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Vampir Geschichten

Kurzgeschichten über die Nachtwesen

Vergangenheit und Gegenwart


(Lang: 28057 Zeichen)
 Elisabetha Online seid 11.01.2006
(1335 mal gelesen)

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Um ihn herum herrschte absolute Dunkelheit.
Schon seit Stunden war die Sonne dem Mond gewichen und die Dunkelheit hatte ihn aus seinem
Unruhigen Schlaf erwachen lassen.
Nur wenige Kerzen standen im Raum, die in flackerndem Licht verzerrte Schatten an die Wände warfen.
Man schrieb das Jahr 2000 und durch das große Fenster seines Wohnzimmers sah er die schwachen Lichter der Stadt.
Er hatte sich sein Quartier ein wenig außerhalb eingerichtet. Er hatte es selbst entworfen und stellte für ihn eine uneinnehmliche Festung gegen die Menschen dar.
Zwar war ihm die Menschheit keineswegs verhasste, sie interessierten ihn nicht wirklich, doch ihr ewiges Unverständnis machte ihn auf Dauer krank.
Es gab nur wenige Ausnahmen unter ihnen, die aufgeschlossen gegenüber dem Übernatürlichen waren.
Doch diese Menschen lebten meist nicht lange.
Vampire stellten in der heutigen Welt eine Minderheit da, in etwa wie moderne Hexen oder gar Vegetarier. So jedenfalls sah Darius es.
Nur daß Vampire ihr wahres Ich schon seit jeher verbergen mußten um überleben zu können.
Welche Ungerechtigkeit!
Er liebte das 21. Jahrhundert und alles was das Leben in dieser Zeit so angenehm machte. Elektrizität, fließendes Wasser, HiFi-Technik und eben all diese Erfindungen.
Es vertrieb ihm die Langeweile die ihn seit Jahren plagte.
Eine Zeit lang glaubte er sogar, es wäre besser sich für einige Jahrzehnte zur Ruhe zu legen, aber seine liebe zum Sein hatte ihn dieses Vorhaben schnell vergessen lassen.
Die Jagd hätte ihm zu sehr gefehlt. Warum fürchteten die Menschen seine Art dermaßen.
Nur weil sie in ihren Augen "Nahrung" waren.
Warum sollte die menschliche Spezies als Einzige, auf diesem Planeten, das Vorrecht besitzen keiner anderen Gattung als Nahrung zu dienen. Nur weil sie ausgeprägter denken und fühlen konnten als andere Lebewesen wie Kühe, Schweine oder Hühner.
Dies war eine Tatsache die er nicht akzeptierte. Es gab Vampire die Menschen als unantastbar sahen, weil sie sich selbst nicht vom Menschsein trennen wollten.
Darius hatte von Anfang an akzeptiert was er war und er liebte dieses neue Leben, welches ihm vor knapp 488 Jahren geschenkt worden war, mit allen Vor- und Nachteilen.
Wer denkt, Vampire würden nach besonderen Auswahlverfahren geschaffen, der irrt und zwar gewaltig.
Vampire schaffen ihresgleichen aus unerdenklichen, selbstsüchtigen Launen heraus, denn ihr Leben ist geprägt durch unberechenbare Launen.
Sie teilen sich, genau wie die Menschen, in Gut, Böse aber vor allem in gespaltene Persönlichkeiten.
Vampire bekriegen sich untereinander, hassen und lieben sich, aber sehr selten schließen sie sich zusammen.
Er selbst hatte nur einmal einen Vampir geschaffen und dies nur um auszuprobieren ob es wirklich funktionierte. Ihm hatte nichts an diesem aristokratischen Bürschchen gelegen, doch dieser hatte ihm viel Geld geboten um sich so das "dunkle Geschenk" zu erkaufen.
Und nur einmal in seiner Existenz hatte er ein Wesen getroffen, dass seines Erachtens nach, verdient hätte sich in die Reihen der Unsterblichen einzureihen.
Seine Gedanken wanderten zurück...

1710
Schon ganz nah hörte er das Wasser des Rheins fließen.
Es war eine wunderschöne laue Sommernacht und Darius genoß dass mildere Klima, welches nun endgültig den Winter zu vertreiben schien.
Die Sonne war noch nicht sehr lange unter gegangen, was auch daran zu erkennen war, dass noch viele Bürger des kleinen Orts auf der Straße unterwegs waren.
Alles schien so friedlich und alle wiegten sich in selbstgesponnener Sicherheit. Wie töricht die Menschen doch waren.
Doch er war heute abend nicht auf der Jagd nach ihrem Blut. Das geraubte Blut der letzten Nacht würde ihn noch für eine lange Zeit ernähren können.
Er streifte umher ohne Ziel und Sinn und hing seinen Gedanken nach.
Es war noch nicht sehr lange her dass ihm das dunkle Geschenk zuteil wurde und noch immer entdeckte er neue Geheimnisse, neue faszinierende Facetten der Nacht.
Der Himmel färbte sich von einem sanften Violette in ein dunkleres Blau und der blasse Mond gewann immer mehr an leuchtender Dominanz.
Seine Schritte lenkten ihn am Ufer des Rheins entlag hinaus aus der Stadt.
Viele menschliche Blicke folgten ihm, fragten sich wer der geheimnisvolle Fremde war, oder waren einfach sprachlos über die Leichtigkeit mit der er sich bewegte.
Keiner seiner Schritte schien ein Geräusch zu verursachen, er wirkte gnadenlos wirklich und auch wieder nicht.
Die Stimmen und Gedanken verloren sich, er fühlte wie die Gegenwart der Menschen schwand und wie die Stimmen der Wälder lauter wurden.
Er schätzte die Gegenwart der Menschen, doch er ertrug sie nicht lange.
Sie waren so unglaublich oberflächlich, ignorant und kleingeistig.
Immer weiter folgte er dem Fluß der sich durch das Dickicht der Bäume wand und sein Gemüt beruhigte.
Das Wasser erzählt dem uralte Geschichten der in der Lage ist zuzuhören.
Darius verweilte und ließ sich lautlos auf einem Baumstumpf nieder.
Er stützte den Kopf in die Hände und lauschte dem Wasser und der Stimme des Windes.
Diejenige die ihn zu dem gemacht hatte was er nun war, war ein ebenso oberflächliches Geschöpf gewesen wie viele der Menschen.
Mariella, in ihrem menschlichen Leben war sie nichts weiter als eine kleine billige Hure in irgendeiner üblen Hafenkneipe gewesen.
Oh Tod, was waren Vampire doch für launische Wesen. Sie setzten keine Prioritäten und wählten ihre Opfer und die zukünftigen Vampire vollkommen willkürlich, aus unerdenklichen Launen heraus.
Es war purer Zufall gewesen dass sie ihn, in einer dunklen Gasse angefallen und verwandelt hatte.
Als er wieder erwacht war, war sein ganzer Körper wie ausgedörrt gewesen und jeder Muskel seines Körpers hatte geschmerzt, unter der unglaublichen Intensität des Durstes den er verspürte.
Ein Instinkt leitete ihn, tief in den Wald hinein, fort von den Menschen, dem Sonnenlicht und allem was ihn bisher an diese Welt gebunden hatte.
Er fand eine Höhle, tief eingelassen in altes Gestein und diese Zuflucht rettete ihm seine unsterbliche Existenz.
In seinem Kopf tanzten Bilder aus uralten Zeiten, von Vampiren die im Feuer der Sonne verbrannten, die sich bekriegten und sich den Menschen zeigten nur um andere ihrer Art auszurotten.
Welch großer Fehler!
Nichts in der Welt der Vampire lief in geordneten Bahnen, alles war Chaotisch und unkoordiniert.
All diese Erkenntnisse und Bilder trafen ihn innerhalb weniger Sekunden.
Ein Geräusch schreckte Darius aus der Tiefe seiner Gedanken.
Schritte, er hörte eindeutig Schritte.
Leichte Schritte auf dem weichen Boden des Waldes.
Wer trieb sich um diese Zeit noch im Wald herum?
Er stand auf und drehte sich in die Richtung aus der er die Schritte vernahm.
Was er sah hatte er nicht erwartet.
Ein junges Mädchen mit einem Weidenkorb über dem Arm lief zwischen den Sträuchern umher und kniete sich hier und da auf den Boden um verschiedene Pflanzen zu betutachten.
Ihr langes Haar war rot und viel ihr in weichen locken über die Schultern. Ihre Augen waren von einem unglaublich strahlenden grün und leuchteten selbst im dunkel der Nacht.
Sie bemerkte ihn nicht und hielt einen kurzen Moment inne um ihre Schuhe auszuziehen.
Barfuß lief sie weiter direkt in Darius' Richtung. Als ahnte sie plötzlich dass sie nicht alleine war, hob sie den Blick und sah seine dunkle Silhouette direkt vor sich.
"Entschuldigt, Mylady, wenn ich euch erschreckt habe"
Skeptisch sah sie ihn an und versuchte ihre Augen dazu zu bringen in der Dunkelheit besser zu sehen.
"Was tut ihr hier um diese Uhrzeit? Wenn ich mir diese Frage erlauben darf?"
"Nichts bestimmtes und außerdem geht es Euch auch nichts an!"
Darius war überrascht über ihre entwaffnende Art.
"Verzeiht, ich wollte euch nicht zu nahe treten. Aber ich machte mir kurzzeitig Sorgen darüber was eine junge schöne Frau um diese Zeit allein im Wald macht!"
"Die >schöne junge Frau< sucht um diese Zeit diverse Kräuter da dies am Tage zu gefährlich wäre."
" Zu gefährlich, warum dies?"
"Verschließt ihr etwa die Augen vor dem was in der Welt geschieht? In unserem Dorf ist die Hexen-Hysterie ausgebrochen. Alles was in irgendeiner Weise seltsam scheint wird verfolgt und bestraft. Früher kamen die Menschen aus dem Dorf reihenweise zu mir, da sie meine Salben und Tees zu schätzen wussten. Sie halfen ihnen. Heute werden meine Mixturen als Teufelszeug verschrieen und man munkelt schon zuviel über mich. Daher suche ich meine Zutaten bei Nacht. Aber warum erzähle ich euch das bloß alles? Wer seid ihr? Ich habe euch noch nie bei uns im Dorf gesehen?"
"Das kommt daher dass auch ich die Nacht mehr als nur schätze. Aber erzählt mir mehr. Ist sie wirklich schon so schlimm geworden, die Hysterie?"
"Zu schlimm. Mehr als eine Frau hat in den letzten Monaten ihr Leben lassen müssen.
Wie dumm die Menschen doch sind. Sie vergessen wer sie sind und zu welchem Zweck sie geschaffen wurden. Aber ich muß nun gehen!"
"Darf ich euch ein Stück begleiten!"
"Woher soll ich wissen ob ich euch wirklich trauen kann?"
"Die Existenz wäre doch langweilig ohne etwas zu wagen oder?" Er lächelte sie an.
"Da habt ihr nun auch wieder recht!"
Er begleitet sie diese Nacht sowie die darauf Folgende und entdeckte so einen neuen Stern im Universum seiner Seele.
Sie stach aus der Masse der Menschen heraus wie eine seltene Pflanze so kostbar und zerbrechlich. Für kurze Zeit ließ sie ihn vergessen was er war und vertrieb die dunklen Gedanken die seine Seele damals noch verschleierten.
Nächtelang saßen sie am Flussufer und redeten über alles was sie beschäftigte, sie lehrte ihn die Heilkraft der Pflanzen zu erkennen und zu nutzen und er verriet ihr die Geheimnisse der Nacht.
Nie fragte sie danach woher er kam oder was er verbarg, sie war einfach damit zufrieden bei ihm zu sein und jemandem vertrauen zu können.
Einmal sagte sie zu ihm: "Der Himmel muß mir jemanden wie dich geschickt haben, doch wer bist du nur?"
Mehr nicht, dann lehnte sie ihren Kopf zurück an seine Schulter und schloß die Augen.
Es war spät an diesem Abend als sie in die Stadt zurückkehrten und als Darius sie zu ihrer Wohnung brachte brannte dort noch Licht und Geräusche drangen aus dem Inneren.
Durch die Fenster sahen sie wie einige Dorfbewohner in Schränken und Schubladen stöberten um Kräuter und Gewürze an sich zu nehmen.
Entsetzt sah Loraine ihn an.
"Was wollen die bloß?"
Mit diesen Worten wollte sie an ihm vorbeistürmen doch er hielt sie am Arm zurück.
"Ich glaube das wäre nicht klug, meine Liebe."
Ohne sich zu sträuben folgte sie ihm einige Straßen weiter bis sie vor einem etwas abseits gelegenen Haus ankamen, dessen Tür Darius öffnete.
Etwas unschlüssig trat Loraine ein.
"Du brauchst keine Angst zu haben, ich habe sicher nichts böses im Sinn. Aber es wäre wirklich nicht klug gewesen in diese Szene hineinzuplatzen."
"Derartiges hatte ich auch nicht von Euch erwartet. Ich glaube nicht dass ihr zu etwas Bösem im Stande seid!"
Ein Stich fuhr durch seine Brust.
"Wenn ihr wollt könnt ihr heute Nacht hier bleiben."
"Ich nehme euer Angebot gerne an."
Er führte sie in sein Schlafzimmer und verließ dieses dann um sich im Wohnzimmer vor den Kamin zu setzen.
Seine Gedanken überschlugen sich wiedereinmal. War dies Liebe was er empfand und wenn, welcher Wahnsinn trieb ihn zu diesem Gefühl.
Es würde früher oder später in einer Katastrophe enden, denn irgendwann würde sie zwangsläufig anfangen Fragen zu stellen, zu denen sie auch jedes Recht hatte, und er konnte seine wahre Natur nicht für immer vor ihr verbergen.
Ein Schrei aus seinem Schlafzimmer holte ihn aus seinen Gedanken zurück in die Realität.
In wenigen Sekunden war er bei Loraine die sich in seinem Bett hin und her warf und wild fantasierte.
Sacht fasste er sie an den Schultern und hielt sie fest.
"Loraine, wach auf...Loraine."
"Das Feuer...oh, Gott...." verstört schlug sie die Augen auf.
Weinend fiel sie ihm in die Arme und er hielt sie fest, verwundert über dieses wiederentdeckte warme Gefühl das Besitz von seinem Körper ergriff.
Er nahm sie auf seine Arme und trug sie in sein Wohnzimmer und setzte sich mit ihr vor den Kamin, da sie vor Kälte zitterte.
Behutsam strich er ihr eine wirre Haarsträhne aus der schweißnassen Stirn.
"Wovon hast du geträumt? Was hat dich so erschreckt."
"Es sind die Dorfbewohner die meine Sachen durchsuchten. Weißt du, alles scheint sich zu wiederholen. Genau diese Szene sehe ich seit 12 Jahren in meinen Gedanken. Sie durchsuchten das Zimmer meiner Mutter weil eine Nachbarin sie beschuldigt hatte eine Hexe zu sein.
Wenige Tage später starb sie im Feuer. Von ihre habe ich alles gelernt was ich weiß und ich musste zusehen wie sie... wie sie...." Sie konnte nicht weitersprechen, denn ein Schluchzen erstickte ihre Stimme.
"Ist schon gut, schhh... ist schon gut!"
Es tat ihm weh ihre Geschichte zu hören, ihre Angst zu spüren und nichts dagegen tun zu können.
"Das Leben ist nicht fair, es ist grausam und nimmt uns oft das was wir am meisten lieben!
Aber unser Schicksal ist, uns damit abzufinden."
"Warum können nicht alle Menschen sein wie du?"
Ihre grünen Augen schienen direkt in seine Seele zu sehen.
"Heute Nacht kann dir nichts und niemand etwas anhaben. Du bist sicher bei mir."
Er wiegte sie sanft in seinen Armen.
"Bin ich das nicht immer?"
"Weißt du ich kann nicht jedem erlauben mir zu vertrauen."
Sie hob eine Hand an seine Wange.
"Manchmal verstehe ich dich einfach nicht.“
Er senkte seinen Blick.
„Was hast du. Wieder sehe ich diese unglaubliche Traurigkeit in Deinem Blick. Ich weiß so wenig von dir und doch scheine ich dich besser zu kennen als je ein menschliches Wesen zuvor.“
„Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht menschlich bin!“
Schon im selben Moment haßte er sich dafür dies gesagt zu haben.
Sie löste sich aus seinen Armen und drehte sich zu ihm um!
„Nicht menschlich, wie soll ich das verstehen!“
„Weißt du, seit vielen vielen Jahren, lebe ich auf diesem wundervollen kalten Planeten, vielleicht schon zu lange. Doch seit etlichen Jahren, ist es nur noch eine Existenz die ich führe, kein Leben mehr.“
Er nahm ihre Hand und legte sie sanft auf seine Brust.
Mit weitaufgerissenen Augen sah sie ihn an.
„Aber wie.... ist das möglich. Du sitzt vor mir, und doch spüre ich keinen Herzschlag in Deiner Brust.
Was bist du bloß!“
„Die unserigen nenne sich Vampire, oder Untote. Eine Handvoll, verteilt auf der ganzen Welt.
Ist dir denn nie aufgefallen, dass ich dich immer nur nachts traf?“
„Doch aber das war mir egal. Wieso erzählst du mir das alles. Willst du mir Angst machen.
Vampire, ich keine ein paar alte Legenden über diese Geschöpfe, aber sie sollen grausam, blutrünstig und kalt sein. Wie kannst du zu ihnen gehören. Du bist das genaue Gegenteil von alledem!“
Sie war ein Stück von ihm weggerutscht um ihn mit ihren großen Augen eingehend zu mustern.
Er hatte mit allem gerechnet, mit Entsetzen, Furcht oder Wut, doch nicht mit ihrer grenzenlosen Neugier.
„Erzähl mir von Deinem Leben!“
„Meine Existenz währt nun seit 198 Jahren. Ich will dich nicht erschrecken, denn was ich dir erzählen werde, ist nicht leicht zu begreifen oder gar zu akzeptieren.“
„Aber ich will es erfahren!“
„Nun gut, doch zuerst will ich dass du weißt, dass dir von mir niemals Gefahr drohte oder drohen wird. Niemals könnt ich dir etwas antun.“
Er stand auf zog sie auf die Füße und bedeutete ihr sich in den Sessel am Feuer zu setzen.
Dann verließ er das Zimmer und kehrte wenige Sekunden später mit einer warmen Decke zurück.
„Nicht dass du dich erkältest, meine Liebe!“
Sie lehnte sich zurück und schaute ihm erwartungsvoll in die Augen.
Dann begann er zu erzälen, davon wie er zu dem wurde was er, seit einer schicksalhaften Nacht im Jahre 1512, war. Davon wie er lebte, und davon was er von den Menschen hielt.
Und nur ab und an nickte Loraine.
Als er mit seiner Geschichte endete, graute draußen vor dem Fenster schon der Morgen und nun war er ihr ausgeliefert.
Sie brauchte nur die Vorhänge aufzuziehen und schon würden die gierigen Strahlen der Sonne seinen Körper zerfressen.
Ein langes Schweigen entstand und als Loraine aufstand sah er ihr nach. Von ihrem Gesicht konnte er nicht ablesen was sie dachte.
„Nach allem was ich von dir erfahren habe, ist es jetzt Zeit für dich, dich vor dem Sonnenlicht zu schützen. Oder?“
„Ja.“ Er lächelte.
„Dann tu das, ich muß ein wenig nachdenken über alles was ich eben gehört habe!“
„Aber natürlich. Und wenn du mich nicht wiedersehen willst, respektiere ich Deine Entscheidung.
Es ist nicht leicht ein Wesen wie mich zu akzeptieren.“
Mit diesen Worten verschwand er.
Es war nicht fair, sich so vor ihr in Luft aufzulösen, doch er wollte nicht hören was sie noch zu sagen hatte.
Für ihn war es schon schwer genug sich damit abzufinden, dass sie, wenn er aufwachte, sicher nicht mehr in diesem Haus war.
Er hoffte nur dass sie sich vor den Dorfbewohnern in Acht nahm.

Eine böse Vorahnung ließ ihn schon viel zu früh am Abend erwachen.
Ohne auf seine eigene Sicherheit zu achten stürmte er aus seinem Versteck, im Keller, nach oben und sah das Unheil.
Sein gemütliches Wohnzimmer war verwüstet, Holzsplitter, zerbrochene Kerzen und Möbelstücke lagen überall herum.
Einige seiner Bücher lagen zu Asche verbrannt ihm Kamin und schwelten noch ein wenig.
Die Eingangstür war aus ihren Angeln gerissen worden und der Geruch von Blut stieg ihm in die Nase.
Angst.
Er ahnte was geschehen war.
Die Sonne war noch nicht vollends untergegangen und doch konnte er keine Minute länger warten.
Der Schmerz der ihn traf, als er aus dem Haus trat, war so intensiv dass er zurück in den Innenraum taumelte.
Seine Haut brannte und seine Augen waren vollkommen geblendet.
Es dauerte einige Minuten bis er sich erholt hatte.
In Eile stürmte er nach oben um einen dicken Ledermantel und einen breitkrempigen schwarzen Hut überzuziehen.
Dann verließ er erneut das Haus, der Schmerz erfaßte ihn wieder, doch er ignorierte ihn.
Er lief los, schneller als es für das menschliche Auge sichtbar ist, doch seine Fähigkeit raubte ihm beim noch vorhandenen Sonnenlicht des sterbenden Tages, viel Kraft.
Dann traf ihn ein Gefühl, doch nicht sein eigenes, sondern es war mehr ein Gedanke der von Loraine ausging. Sie litt, litt unvorstellbar und er sah dass sie sich auf einer Lichtung vor der Stadt befand.
Es war als sehe er durch ihre Augen.
Als er dort ankam schenkte ihm niemand der unzähligen Dorfbewohner Beachtung.
In der Mitte des Platzes war ein Scheiterhaufen errichtet worden und in dessen Mitte stand gefesselt, Loraine!
Er konnte nicht glauben was er sah. Nie im Leben hatte er gedacht, dass die Bewohner dieses Dorfes
noch dermaßen abergläubig und vorsintflutlich waren.
Ohne darauf zu achten wen oder was er zur Seite schleuderte, bahnte sich Darius seinen Weg nach vorne zur
Mitte.
Als er den Scheiterhaufen erreichte, steckten vier Männer ihn gerade in Brand.
Das Holz fing schnell Feuer, zu schnell um es zu verhindern.
Loraines Hände waren hinter ihrem Rücken gefesselt und eine große Platzwunde am Kopf sorgte dafür dass sie nicht richtig sehen konnte was um sie herum geschah.
Das Feuer hatte bereits Besitz vom Saum ihres Kleides genommen, als er sich in die Luft schwang um sie zu befreien.
Sie hatte Schmerzen und schrie, die Hitze war unerträglich.
Er riß ihre Fesseln herunter und nahm sie auf seine Arme.
Das Feuer züngelte nach oben, als er sich erneut in die Luft schwang.
Gebannt beobachtete die Menge was sich vor ihren Augen abspielte. Einige Frauen schrieen vor Entsetzen und die Männer machten sich bereit zum Angriff.
Ab und an konnte er Satzfetzen wie:“... der Teufel ist gekommen um seine Braut zu retten....Hexe....Dämon..“ verstehen und diese Worte stachelten seine blinde Wut nur noch mehr an.
Als seine Füße den Boden wieder berührten war er eingekesselt, von rund 20 Männern des Dorfes.
Sanft legte er die ohnmächtig gewordene Loraine auf den Boden und legte seinen Mantel über sie.
Die unbändige Wut loderte erneut in ihm auf. Wut über die sinnlose Zerstörungswut der Menschheit, und in diesem Moment fragte er sich, wer hier das eigentliche Monster war.
Von allen Seiten kamen sie auf ihn zu und griffen ihn an.
Seine Augen funkelten und ließen erkennen, dass er kein Mitleid mit denen haben würde die seine Loraine hatten töten wollten.
Er wusste nicht wie viele Menschen in dieser Nacht von seiner Hand den Tod erfuhren, zu schrecklich wütete er unter ihnen, und die wenigen die überlebt hatten ergriffen nach kurzer Zeit die Flucht.
Dann stand er plötzlich alleine auf dem einsamen Platz. Die Nacht hatte sich mittlerweile vollkommen über das Land gesenkt und ein roter Mond schien auf ihn herab.
Er drehte sich um und lief zurück zu Loraine.
Noch immer war sie nicht bei Bewusstsein und ihre Verletzungen waren verheerend. Sie atmete schwer und als er ihr eine Hand auf die Stirn legte, fühlte er mit grausamer Gewißheit, daß das Leben in ihr verlosch.
Als er sie in seine Arme schloß, und seine blutigen Tränen auf ihr Gesicht fielen, öffnete sie die Augen.
„Darius? Bin ich tot? Ich wollte dich so gerne noch einmal wiedersehen... oh, du bist verletzt. Ich habe dir doch noch soviel zu sagen...!“ Soviel Sorge in ihrem Blick.
„Dazu werden wir noch viel Zeit haben, mon coeur! Viel Zeit...“
„Nein... nein, das haben wir nicht. Das weiß ich, ich spüre es. Ich hatte einige Stunden Zeit zum Nachdenken....
bevor..,“ ein heftiger Hustenanfall schüttelte ihren Körper.
Tränen traten in ihre Augen.
„Alles wiederholt sich... weißt du, jetzt kann ich nachfühlen wie meine Mutter gelitten hat.“
„Du darfst dich nicht so aufregen, daß tut dir jetzt nicht gut...“
Krampfhaft versuchte er seine Stimme ruhig zu halten, sie zu trösten und zu beruhigen, doch das Zittern seiner Stimme ließ sich nicht vollkommen unter Kontrolle bringen.
„Alles was du mir erzählt hast, ist so fantastisch, so unglaublich, und doch las ich in Deinen Augen daß alles genau so geschehen ist... du bist was du bist, und doch bist du derjenige dem ich vertrauen kann, ein so gütiges Wesen, wie ich es nie zuvor kannte. Du kannst nicht schlecht sein, und wie gerne wäre ich bei dir geblieben, solange es mir vergönnt gewesen wäre.... wenn du mich hättest haben wollen.“
„Wie kannst du nur daran zweifeln? Du bist mir das Wichtigste und Liebste auf diesem kalten Planeten geworden.“
Schmerz, so unglaublicher Schmerz sie zu verlieren.
„Vielleicht mußte es so kommen, du mein dunkler Engel begleitest mich auf meiner letzten Reise. Wie wünsche ich mir daß du mit mir gehen könntest!“
„Wir werden fortgehen, weg von diesem verhaßten Ort, der in dir nur schlimme Erinnerungen weckt.
Ich kann dich nicht sterben lassen, es bringt mich um, das zuzulassen.“
„Aber es ist unumgänglich, sicher war es mein Schicksal, meiner Mutter zu folgen. Ich habe keine Angst, eine wage Vorahnung wächst in mir. Ich weiß fast was mich erwartet. Es ist warm und ehrlich, Angst gibt es nicht und es ist nicht für alle Ewigkeit.
„Nein, ich weigere mich das zu akzeptieren, hör mir zu, es gibt eine Möglichkeit....!“
Sie schnitt ihm das Wort ab: „Zu werden was du bist?! Ich weiß, aber ich kann nicht.
Die Unsterblichkeit macht mir Angst, ich könnte so nicht leben, es würde mich zerstören.“
Ihre Stimme war nicht mehr als ein Flüstern. Das Leben schwand schnell.
„Aber....“
Sanft legte sie ihre Hand auf seine Wange und wischte die blutigen Tränen fort.
„Laß mich gehen...immer werde ich bei dir sein....“
Stille!
Ihre Hand fiel zurück in ihren Schoß, sie war fort. Gegangen für immer, ein so kostbares Geschöpf, dem es nicht vergönnt gewesen war länger auf der Erde zu weilen.
Sein Herz, oder daß was sich an der Stelle befand wo früher sein Herz gewesen sein mußte, schien bersten zu wollen, unter der Last der unglaublichen Traurigkeit, die auf ihn einstürmte.
„Nein, NEIN.... N E I N !!!!”
Sein Schrei zeriß die Nacht und die Dunkelheit um ihn herum schien in tausend Teile zu zersplittern.
Roter Nebel verschleierte seinen Geist, als er sie sanft auf seine Arme hob und mir ihr fortging.
Zurück zu dem Platz an dem er ihr zu ersten mal begegnet war.
Dort sollte sie begraben sein, sie die durch den grenzenlosen Unverstand der Menschen starb, ausgelöscht, arglos wie eine Kerze vom Wind.
Ohne noch einmal in sein Haus zurückzukehren verließ er die Stadt und kehrte nie mehr dorthin zurück.

Die Rotorblätter eines Hubschraubers holten seine Gedanken zurück in das 21. Jahrhundert.
Zurück in sein modernes Wohnzimmer in seiner sicheren Festung ganz am Rande der Stadt.
Was war heute abend bloß los mit ihm?
Solch melancholische Gedanken suchten ihn mehr als selten heim, doch wenn sie es taten, dann handelten sie immer von seiner viel zu kurzen Zeit mit Loraine.
Etwas hatte sich verändert, doch noch kann er nicht feststellen was es war.
Dann hörte er es, Schritte auf seinem Grundstück, in Richtung seiner Eingangstür.
Kurz darauf ein hektisches Klingeln.
Neugierig zu erfahren wer sich wohl zu so später Stunde zu seiner Haustür verirrte, stand er auf um zu öffnen.
Als er die Tür öffnete, sah er sich der Silhouette eines jungen Mädchens gegenüber.
Eingehüllt in einen langen schwarzen Mantel mit Kapuze.
„Bitte, Monsieur helfen sie mir!“ stammelte sie in schlechtem Französisch.
Sein Blick ruhte auf ihr während sie die Kapuze zurückschlug und nichts hätte ihn auf diesen Anblick vorbereiten können: „Loraine?“
......
von Elisabeth Salzmann

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