Auch hier gab es Bücher in Regalen und in der Mitte stand ein Pult, auf dem ein großes, altes Buch lag. Ich sah mich um und stellte fest, dass all diese Bücher von Magie und Hexerei handelten. Ich entdeckte Bücher, deren Existenz eigentlich angezweifelt wurde, doch hier standen sie, Reihe an Reihe. Es war faszinierend. Ich ging zum Pult an dem auch André stand, er hatte das Buch geöffnet und blätterte darin. Zweifellos war dies ein „Gremoir“, das waren Zauberbücher zur Dämonen- und Totenbeschwörung. Ich kannte dieses Buch, André hatte eine Seite aufgeschlagen und als ich sah welche, stockte mir der Atem.
„Stella Rubea-Ritual des Rubinsterns!“ stand dort in alter Schrift geschrieben.
"Die Grafen von Rubea, bewohnen dieses Haus schon seid über 700 Jahren,
der erste Rubea war ein Magier und durch dieses Ritual wollte er die Unsterblichkeit erlangen. Doch irgendetwas missglückte und er musste mit seinem Blut dafür bezahlen. Doch anstatt sich alleine zu verdammen, hatte er auch all seinen Nachkommen den Fluch des Rubinsterns auferlegt. Du weißt was das für ein Fluch ist!“ sagte er und nahm wieder meine Kette in die Hand. „Nur wenige besitzen die Gabe und die Energie dieses Ritual richtig umsetzen, du hast es geschafft!“ sagte er.
„Ich, ich aber...“mehr brachte ich nicht heraus.
„Ja, du“ sagte er. „Du hast mich gerufen und ich habe dich erhört, der Stein hat uns zusammengeführt!“ „Doch du hast die Wahl, eine Möglichkeit andere nicht haben, “ sagte er, zog mich dann in seine Arme und küsste mich.
Einen Moment später ging unten die Türe auf und Picasso rief nach uns. Wir gingen nach unten, er wollte uns nach Hause bringen, denn es war bereits spät geworden. Wortlos ging ich neben André nach draußen. Bevor wir ans Auto kamen zog er mich an die Seite und fragte mich ob ich ihn wiedersehen wollte. Wollte ich? Ich blickte in sein fragendes Gesicht. Ja, ich wollte und dennoch, ich war verwirrt, aber irgendwie schien alles Sinn zu machen.
Er sah dass ich ziemlich durcheinander war, nahm mich in die Arme und sagte, dass er morgen Abend zu mir kommen würde. „Ich werde dich zu nichts zwingen und dir die Zeit lassen die du brauchst, um dich zu entscheiden“, sagte er. „Und Josie, was ist mit Josie?“ fragte ich. Er schüttelte den Kopf und sagte: “Sie hat nicht die Möglichkeit zu wählen, aber mach dir keine Sorgen um sie. Picasso ist verrückt nach ihr, er hat sich längst entschieden, er will sie an seiner Seite haben.“ Dann küssten wir uns und mir war als würde ich dahinschmelzen. Dann stieg ich ins Auto und wir fuhren nach Hause.

Zuhause angekommen zog ich mich mit einer Flasche Wein und düsterem Sound in mein Schlafzimmer zurück. Ich ließ den heutigen Abend noch einmal Revue passieren. Vor meinem geistigen Auge sah ich sein Gesicht und mir war, als würde ich noch immer seine Gegenwart spüren, die Leidenschaft seiner Küsse und die Liebkosungen seiner Hände.
„Ich bin der Mann deiner Träume“, hatte er zu mir gesagt und das ich ihn gerufen hätte. Zweifellos – ich hatte ihn gerufen, denn er war alles was ich je begehrte. Unsere Seelen könnten durch das Schicksal miteinander verbunden sein. Aber er hatte doch gesagt, dass der Rubinstern uns zusammen geführt habe. Ich stand auf und holte einige Bücher, um etwas nachzuschlagen. Die „Stella Rubea“ enthielt aber keinen direkten Hinweis auf den Grafen, aber zweifellos hatte es etwas mit Vampirismus zu tun.
Ja – Vampire, sie faszinierten mich, ich fühlte mich mit ihnen verbunden.
Manchmal glaubte ich wirklich, in mir ruhte eine vampirische Seele. Vampire – ich kannte sie, alle Sagen und Legenden dieser Welt. Sei es nun Astralvampirismus, menschliche Vampire oder die Blutsauger, die in dunklen Gassen lauerten. Manchmal zweifelte ich an meinem Verstand, doch dann waren da Ereignisse, die ich nur – Ihnen – zuschreiben konnte. Menschen, die mich mit diabolischen Augen ansahen und mit fremden Zungen zu mir sprachen. Schwarze Schatten, die mir folgten und dennoch fühlte ich mich in ihrer Gegenwart wohl. Von ihnen schien für mich keine Gefahr auszugehen, manchmal schienen sie mich sogar zu beschützen. Ich muss zugeben, dieser Traum war auch nicht der erste seiner Art, ich hatte schon mehr derartige Träume. Doch mehr als Schatten und Umrisse von dunklen Gestallten konnte ich nie erkennen.
Und dieser Traum war genauso real gewesen, wie ein Luzider Traum. Doch könnte er wirklich ein Vampir sein? In den tiefen meiner Seele, wusste ich, dass sie existieren, doch nun, als er sich mir offenbarte, konnte ich es nicht glauben. Ich war verwirrt, mein Hirn schien wie leergespült. Er hatte mir gesagt, dass ich mich entscheiden könnte. Für was? Für ihn und ein Leben in der Finsternis, das er zu führen schien?
„Die Grafen von Rubea bewohnen diese Villa seid über 700 Jahren, “ sagte er mir. Und er wohnte da, also müsste er ja auch ein Nachkomme sein. Wenn man nun eins und eins zusammenzählt, dann ist er ein Vampir! Und Picasso?
Wie André sagte, hatte er sich bereits für Josie entschieden, sie hätte keine Wahl. Dann musste Helena auch zu ihnen gehören. Wer waren die? Verwandlungskünstler oder Vampire die Verwandlungskünstler spielten?
Hah... das kam mir bekannt vor, wie in „Das Theater der Vampire“, Blutsauger die sich selbst spielten, was zweifellos eine gute Tarnung war.
Josie! – sollte ich sie informieren? Sie liebte Picasso, hatte sie erkannt was er war? Sie war wie ich medial veranlagt und hätte sein wahres Wesen erkennen müssen. Ich schenkte mir noch etwas Wein ein und ging hinaus an die frische Luft. Es war bereits vier Uhr durch und die Stadt unter mir schlief so ahnungslos und unwissend. Doch was interessierten mich die Menschen, dort unten war sich jeder selbst der Nächste.
Keinem würde es auffallen, wenn ich nicht mehr hier wäre. Einigen von meinen Freunden vielleicht, Josie und Denice waren alles was ich hatte. Mein Ex war froh das er mich los war und zu meiner Familie hatte ich auch nicht viel Kontakt, denn jeder lebte sein eigenes Leben.
Na toll – jetzt war ich wieder an dem Punkt angekommen, an dem sich Wut und Depression die Hand reichten. Nein! – das wollte ich nicht, ich wollte mich nicht noch weiter runterziehen. Ich hatte den Mann meiner Träume kennen gelernt, auf welchem Weg auch immer, sei es der Zufall oder Magie gewesen.
Ich liebte ihn, seid er mir im Traum erschien. Das wurde mir jetzt bewusst.
Und jetzt stand ich hier, allein und konnte den Abend nicht erwarten, bis ich ihn wiedersah. Dann ging ich hinein, räumte alles weg und legte mich ins Bett. Noch lange hing ich meinen Gedanken an ihn nach, bis ich endlich einschlief.

Ich hatte bis elf Uhr geschlafen und machte mir gerade Frühstück, als es an der Tür klingelte. Ich ging zur Gegensprechanlage und Denice antwortete mir. Ich drückte auf den Knopf, ging zurück in die Küche und nahm noch eine Tasse für Denice aus dem Schrank. Ich schenkte uns gerade ein und als sie zu mir in die Küche kam.
Wir begrüßten uns und gingen ins Wohnzimmer. Ich erzählte ihr von der Party und von André. Mit ihr konnte ich zum Glück auch über magische Themen reden. Sie hörte sich alles an und war der Meinung, dass mein Unterbewusstsein ihn herbeigesehnt hatte und das der Stein uns geleitet hatte.
Sie beruhigte mich und gab mir den Rat, erst einmal abzuwarten. Abwarten – ja, ich wollte erst einmal alles auf mich zukommen lassen, vielleicht klärte sich ja alles von selbst. Dann zog ich mich an, denn wir hatten uns dazu entschlossen in die Stadt zu gehen.
Kurze Zeit später standen wir bereits im ersten Einkaufszentrum.
Denice stürmte gleich das erste Schmuckgeschäft. Sie hatte wirklich einen Fimmel für alles was glitzerte. Wenig später betraten wir einen Klamottenladen und mein Interesse fiel sofort auf einen schwarzen Hosenanzug. Er hatte weit ausgeschlagene Ärmel, ein tiefes Dekolleté, war Bauchfrei und er war auf 30 € reduziert. Ich ging in die Umkleidekabine um ihn anzuprobieren. Er saß echt perfekt und nach Denice`s Meinung, sah er verdammt scharf aus.
Also zog ich mich um und ging an die Kasse um zu bezahlen.
Anschließend gingen wir in unsere Lieblingspizzeria, um bei einem leckeren Essen die Seele baumeln zu lassen. Es war bereits 15 Uhr als wir das Lokal verließen. Auf dem Marktplatz lief uns Isabell über den Weg. Doch sie hatte es wohl ziemlich eilig, denn sie speiste uns schroff ab und ließ uns dann einfach stehen. Wir sahen uns nur sprachlos an.
Diese Art hasste ich an Isabell, sie war der Inbegriff einer Zicke, sie hatte sich uns gegenüber schon des Öfteren unmöglich benommen. Sie hatte Denice sogar schon einmal den Freund ausgespannt und nutzte unsere Gutmütigkeit immer wieder schamlos aus, denn wir ließen ihr ja alles durchgehen. Noch – doch zurzeit war es mal wieder besonders schlimm mit ihr. Anscheinend hatte sie nen neuen Freund und da waren wie ihr dann egal.
Wir sahen mal wieder über ihr Verhalten hinweg und machten uns auf den Heimweg. Vor meiner Wohnung angekommen, verabschiedete sich Denice und fuhr nach Hause. Ich ging nach oben, zog mich aus und verzog mich erst mal mit der Fernbedienung auf die Couch.
Die Zeit verging wie im Flug, ich ging noch duschen, schminkte mich und zog den neuen Hosenanzug an. Nach einem Blick in den Spiegel war ich rundum zufrieden und da ging auch schon die Türklingel, ich öffnete und wunderte mich, denn André war nicht allein. Er hatte Picasso und Josie im Schlepptau.
Er begrüßte mich mit einem Kuss und fragte ob es mir etwas ausmachen würde, wenn die beiden uns begleiten würden. Eigentlich wollte ich ja mit ihm alleine sein, ich ließ mir aber nichts anmerken und begrüßte die beiden. Josie fielen sofort die neuen Klamotten auf und sie fand sie genial.
Ich erzählte ihr von meinem Tag und auch von der unliebsamen Begegnung mit Isabell. Dann machten wir uns auf den Weg, wohin es ging verrieten uns die Jungs nicht, es sollte eine Überraschung sein. Mit Picassos Wagen fuhren wir ins Industriegebiet und hielten vor einem verlassen wirkenden Bau an. Wir stiegen aus und gingen hinters Haus, wo wir an eine große, alte Eisentüre kamen über der in Leuchtreklame „Merlins Home“ stand. Picasso öffnete sie und wir gingen hinein.

Drinnen führten breite Stufen nach unten, die in ein großes Gewölbe mündeten, das völlig im mittelalterlichem Stil eingerichtet war. In der Mitte stand ein großer Tisch der an die Tafelrunde von König Arthur erinnerte. Kleinere Tische die in den Seitennischen standen, umrundeten ihn. Es gab Ritterrüstungen, Totenköpfe, Gerippe und verschiedene Schwerter und Waffen zierten die Wände. In einer Ecke stand sogar ein alter Hexenkessel samt Utensilien. Wir gingen an der Bar vorbei und setzten uns in eine dunkle Nische.
Es herrschte eine romantische Atmosphäre und aus den Lautsprechern drangen die Klänge von „Corvus Corax“. Ein Mädchen das im Stiel einer Magd gekleidet war, brachte uns die Karte. Natürlich gab es nur mittelalterliches Ambrosia, wie es sich für so eine Lokalität geziemte. Josie bestellte sich Met, ich mir einen Krug Wikingerblut und natürlich bestellten sich unsere Jungs, wie sollte es auch anders sein, zwei Krüge köstliches Jungfrauenblut.
Ich fühlte mich wohl in dieser Atmosphäre und der Gegenwart Andrés, der unter dem Tisch meine Hand hielt und sie auch nicht mehr los ließ.
Dann zog Josie Picasso auf die kleine Tanzfläche und ich war endlich mit André alleine. Er nutzte die Gelegenheit, zog mich in seine Arme und küsste mich lange.
Dann fragte er mich, wie ich geschlafen hatte und ob ich mich schon entschieden hätte. Ich sagte ihm das ich lange nachgedacht hätte und... mein Gott, ich wusste nicht wie ich mich ausdrücken sollte. „Du bedeutest mir sehr viel, aber bitte lass mir noch etwas Zeit“, sagte ich ihm leise. Als ich in seine Augen blickte, war mir als würde ich ein Messer hineinstoßen, so traurig blickte er mich an.
In diesen Moment hatte er nichts wildes mehr an sich, er sah richtig verzweifelt aus.
Das konnte ich nicht ertragen und deshalb küsste ich ihn zärtlich.
Im selben Augenblick setzten sich Picasso und Josie wieder zu uns an den Tisch.
Picasso bestellte noch eine Runde und fragte, ob wir noch Lust hätten mit ihnen zu einem alten Friedhof zu fahren. André sah mich fragend an, sein Blick ging mir durch und durch. „Mit ihm auf einen Friedhof!“ dachte ich.
Wieder sah ich die Szenerie aus meinem Traum, ich lehnte am Baum und spürte seine Arme, die er um mich legte. Vor mir lief ein Film ab und obwohl nur Sekunden vergingen, kam es mir vor wie eine Ewigkeit, bis Picassos Stimme mich aus meinen Gedanken riss.
„Jessy... Jessy, rief er und lachte. Ich musste ebenfalls lachen und sagte, dass wir gerne mitkommen würden. Da stellte die Bedienung die Krüge auf den Tisch.
Wir nahmen sie und prosteten uns zu. Ich sah zu André und er lächelte mich zufrieden an. Er sah einfach umwerfend aus, die Traurigkeit war aus seinem Gesicht verschwunden und mit seinem langen offenen Haar und dem blassen Teint, sah er so verführerisch gut aus.
Wir lehrten die Becher und Picasso rief nach der Bedienung um zu bezahlen. Er wollte die Zeche bezahlen und als er bezahlt hatte, verließen wir „Merlins Home“. Wir gingen zum Parkplatz, Picasso und Josie gingen ein Stück vor uns. Da sah Josie in einiger Entfernung, Isabell an ein Auto gelehnt, das sie gut kannte.
Es war das Auto meines Ex Freundes, er war auch da und machte gerade mit Isabell rum. „Oh mein Gott, “ sagte sie „das ist Jessys Ex mit Isabell!“
Wir liefen Hand in Hand, nur wenige Meter hinter Picasso und Josie. Und als sie stehen blieben, gab André Picasso einen Schups und fragte warum sie nicht weiter gingen. Jetzt fiel auch mein Blick auf die beiden sich ans Auto lehnenden Personen. Es traf mich wie ein Vorschlaghammer.
Wie angewurzelt stand ich da und versuchte die Gedanken zu ordnen, die mir gerade durch den Kopf schossen. Josie sprach dann aus, was ich dachte.
„Dieses Miststück, erst spannt sie Denise den Freund aus und jetzt ist Jessys Freund dran, diese Schlampe macht doch vor nichts halt.“
Dann ließ ich Andrés Hand los und ging auf die beiden zu. Tom, mein Ex wurde nervös, doch Isabell verzog keine Miene.
Ich blieb vor den beiden stehen und fragte Tom, wie lange das schon lief, und ob er mich wegen ihr abserviert hätte? Isabell ließ ihn erst gar nicht zu Wort kommen und sagte, dass er mich schon mit ihr betrogen hätte, als wir noch zusammen waren und dass er eh besser zu ihr passen würde, als zu mir.
„Miststück“, sagte ich, ballte im selben Moment die Faust und verpasste Isabell einen so heftigen Schlag, dass sie zu Boden ging.
Im gleichen Augenblick setzte sich André in Bewegung, denn er sah Toms Reaktion, der mich an den Schultern packte und gegen sein Auto schleuderte. Keine Sekunde später war André bei mir und hatte Tom am Kragen gepackt.
André war größer als Tom und als der versuchte sich aus seinem Griff zu befreien, wirkte das eher, wie das hilflose Zappeln eines Fisches an der Angel. Isabell richtete sich wieder auf, sie war noch ganz benommen von meinem Schlag und ging vorsichtshalber auf Distanz. „ Das wird euch noch leid tun und jetzt verpisst euch ihr Wichser!“ sagte André und ich sah, dass seine Augen vor Zorn glühten. Er gab Tom nur einen leichten Schups, der ihn jedoch einige Meter zurück taumeln ließ.
Er verlor das Gleichgewicht und setzte sich unsanft auf den Hintern. André nahm mich in den Arm, wir gingen auf Josie und Picasso zu, die alles beobachtet hatten, stiegen ins Auto und fuhren los. André hielt mich im Arm und fragt mich, ob ich mir weh getan hätte.
Nein, es war nichts. Ich war nur wütend und enttäuscht, aber ich freute mich über das Feilchen, das Isabell morgen wahrscheinlich haben würde.
Picasso fragte mich, ob ich nach Hause wollte, er würde es verstehen, wenn ich jetzt nicht mehr zum Friedhof wollte. Ich verneinte, ich wollte nicht nach Hause. Ich wollte mir den Abend nicht verderben lassen und bestand darauf zum Friedhof zu fahren.

Die Fahrt ging übers Land, durch einen Wald und dort fuhr Picasso auf einen verwilderten Waldweg. Auf der rechten Seite konnte man bereits die Mauern des Friedhofs erkennen.
Vor einem großen Tor, dessen Türen bereits aus den Angeln hingen, hielt er an und wir stiegen aus. Josie war total euphorisch, sie konnte es wohl gar nicht erwarten mit Picasso allein zu sein. Wir gingen durch das baufällige Tor und betraten den ebenfalls total verwilderten Gottesacker. Die Gräber waren sehr alt, zum Teil waren sie umgestürzt oder beschädigt.
Der Boden war mit Efeu und Moos bewuchert, ebenso die zahlreichen Grabsteine und die Bäume um uns herum. Es gab viele Engelstatuen, die ich besonders liebte, keltische Kreuze, Gruften und Mausoleen.
Der Vollmond tauchte alles in zarte silberne Schleier, so dass eine bemerkenswerte Atmosphäre entstand. Josie hatte zu unserer linken ein Grab ausgemacht, zu dem sie Picasso verschleppte. André und ich gingen noch weiter querfeldein.
Ich musste an die Szene mit Tom und Isabell denken und wieder stieg Wut und Enttäuschung in mir hoch. Ich war Enttäuscht, wie konnten mich die beiden nur so hintergehen.
André schien meine Unruhe zu spüren, denn er blieb stehen und drückte mich fest an sich. Ja – er war für mich da, er hatte mich sofort verteidigt und wieder musste ich an den traurigen Ausdruck seiner Augen denken.
Ich spürte seine Nähe, mit seinem festen Griff hielt er mich engumschlungen und da wusste ich, er würde mich nie enttäuschen oder gar verlassen, er wäre immer für mich da. Denn wir waren füreinander bestimmt.
Er hatte diese zwei Extreme in sich vereint, er war zärtlich und liebevoll, doch ich sah auch den Zorn und die Wut, die in jenem Moment in ihm brannten, als er Tom in seinem Griff hatte. Und ich kannte seine Leidenschaft, ich hatte sie gespürt, als er mit mir getanzt hatte und ich spürte die Lust in ihm, als er mich auf der Bank im Pavillon küsste und sich seine Zähne immer fester in mein Fleisch bohrten.
Ich löste mich leicht aus seinen Armen und sah ihn an. Er war alles was ich wollte.
Ja – und dann war mir alles klar, ich hatte mich entschieden!
Ich löste mich aus seinen Armen, nahm seine Hand und zog ihn hinter mir her. Ich ging auf ein Mausoleum zu und dort angekommen blieben wir vor der Tür stehen. Ich versuchte sie zu öffnen, doch sie war verschlossen.
Mit einem durchdringenden Blick sah ich André an, er wusste was zu tun war und stemmte die verschlossene Pforte mit Leichtigkeit auf.
Der Weg war frei und wir gingen hinein. Das innere der Totenstädte war sogar durch Grablichter erhellt, die Wände zierten Gedenktafeln und am hinteren Ende führte eine schmale Treppe nach unten. Zielstrebig zog ich André hinter mir her und ging hinunter in die Krypta. Hier brannten ebenfalls unzählige Grablichter und mitten in dem kleinen Raum stand ein Sarkophag. Man hatte Nischen in die Wände geschlagen, in denen alte Särge standen. Meine Aufmerksamkeit galt aber dem Sarkophag in der Mitte des Raumes.
Ich blieb davor stehen, zog André zu mir herum und stieß ihn auf die staubbedeckte Platte. Er wusste gar nicht wie ihm geschah und sah mich verdutzt an. Ich kletterte ebenfalls hinauf und setzte mich auf ihn. Er saß noch aufrecht und ich drückte seinen Oberkörper auf den kalten Stein. Ich griff nach seinem Hemd und zerriss es mit einem kräftigen Ruck.
Jetzt lag er mit nacktem Oberkörper vor mir. Ich beugte mich nach vorne, ganz nah an seinen Bauch und begann langsam, jeden Zentimeter seines Körpers mit meiner Zunge zu liebkosen. Ich ließ meine Nägel langsam, aber mit festem Druck über seine Brust gleiten.
Er hatte die Augen geschlossen und als ich sanft in seine Brustwarzen biss, stöhnte er leise auf. Meine Zunge glitt über seine Brust in Richtung seines Halses.
Er legte seine Hände auf meine Hüften und glitt hoch zum Nacken, den er beiseite drücken wollte. Doch ich setzte mich auf, umschlang seine Handgelenke und drückte sie über seinem Kopf gegen den kalten Stein. Dann küsste ich ihn und schmiegte meinen Körper leidenschaftlich gegen den seinen.
Ich hob den Kopf, wobei meine Haare auf sein Gesicht fielen, ich streifte sie zur Seite und sah ihn voller Verlangen an.
Plötzlich fuhr ich nach vorne und grub meine Zähne in seinen Hals. André zuckte zusammen, sein Oberkörper bäumte sich auf und aus seinem Mund drang ein Stöhnen.
Ein Gefühl durchströmte mich, dass ich so sehr vermisst hatte.
Es war schon immer meine große Leidenschaft zu beißen und ich liebte es gebissen zu werden. Es hatte so etwas Wildes, Animalisches und ich spürte wie er sich unter mir aufbäumte, mein Biss brachte sein Blut in Wallung.
Er stöhnte und seine spitzen Nägel vergruben sich in meinem Rücken. Dann riss er mich mit einem Ruck herum, meine Zähne lösten sich von seinem Hals und er begann mich wild zu küssen. Ich spürte seinen bebenden Körper und dann biss er mich, erst zärtlich, dann immer leidenschaftlicher. Ich vergrub meine Finger in seinem Haar und unsere Körper bebten vor Begierde. Dann lies sein Biss nach und er küsste erst meinen Hals, dann mein Dekollete und nun zog er mein Oberteil bis zu den Hüften hinunter.
Er liebkoste meinen nackten Oberkörper mit seinen Lippen und Händen.
Ich striff seinen Mantel und sein Hemd ab und langsam entledigten wir uns unserer restlichen Kleidung. Wir küssten uns und meine Fingernägel krallten sich regelrecht in seinem Fleisch fest. Abwechselnd biss und küsste er jeden Zentimeter meines Körpers.
Exstatisch rekelten wir uns auf dem Sarkophag und dann schliefen wir miteinander.
Soviel Lust hatte ich nie zuvor gespürt. Er war so wild und ungezügelt.
Mit einem festen Biss grub ich meine Zähne in seinen Hals. Unsere Bewegungen wurden immer heftiger und mein Biss schien das Tier in ihm zu wecken.
Seine Augen leuchteten wie heller Bernstein, sie waren wild und leidenschaftlich und dann legten seine Lippen zwei lange, spitze Zähne frei. Ich sah die Gier in seinen Augen, die Gier mein Blut zu trinken. Und in diesem Moment hatte ich mir nichts mehr gewünscht, als zu spüren wie seine Zähne mein Fleisch durchbohrten.
Am Höhepunkt unserer Lust angekommen, sah er mir tief in die Augen, ich drehte meinen Kopf zur Seite und dann Biss er zu. Fest hatte er die Zähne in mein warmes Fleisch geschlagen.
Ich spürte wie sie mein Fleisch durchdrangen und wie er gierig meinen Lebenssaft trank. Ich spürte Hunderte von Blitze durch meinen Körper strömen.
Dieser Augenblick war die absolute Ekstase, die vollkommene Hingabe.

Hiermit schließe ich nun meine Geschichte. Ich hoffe, ich konnte Ihnen verständlich machen, warum ich damals wurde, was ich heute bin.
Meine ganzen Sehnsüchte erfüllten sich in diesem Moment der ungezügelten Begierde, einer Begierde, die Raum und Zeit aufhob und mich davon treiben ließ, in ein anderes Leben, ein Leben mit anderen Gesetzen.
Ich wurde eins mit der Finsternis und ihren Begierden! „Carpe Noctem!“

Folge meinem Ruf,
Du Kind der Nacht!
Lass uns zweisam, einsam
mit den ewigen Tiefen
der Finsternis,
eins sein!

Gewidmet meinem
Fürsten der Finsternis!!!

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