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Vampir Geschichten

Kurzgeschichten über die Nachtwesen

Die Fürstin und die Dunkelheit - Magdalena 2


(Lang: 39799 Zeichen)
 Zenobia Online seid 12.01.2006
(2344 mal gelesen)

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In der Nähe des Dorfes war etwas Seltsames. Magdalena spürte etwas Unbekanntes, Unmenschliches.
Sie setzte sich auf den Ast eines Baumes und wartete ab, ob dieses Gefühl von selbst wieder verschwand. Es kam näher, dieses Etwas.
Magdalenas Augen erblickten eine Gestalt in der Nähe. Anhand der Kleider, erkannte sie eine Frau, aber die Fremde trug einen Umhang mit Kapuze, so dass sie nicht mehr sehen konnte.
Nun kam die andere näher, bis sie unter ihr stand. Schlanke, blasse Hände mit langen Nägeln strichen die Kapuze zurück und eine dunkelhaarige Unsterbliche blickte zu ihr empor.
„ Wer seid ihr?“, fragte Magdalena.
Die Fremde erwiderte:“ Hab keine Angst! Mein Name ist Kriemhild. Und, wer bist du?“
„ Magdalena.“
Plötzlich saß die Frau neben ihr:“ Eine Neugeborene! Du grämst dich noch, nicht wahr?!“
Die Jüngere nickte:“ Ich bin verdammt für immer und ewig.“
Kriemhild nahm tröstend ihre Hand:“ Du brauchst dich nicht schuldig zu fühlen. Einer der Unsrigen, wollte nur Gesellschaft. Deswegen verwandeln wir manche Sterbliche. Es ist die Einsamkeit. Möchtest du mit mir kommen?“
Magdalena betrachtete Kriemhilds Hand in ihrer, die noch zarter war, als ihre eigene und genauso hell:“ Wohin denn?“
Lächelnd antwortete die Ältere:“ In mein Zuhause. Wir sind einige Unsterbliche dort. Du musst lernen mit deiner Natur zurechtzukommen. Ich helfe dir, wenn du möchtest.“
Magdalena sprang hinab ins Gras:“ Diese Sprünge sind so einfach. Als ich zum ersten Mal getötet hatte, wollte ich mich selbst umbringen. Ich stürzte mich in den Burggraben und versuchte mich zu ersäufen, aber es geschah nichts. Magnus zog mich wieder heraus.“
Kriemhild kam neben sie:“ Magnus? Er ist sehr bekannt unter den hiesigen Unsterblichen. Seine Feste sind beliebt. Jeder möchte eingeladen werden.“
Magdalena schritt über die Wiese:“ Warst du auch auf den Festen?“
Die andere grinste breiter:“ Oh ja, es war wundervoll. Eine prächtige Burg. Und du darfst dort wohnen.“
„ Ich möchte nicht mehr zurück. Kann ich bei dir bleiben?“
Kriemhild nahm sie an die Hand:“ Ja. Ivanhoe wird sicherlich keine Einwände haben.“
„ Ist er dein Gemahl?“
Die Ältere lächelte wieder:“ Nein. Er und zwei andere Frauen, leben zusammen mit mir. Nun lass uns fortschweben.“
Dabei stieg sie in die Luft und Magdalena folgte ihr.


Ihr Ziel war eine Ansammlung von Felsen. Dazwischen, erkannte Magdalena eine breite Spalte, durch die Kriemhild schlüpfte.
Sie folgte und fand sich in einer großen Höhle wieder. An den Wänden loderten einige Fackeln und es stand ein Tisch mit sechs Stühlen, in der Mitte des Raumes.
Dort saßen zwei weitere Damen, die sie musterten:“ Wen bringst du da, Kriemhild?“
„ Das ist Magdalena, ein Kind von Magnus!“
„Uh!“, stieß eine von ihnen aus. „ Welch Überraschung! Und noch so jung.“
Magdalena entgegnete empört:“ Kind? Ich bin seine Gattin.“
Kriemhild lächelte milde:“ Natürlich. Wir nennen die, die wir verwandeln, unsere Kinder, weil unser Blut auch in ihnen fließt. Du bist schon ein Kind von Magnus. Er hat dich erschaffen.“
Sie nickte nur.
Diese anderen Weiber waren ihr unheimlich. Sie schmunzelten so merkwürdig und tuschelten.
Kriemhild führte sie weiter ins Innere hinein.
Nach einem schmalen Gang, kam ein kleiner Raum, der vollgestellt war, mit alten Truhen.
„ Unser Ankleidezimmer. Da hinten schlafen wir.“
Kriemhild ging zu vier Steinsarkophagen, die im hintersten Teil standen. Magdalena meinte: “ Meiner ist rosa. Ich hatte zuerst Angst davor, hineinzusteigen, aber es geschah wirklich nichts. Ich konnte sogar im Innern sehen.“
Kriemhild öffnete einen der Deckel:“ Ja, das können wir. Wie schläft eigentlich Magnus?“
„ In einem aus schwarzem Granit, mit Gold verziert.“, antwortete die Jüngere.
Die andere nickte:“ Sehr nobel! Er ist auch sehr reich. Du hast dir einen guten Schöpfer gewählt.“
Magdalena fragte:“ Ist Ivanhoe dein Erschaffer?“
Kriemhild schüttelte seufzend den Kopf:“ Schön wäre es. Nein, irgendein Herumtreiber war das damals. Er und zwei andere Unsterbliche, standen eines Abends plötzlich in unserem Haus. Sie hatten einfach die Tür aus den Angeln gerissen.
Ich lag mit meiner Schwester schon im Bett, als ich an dem Poltern erwachte. Von unten drangen Stimmen herauf und dann Schreie. Ich wusste, dass wir überfallen wurden und begann zu beten. Vielleicht würden mich die Räuber verschonen. Meine jüngere Schwester kroch ängstlich zu mir und wir zitterten gemeinsam vor Furcht. Ich wagte nicht daran zu denken, was da unten geschehen war. Plötzlich war alles ruhig.
Ich wollte schon zaghaft aufstehen, um nachzusehen, da stand auf einmal ein Mann vor unserem Bett und griff nach meinem Arm. Mit der anderen eisenharten Hand packte er meine Schwester und zerrte uns die Holzleiter hinab, in die Stube. Ich schlug, trat und kratzte nach ihm, aber er lachte nur belustigt und ich sah Blut an seinem Kinn und an den Wangen kleben.
Unten warteten die anderen beiden Männer. Wir wurden auf den Boden gestoßen und der, der uns festgehalten hatte, sagte:“ Schaut mal, was ich noch Hübsches gefunden habe. Welche willst du?“ fragte er und sah einen von den anderen an.
Der blickte kurz herab auf uns, dann wies er auf meine Schwester:“ Vertreibt euch die Zeit mit ihr. Die da gehört mir.“ Dabei trat er auf mich zu, zog mich hoch und biss sofort zu. Ich war starr vor Schreck. Was waren das für Wesen?
Mein Hals schmerzte, wegen den Zähnen, die in meinem Fleisch steckten und weil ich mich in seinen Armen wand. Ich gab noch nicht auf, krallte meine Fingernägel in seine Wange und zerrte an seinen Haaren, doch er ließ nicht von mir ab. Seine harte Umklammerung wurde nur noch fester, so dass ich kaum noch Luft bekam.
Ich fühlte, wie ich schläfriger und kraftloser wurde und schließlich sagte er:“ Du bist ganz schön kratzbürstig. Ich mag Sterbliche, mit einem unbeugsamen Lebenswillen.“
Dann gab er mir sein geöffnetes Handgelenk zu trinken. Ich erwachte als Einzige wieder zum Leben.“


Magdalena hatte Tränen in den Augen:“ Wie schrecklich! Erging es dir danach ähnlich, wie mir?“
„ Ja. Anfangs hasste ich die anderen und mich selbst. Meine Eltern und Geschwister lagen noch da, mit ihren zerfleischten Kehlen. Meine jüngere Schwester war sogar nackt und hatte tiefe Kratzer über den Bauch und an den Armen. Neben ihr war überall Blut und ihr Hals war ebenfalls durchgebissen.
Sie hatten mir alles genommen. Meine Familie, mein sterbliches Leben und die Erlösung. Aber ich fand mich damit ab. Nun kann ich ebenfalls ewig leben.“
Magdalena klang verzweifelt:“ Aber ich kann mich nicht damit abfinden! Ewig in der Nacht gefangen und immer töten, um zu trinken.“
Kriemhild legte den Arm um sie:“ Denk an die schönen Dinge, die dir dieses Leben bieten kann. An deine Stärke, deine Freiheit, ewige Jugend und deine Fähigkeiten. Damit wird es leichter, zu akzeptieren. Was hättest du als Weib für ein Leben, zu erwarten gehabt? Kinder zu gebären und deinem Mann bedingungslos zu gehorchen, dich behandeln zu lassen, wie eine Sklavin. Jetzt kannst du selbst bestimmen, was du tust.“
Die Neugeborene dachte an Magnus. Ob er sie suchte?

Als die beiden Frauen zum vorderen Teil der Höhle zurückkehrten, stand ein schwarzhaariger Mann bei den anderen Damen.
Magdalena vermutete diesen Ivanhoe in ihm.
„ Wer ist das, Kriemhild?“, fragte er.
„ Magdalena. Kann sie hier bleiben?“
Der Mann kam näher und betrachtete die Neugeborene eingehend. Dann grinste er, so dass sie seine Reißzähne sah:“ Ja, ich denke schon. Sie kann bei mir schlafen.“
Magdalena sah Kriemhild hilfesuchend an. Diese meinte:“ Ich glaube, sie bleibt besser bei mir. Sie ist mein Gast.“
Ivanhoe erwiderte:“ Vielleicht ein anderes Mal.“
Kriemhild sagte stumm zu ihr:<< Lass dich nicht von ihm ängstigen.>>


Die Neugeborene belauschte später, zufällig ein Gespräch der Beiden. Der Unsterbliche stichelte:“ Warst du eifersüchtig, mein Liebling?“ Er zog Kriemhild an sich und küsste ihren Hals, den sie bereitwillig zurückbog:“ Das würde dir wohl gefallen. Sie hat Angst vor dir und überhaupt, ist sie Magnus Gefährtin. Ich denke, er wäre nicht sehr erfreut, sie in deinen Armen wiederzufinden, wo er sie vor Kurzem geheiratet hat.“
„ Magnus? Was tut sie dann hier? Er wird herkommen.“
Kriemhild erwiderte:“ Nein, ich glaube nicht. Sie lief vor ihrem eigenen Wesen davon. Ich wollte ihr helfen. Sie ist so betrübt darüber.“
Er wurde lauter:“ Schick sie morgen fort. Ich will keinen Zwist mit ihm.“
Magdalena überlegte, ob sie zurück sollte. Sie wollte diese Unsterblichen durch ihre Anwesenheit, nicht in Gefahr bringen.
Als Kriemhild zu ihr zurückkam, sagte sie:“ Ich kehre zu ihm zurück. Wenn es mein Schicksal sein soll, so nehme ich es an. Er ist gut zu mir. Das ist das Wichtigste.“
Die Ältere umarmte sie und küsste ihre Wange:“ Wir bleiben in Verbindung. Du kannst mich jederzeit besuchen, wenn du willst.“
„ Ich danke dir. Durch dich fühle ich mich schon ein wenig besser. Nun weiß ich, dass ich nicht allein bin.“


In den folgenden Tagen liefen die Vorbereitungen für den nächsten Ball, auf Magnus Burg. Die Diener waren mit putzen, Kerzen herbeischaffen und herrichten des Saales beschäftigt.
Magdalena hatte inzwischen bemerkt, dass ihr Gemahl, Sterbliche, als Futter ins Verlies sperrte.
Sie hieß das nicht gut, aber es war eben Sitte, Nahrung für das Fest zu beschaffen.
Dazu legte Magnus weite Strecken, durch die Lüfte zurück und schleppte meistens gleich zwei Menschen, die er mit seinem Willen betäubt hatte, zur Burg.
Sein besonderes Augenmerk galt den Jungfrauen. Er schloss sie getrennt von den übrigen Gefangenen ein, damit sie es bis zur besagten Nacht auch blieben.
Diese blutjungen Mädchen waren sehr begehrt in der vampirischen Gesellschaft, aber mehr aus dem Grund, ihnen die Unschuld zu rauben, bevor sie leergesaugt wurden, als wegen dem Geschmack des Blutes.


Magdalenas erste Ballnacht nahte. Sie freute sich sehr darauf und sie vergaß ein wenig ihren Kummer, über ihr Dasein.
Magnus hatte ein weiteres festliches Kleid für sie fertigen lassen. Diesmal in violett mit goldenen Bordüren und Perlen. Der Schneider war gerade hier, um die Anprobe vorzunehmen. Ein paar Änderungen musste er, laut Magdalenas Gemahl, bis zum Fest noch erledigen. Der Fürst äußerte seine Wünsche sehr genau.
Ihr Geliebter war zornig, das spürte sie, aber er hielt sich im Zaum. Er beobachtete das Tun des Sterblichen argwöhnisch, wie er an Magdalena herumzupfte.
Als der Schneider gegangen war, sagte sie:“ Er bemüht sich doch, Liebster. Warum warst du wütend auf ihn?“
Magnus entgegnete.“ Es war wegen dem, wie er dich ansah. Am liebsten hätte er beim Maß nehmen, an deine Brüste gefasst. Diese dreckigen, sterblichen Gedanken. Ich hätte ihn zerfetzt, hätte er es gewagt.“
Seine Gefährtin legte die Arme um ihn:“ Ach, Magnus! Was bedeutet die Berührung eines Menschen schon gegen deine? Meine Opfer berühren mich doch auch. Sei nicht so eifersüchtig.“
Er zog sie enger an sich und küsste sie:“ Ach, Liebes. Ich kann es eben nicht ertragen. Ich will doch nur dein Bestes.“
So viele Kleider, wie sie bis jetzt schon besaß, hätte sie in ihrem armseligen Leben, nicht einmal bis zum Tod gehabt.
Magnus bemühte sich wirklich sehr um sie, versuchte ihr alle Wünsche zu erfüllen. Sie hatte trotz allem, großes Glück mit ihm gehabt.
Er war ein guter Ehemann, der sie aufrichtig liebte.


Schließlich war der Festabend gekommen.
Zusammen mit ihrem Gefährten, machte sie sich in der Grabkammer zurecht. Er war ebenfalls prächtig gekleidet und gestern gebadet worden. Sein weißblondes, langes Haar hob sich markant von seiner schwarzen Tunika ab, die mit silberfarbenen Ornamenten bestickt war.
Magnus trug seine Haare meistens offen, was so etwas, wie ein Statussymbol war.
Nur wohlhabende Männer konnten sich langes Haar leisten, das ansonsten bei der Arbeit hinderlich gewesen wäre.
Als Magdalena in ihre Frauengemächer kam, erwarteten die Zofen sie schon, um ihre kastanienfarbene, lockige Pracht zu frisieren. Als Frau trug sie noch längeres Haar, als ihr Gatte. Ihres reichte fast bis zur Hüfte. Danach beobachtete sie die Leute im Burghof.
Die Gäste kamen zu Pferde, oder mit der Kutsche und manche auch zu Fuß.
Magnus stand neben ihr und meinte:“ Wir warten noch, bis die Meisten anwesend sind, bevor wir uns zeigen.“
Magdalene fragte:“ Wie viele kommen denn?“
Er legte den Arm um sie:“ Ungefähr fünfzig. Bist du hungrig?“
„ Ein wenig, ja.“
Magnus küsste ihre Wange:“ Gut. Ich ebenfalls. Wir werden uns ein gemeinsames Opfer suchen.“


Die Sterblichen aus den Verliesen wurden noch gewaschen und eingekleidet. Magdalena roch sie und hörte ihre Stimmen. Ihre Artgenossen da unten im Hof hingegen, verströmten nichts und bewegten sich lautlos über das Kopfsteinpflaster.
Sie entdeckte Kriemhild mit Ivanhoe zum Tor hereinkommen.
Dann nahm ihr Gemahl ihre Hand:“ Komm. Gehen wir nach unten in den Saal.“
In der Burghalle herrschte ein regelrechtes Gedränge.
Sie schritt langsam mit Magnus die Treppe hinab und viele sahen zu ihnen hinauf. Alles Unsterbliche, außer einigen Dienern, die dazwischen hin und her eilten.
Magnus begrüßte die Gesellschaft und befahl den Musikern zu spielen.
Dann führte er seine Gattin aufs Tanzparkett und andere taten es ihnen gleich. Endlich wurde Magdalenas Märchen wahr.
Sie tanzte mit dem schönen Prinzen, auf dem Ball. Mit dem Teufel, eigentlich.
Nur Dämonen um sie herum.
Als sie in die Menge zurückkehrte, erblickte sie Kriemhild. Sogleich begrüßte Magdalena sie: „Guten Abend, Kriemhild. Ich bin erfreut, dich zu sehen.“
Die andere wandte sich um:“ Guten Abend. Ich danke dir für die Einladung. Wie erging es dir?“
„ Gut. Ich lerne zu akzeptieren.“
Magdalena sah ihren Gefährten, nach dem nächsten Tanz, auf das Treppengeländer springen und verkünden:“ Lasst nun, das Mahl beginnen.“


Die Diener hatten bereits den Saal verlassen und Magdalena betrachtete die herausstaffierten Menschen, die sich ahnungslos unter die Gäste mischten. Umgeben, von blutgierigen Bestien in einer wunderschönen Hülle.
Kriemhild lächelte:“ Endlich! Ich habe solch ein Verlangen. Wen nimmst du?“
Magdalena beobachtete die Sterblichen:“ Ich weiß nicht. Ich lasse Magnus den Vortritt. Wir trinken heute gemeinsam.“
Ihr Gegenüber entgegnete:“ Ich teile mit niemandem. Vielleicht dieser stattliche, derbe Kerl dort vorn. Er besitzt genug Blut, um meinen Durst zu stillen. Möchtest du doch etwas abhaben? Magnus wählt sicherlich eine Jungfer.“
Magdalena lehnte das Angebot jedoch ab und Kriemhild pirschte sich daraufhin, an ihr auserwähltes Opfer heran.
Jemand trat eng hinter die Fürstin. Magdalena dachte an ihren Gemahl und fragte:“ Wen möchtest du?“
Da flüsterte eine fremde Stimme:“ Dich! Sei meine Gefährtin heute Nacht.“
Sie drehte sich um und sah Ivanhoe vor sich stehen. Sein schwarzes, halblanges Haar war sorgfältig gekämmt und schillerte regelrecht, im Schein der vielen Kerzen.
Er lächelte, nahm sie an die Hand und sagte:“ Gestattest du mir den nächsten Tanz?“
Sie willigte ein.
Solange sie über den Boden glitten, spürte sie die Blicke ihres Liebsten. Er sah von der Empore aus zu, sagte aber nichts.
Dann ging er wieder nach unten in die Menge, um eine sterbliche Frau aufzufordern. Magdalena wusste, was er mit ihr vorhatte. Eine Jungfrau, wie Kriemhild prophezeit hatte.
Ivanhoe küsste plötzlich ihre Wange und Magdalena schrak zurück. Er fragte:“ Widert dich meine Gegenwart an?“
„ Nein, aber ich bin doch....“
Er schmunzelte:“ Magnus hat sicher keine Einwände. Bei uns ist das anders und die sterblichen Regeln gelten hier nicht. Deine Hochzeit war nur Schau, symbolisch. Verstehst du?“
Die Neugeborene blickte ihn schweigend an, dann:“ Von wem möchtest du trinken? Ich werde daran teilhaben.“
Ivanhoe küsste jetzt ihre Lippen: “Ich verstehe das, als Einwilligung. Du wirst nicht enttäuscht sein.“


Er brachte, unter einem Vorwand, einen jungen Mann herbei. Dieser sah Magdalena erwartungsvoll an, als er vor sie trat:“ Ihr wünscht, My lady?“
„ Begleite mich in mein Gemach?“, entschwand ihr. Was sagte sie da? Was sollte der Mann von ihr denken?
Doch er gehorchte ihr und ging mit.
Sein Geruch und sein Äußeres versetzten die Unsterbliche in freudige Erwartung. Er war groß und stark. Ein richtiger Prachtkerl und nur für sie.
Ivanhoe war verschwunden. Würde er wiederkommen?
Der junge Mann hielt ihre Hand, als sie zu den Gemächern hinaufstiegen. Er versuchte sich vornehm auszudrücken, machte Komplimente über die Burg und über sie.
Magdalena hörte nur halbwegs zu.
Ihre Konzentration galt seinem Puls und seinem Geruch. Wie warm seine Hand war und so rau. Sie empfand es, wie Sandpapier an ihren zarten Fingern.
Der Herzschlag des Menschen wurde schneller und sie roch den Körperduft, als sie eine der Türen öffnete und ihn hereinbat. Ihre Ungeduld wuchs.
Der Mann kam näher, berührte ihr Gesicht, aber ihre Kühle erschreckte ihn. Sie spürte sein Zucken und das steigerte ihren Jagdtrieb noch mehr.
Sie wehrte sich immer stärker gegen ihre Gier und das Pochen in ihren Ohren wurde lauter.
Diese glasigen Menschenaugen und dieser metallische Duft, der Blutgeruch, der ihr Krämpfe bereitete.
Magdalena führte seine Hand, die sie noch hielt, an ihren Mund, küsste die Innenseite des Handgelenks und ihre scharfen Zähne drangen hinein. Sie spürte sein Entsetzen und den Blutstrahl, der in ihren Rachen spritzte. Ihr Körper fing zu beben an und sie sog stärker an der Wunde.
Er versuchte sich zuerst loszureißen, aber je mehr sie trank, desto willenloser wurde er. Der Mann stand, wie gelähmt da und ließ sie gewähren.
Plötzlich umarmte sie jemand von hinten. Sie sah sich um und lag in Ivanhoes Armen. Er leckte ihr das Blut von den Lippen und begann ihr Kleid zu öffnen, aber Magdalena hielt seine Hand fest: “Nicht. Ich kann ihn nicht hintergehen.“
Der Unsterbliche lächelte:“ Keine Sorge. Magnus vergnügt sich ebenfalls anderweitig.“
Das kränkte die Neugeborene. Sie dachte, er liebe sie und nun lag er mit einer anderen zusammen.
Die Schäferstündchen mit seinen Mägden kümmerten sie nicht, aber dass er sie mit weiteren Unsterblichen betrog.
Sie hatte bis jetzt, keinem anderen Mann ihre Gunst geschenkt, weder Mensch, noch Dämon.
Ivanhoe streifte ihr den Stoff von den Schultern, küsste ihre freigelegten Brüste, zog das Kleid weiter hinunter und hob ihren nackten Leib auf seine Arme.
Er legte sie auf das große Himmelbett und ging dann zu dem Sterblichen, der noch ein wenig benommen war.
Ivanhoe küsste ihn, was diesen sehr erregte und riss ihm dabei die Kleider vom Leib.
Magdalena entsetzte diese Szene. Sie hatte noch nie gesehen, geschweige denn gewusst, dass Männer Zärtlichkeiten austauschten.
Der Vampir drängte sich an den Menschen, streichelte ihn an seiner intimsten Stelle und biss in seine Brust. Der Sterbliche stöhnte vor Lust, klammerte sich an Ivanhoe, der nun von ihm abließ und ihn auf das Bett stieß:“ Er ist für dich, meine Teure.“


Sie schmiegte sich an den starken Mann, strich über seine Muskeln und trank aus der Wunde, die ihr unsterblicher Bettgefährte gerissen hatte. Der Mensch streichelte sie und ihr Saugen steigerte sein Verlangen.
Magdalena spürte den bebenden, heißen Körper an sich und sie konnte sich nicht mehr zurückhalten.
Ihre Zähne schlugen tief, in den Hals des Sterblichen und sie begann gierig zu trinken. Ihre Arme und Beine umklammerten ihn so fest, dass die Rippen brachen und er sich verzweifelt versuchte, zu befreien.
Ihre steinharten Arme hielten ihn gefangen, bis er halbtot darin hing. Er konnte sich kaum noch bewegen und starb dann schnell.
Ivanhoe brachte dieses Schauspiel in Stimmung. Er entkleidete sich, um sich dann ebenfalls auf das Bett zu legen.
Magdalena bemerkte, wie das Blut kühler wurde, das noch aus dem Toten strömte. Der größte Genuss war, solange sie am Leben waren. Deswegen versuchten die Älteren, den Tod ihrer Opfer hinauszuzögern, indem sie den Trunk immer wieder unterbrachen, bis die Sterblichen abermals zu sich kamen, um dann erneut zu trinken.
Der Anblick ihres blutbeschmierten Körpers auf dem Laken, machte Ivanhoe sehr lüstern. Er kniete auf die Liegestatt, warf die Leiche hinaus und widmete sich seiner Eroberung.
Sie atmete noch schwer, von ihrem Rausch und als sie ihre Augen öffnete, sah sie sein Gesicht über sich. Er hatte gerötete Wangen und sah menschlicher aus, hatte also auch Beute gemacht, bevor er ins Zimmer kam.
Die Fürstin lag auf dem Rücken, während ihr Liebhaber ihren Hals küsste und schließlich an ihr saugte.
Das brachte sie sofort wieder in Wallung, gegenseitiger Blutaustausch. Sie nahm seinen Arm und versenkte ihr Gebiss in der Innenseite. Ein Kreislauf entstand.
Als er sich von ihr löste, war sie bereit für ihn, sehnte sich nach seinen Berührungen, damit er dieses triebhafte Verlangen befriedigte. Das war bis jetzt, meistens so gewesen, nachdem sie getötet hatte.
Magdalena vergaß Magnus für kurze Zeit. Ivanhoe war nicht so tierisch, wie ihr Gefährte, nicht so stürmisch. Er ließ sich mehr Zeit, mit allem und sie genoss diese Zuwendung.
Eigentlich, hinterging er gerade Kriemhild und auch noch mit ihr.
„ Vergeude keine Gedanken an diese irdischen Gesetze.“
Magdalena erwiderte:“ Ja, wir sind schließlich Teufel.“


Ivanhoe lag nun auf der Seite und stützte seinen Kopf auf einen Arm:“ So darfst du das nicht sehen. Du bist nun von deinem Gewissen befreit.“
Jäh hörte sie ein huschendes Geräusch und sah eine schwarze Gestalt, die sich vor dem Fenster abzeichnete.
Es war Magnus!
Er blickte zu ihnen hinüber und zischte:“ Verschwinde!“ Dabei sah er Ivanhoe wütend, mit stärker glimmenden Augen, an.
Dieser ergriff seine Kleider und erhob sich von ihrem Lager. Schweigend, streifte er sich seine Sachen über und entschwand durch die Tür.
Ihr Schöpfer verharrte immer noch vor dem Fenster:“ War es schön?“
Magdalena erwiderte nichts. Sie stand ebenfalls auf, um sich anzuziehen.
Da entriss er ihr das Kleid, packte ihre Arme und drückte sie mit sich auf die Decken. Magdalena wehrte sich gegen seine Kraft, aber er lag mit seinem ganzen Gewicht auf ihr, hielt mit den Händen, ihre Handgelenke über dem Kopf fest, stemmte mit seinem Schenkel ihre Beine auseinander und zwängte sich dazwischen.
„ Ich zeige dir, zu wem du gehörst!“ Dann stieß er sich in ihre Öffnung.
Magdalena versuchte ihn herunterzustoßen, aber er war um so vieles stärker.
„ Warum wehrst du dich, meine Liebe? Willst du nicht mehr die Bettstatt mit mir teilen? Mit deinem Gemahl?“
„ Magnus, nicht jetzt!“, antwortete sie und wand sich unter ihm.
Er bohrte seine Hauer in ihre Kehle und das erweckte wilde Leidenschaft in ihr. Gegenseitige Bisse waren für ihre Art sehr erregend und Verletzungen verursachten ein angenehmes Kribbeln an den jeweiligen Stellen.
Magnus grinste:“ Ha, ich wusste, das gefällt dir. Meine unsterbliche Kurtisane.“
Diesmal war er besonders heftig mit ihr gewesen. Am ganzen Körper hatte sie Wunden von den Krallen und Zähnen, überall kribbelte die Heilung, aber sie empfand Befriedigung.
Sie hatten auch gegenseitig, ihr Blut gekostet und Magdalena wusste, dass seines, ihre Wunden schneller heilen ließ.


Magnus zog seine Beinkleider wieder hoch und schritt zum Fenster. Er sah hinaus zu den Dörfern:“ Du wirst noch erleben, wie stark wir fühlen können. Trauer, Liebe Hass und Wut. Wir erleben es stärker, als die Sterblichen und wir können nicht vergessen. So wie unsere Sinne schärfer sind, sind unsere Gefühle stärker. Unsere Liebe kann Jahrhunderte überstehen. Menschen könnten das niemals.“
Magdalena kam neben ihn: „ Magnus, du machst mir Angst. Kann ich niemals vergeben, falls mich jemand kränkt?“
Er drehte sich wieder um:“ Doch. Es sind die schlimmen Dinge, die ins Gedächtnis eingebrannt werden. Wir nennen es, den Fluch der Unsterblichkeit.“
Magnus umarmte und küsste seine Gefährtin. Ihre Wunden waren nun geschlossen, aber noch mit roter Haut bedeckt.
Magdalena betrachtete den toten Menschen am Boden. Seine leeren Augen, sein offener Mund, den zerfleischten Hals und das trockene Blut an seinem Oberkörper.“ Ich finde, das dort ist der Fluch dieser Unsterblichkeit. Mord um Mord, bis in alle Ewigkeit.“
Er sah ebenfalls zu dem Toten:“ Du gewöhnst dich daran. Denk nur noch an das Blut, das dich befriedigt.“
Sie kauerte neben dem Sterblichen nieder und strich über die kalte Haut. Es roch unangenehm und die Haut war feucht. Dann sagte sie:“ Er war tapfer. Hat sich gewehrt, solange er konnte.“
Ihr Gefährte nickte:“ Wenn sie sich an ihr Leben klammern und nicht aufgeben, sind sie am besten für uns.“
Magdalena erwiderte:“ Armer Sterblicher! Nur noch ein Häufchen Elend.“
Magnus forderte sie auf:“ Zieh dich an! Wir müssen die Toten beseitigen.“ Und sie tat, wie ihr geheißen.


Dann durchstöberte sie mit ihrem Liebsten, die Burg nach den Leichen. Überall lagen die Körper. Im Saal, in den Gängen und auf den Zimmern.
Manchen fehlte fast der Kopf und sie zog nackte Mädchen mit tiefen Wunden von den Betten..
<< Oh Gott, was waren wir nur für bösartige Wesen.>>, dachte sie.
Magnus schichtete die Toten im Hof, auf einen Haufen, übergoss ihn mit Pech und zündete ihn an. Magdalena fragte sich, als die Leiber brannten, welche der jungen Frauen, er getötet hatte. Wahrscheinlich die, mit den Bisswunden an Brüsten und Schenkeln. Er war immer ungestüm in der Liebe. Egal, ob unsterblich oder nicht. Hoffentlich, war sie da schon jenseits von Schmerz und Leid gewesen.
Ihr Geliebter sah jetzt zu ihr herüber. Er hatte ihre Gedanken gehört, sagte aber nichts. Er löschte das Feuer, um nun die Überreste in Säcke zu stopfen.
Seine Gefährtin war gegangen. Der Morgen nahte und sie musste sich bereits zur Ruhe betten.
Er jedoch, schleppte die gefüllten Säcke, in die Highlands, um sie zu vergraben.
Als er zurückkehrte, schlief sie schon tief. Er öffnete ihren Marmorsarkophag, um sie anzusehen und ihr Blumen auf die Brust zu legen. Der Duft würde ihr sicher gefallen, wenn sie erwacht.


Langsam verlor das Töten seinen Schrecken für die junge Frau. Sie tauchte mehr und mehr, in die Welt ihrer Art ein. Ihr Leben war losgelöst von der Wirklichkeit da draußen, von dem Dorfleben.
Sie spazierte manchmal zwischen den Häusern umher, wenn die meisten Menschen schliefen. All das, war nun weit fort von ihr.
Gerade einmal einige Monate bei Magnus, hatten das bewirkt. Sie betrachtete die Diener, als ihren Besitz und sah inzwischen sogar zu, wenn ihr Gefährte eine Magd im Bett tötete.
Sie glaubte, dass ihre Seele abstarb, oder entwich. Immer mehr und am Ende wäre sie, wie er.


Von Kriemhild erfuhr sie, dass Ivanhoe eine neues Weib in die Höhle gebracht hatte und dass er sie auf Magnus Ball erschuf.
Die Ältere erklärte ihr schließlich, dass die Seele in ihnen, niemals entwich. Der Fluch war ja, dass sie den Körper niemals verlasen konnte. Außer er wurde unwiederbringlich zerstört.
„ Das bedeutet Unsterblichkeit, meine Teure. Auch, wenn du zerfleischt am Boden liegst, existierst du weiter, wenn du zerstückelt wirst, lebst du in jedem Körperteil. Nur die Sonne vernichtet dich und du bist frei.“
„ Wolltest du in die Sonne gehen, Kriemhild?“
Sie nickte.“ Ganz am Anfang, ja. Aber ich hatte zu große Angst davor. Einige taten es, ketteten sich nackt an Bäume oder Pfähle, um nicht fortzulaufen, wenn sie kommt.“
Magdalena entgegnete:“ Wie furchtbar! Man muss wohl sehr verzweifelt sein, um das zu tun.“
Kriemhild fuhr fort:“ Ivanhoe half mir aus meinem Kummer. Er nahm mich bei sich auf und später zogen wir in die Felsen.“
Magdalena schritt durch das Gras vor den Felsen. Kriemhild blickte ihr wortlos nach.
Am liebsten würde sie die neue Gefährtin von Ivanhoe vernichten. Er kümmerte sich nur noch um sie. Er liebte dieses junge Ding. Leider!
„ Magdalena! Was meinst du, wie lange du seiner Liebe sicher sein kannst?“
Die Jüngere wandte sich um:“ Ich weiß es nicht. Er erzählte von Paaren, die sich ewig lieben können. Ich glaube, das wünscht er sich mit mir. Obwohl ich das wahrscheinlich, nicht immer können werde. Manchmal erschreckt mich sein Wesen noch. Wenn er grausam zu den Sterblichen ist und sich im Blut wälzt, das aus aufgeschlitzten Pulsadern strömt. Mich widert es an.
Einmal war ich dabei, aber ich musste das Gewölbe verlassen, weil ich das Stöhnen einer meiner Mägde nicht mehr ertragen konnte. Ihr Blut floss aus den offenen Arm- und Beinvenen und sie hing kopfüber von der Decke.“
Kriemhild entgegnete:“ Ja, das tun einige von uns. Es ist eine Art Brauch. Und ich habe es auch schon genossen.“
„ Du warst bei ihm?“
Die Ältere lächelte verzückt:“ Ja, ich kenne ihn, aber es ist lange her. Da waren wir beide noch jünger. Vielleicht vor fünfzig Jahren, als seine Herrschaft auf der Burg begann. Er ist wirklich ein sehr ansehnlicher Mann.“
„ Wolltest du mit ihm zusammenleben?“
Kriemhild schüttelte den Kopf.“ Nein, ich hatte ja Ivanhoe, aber an deiner Stelle, wären gern viele Unsterbliche. Magnus Gefährtin zu sein, ist der Traum vieler Weiber.“
Magdalena lächelte stolz und blickte in Richtung der Burg. Sie sehnte sich nach seinem Körper, seinen starken Armen, wenn er sie umfing und seinen zarten Lippen.
<< Mein Magnus!>>, schickte sie hinaus.
Er hörte es und lächelte:“ Meine Magdalena!“, flüsterte er und antwortete:<< Komm heim! Ich erwarte dich.>>


Diese Worte ließ sie sich nicht zweimal sagen. Sie verließ Kriemhild, strebte zur Burg zurück und fand ihren Gemahl in einem der prächtigen Himmelbetten vor.
Nackt lag er auf dem Betttuch, wie dargeboten für sie.
Seine eisblauen Augen funkelten im Dunkel des Zimmers und sein blasser Körper lag im Kontrast zu dem dunkelroten Bett. Seine goldenen Haare schimmerten im hereinfallenden Mondlicht und es modellierte seine athletischen Muskeln.
Nun winkte er sie, mit seinen Klauen bewehrten Fingern näher. Er ließ seine Nägel lang und spitz, wie es ihrer Art eigen war.
Magdalena ging nicht zu ihm. Sie begann sich zu entkleiden und sah ihn dabei an. Als sie sich dann selbst einen Kratzer, auf einer ihrer Brüste, beibrachte und der dunkle Lebenssaft hervorquoll, spürte sie seine Erregtheit.
Sie tauchte ihre Fingerspitze in das Blut und lutschte es genüsslich ab. Das machte ihn verrückt, sein Gemächt schwoll zu seiner stattlichen Größe an und er wartete ab.
Ihm schien das Spiel zu gefallen, wenn sie ihn reizte.
Magdalena hob die verletzte Brust an, fuhr mit ihrer langen Zunge, über den Kratzer und seine Ruhelosigkeit wuchs.
Magnus kroch zum Fußende des Bettgestelles, betrachtete sie weiterhin, während seine Geliebte näher kam. Sie beugte sich zu ihm nieder und bot ihm ihren verletzten Busen an. Ungestüm, biss er hinein, wie in einen Apfel und trank einige Züge von ihr.
<< Ach, das prickelte so schön.>>, dachte sie und ließ sich von ihm aufs Bett ziehen. Sie küssten ihre blutigen Lippen, saugten gegenseitig an ihren Zungen und vereinigten sich schließlich.
Magdalena liebte seine harten, kräftigen Stöße, mit denen er den sterblichen Frauen, die Hüfte zerschmettern konnte.
Er war so wild und zügellos. Ganz anders, als Ivanhoe.
Ihr Gefährte hielt kurz inne und raunte:“ Denkst du immer noch an diesen Kerl?“
„ Verzeih! Ich hatte nur euch beide.“
Er ächzte:“ Das hoffe ich. Ich teile dich nicht gern, Liebste.“
Sie gab sich weiter ihren Empfindungen hin:“ Ich weiß, ich weiß.“, trieb auf den Wogen ihrer Erregung dahin, die nochmals aufbrausten, als seine Kiefer ihren Hals packten und er sich in ihre Schultern krallte:<< Du machst mich rasend, meine Liebe. Du weißt das.>>
Als sie befriedigt waren, drückte er sich eng an den Rücken seiner Geliebten. So lagen die Beiden, bis zum Morgengrauen und er flüsterte ihr dabei viele liebe Worte ins Ohr.


Bald war es ein Jahr her, dass sie mit Magnus in der Burgkapelle vermählt worden war und dass er sie auf dem Turm seiner Burg, unsterblich gemacht hatte. Sie wusste schon nicht mehr, wie sich manches, als Sterbliche angefühlt hatte. Der menschliche Hunger, Schmerzen.
An Speisen konnte sie sich erinnern, an den Geschmack.
Manchmal erhaschte sie Küchendüfte aus den Häusern. Sie roch es intensiver, konnte jede Zutat bestimmen, aber es löste keine Reaktion in ihr aus. Es waren einfach Gerüche, wie so viele andere.
Die Jagd auf Menschen war ihr lästig. Sie legte nicht gern geschwächt, weite Strecken durch die Luft zurück, um sich zu stärken.
Meistens überfiel sie Bauern auf abgelegenen Höfen, aber noch besser war es, jemanden aus dem Verlies zu holen.
Magnus brachte genügend Gefangene, von seinen Beutezügen mit und inzwischen war sie genauso rücksichtslos im Töten, wie ihr Gemahl.
Der Hunger, ließ sie die Sterblichen nur noch als Fleisch sehen und sie konnte sich kaum beherrschen. Biss schnell zu, wenn die Gier die Oberhand gewann. Sie war nicht wählerisch, nahm Männer und Frauen, Adlige oder Bauern.
Nur Kinder und Tiere durfte sie nicht anrühren. Das wurde in ihren Kreisen, als Schande empfunden.
Nach dem Mahl hasste sie ihren Trieb wieder.


Das Paar verbrachte viele glückliche Jahre auf der Burg, bis Magdalenas Zuneigung mit der Zeit schwand.
Magnus gewährte daraufhin, zwei weiteren Gespielinnen Unterschlupf. Aber Magdalena sah sich weiterhin, als seine Gefährtin und die anderen waren nur Mätressen. Sie schliefen auch nicht in seiner Grabkammer, so wie sie.
Als Magdalena eines Nachts auszog, um ein eigenständiges Dasein zu führen, verbanden sie noch gemeinsame Nächte, mit ihrem einstigen Gefährten, auf seinen Festen.
Manchmal lauerte er ihr auch auf, nachdem sie gejagt hatte, um sich mit ihr zu vergnügen.
Sie ersehnte ihn immer noch. Daran änderte auch ihr weiteres Leben, bei Kriemhild nichts. Seine Macht, seine Schönheit, seinen Reichtum, seine Leidenschaft und seine Liebe. Warum hatte sie das alles aufgegeben?
Magnus versuchte jedes Mal, wenn sie zusammenlagen, Magdalena zu überreden, zu ihm zurückzukehren, aber sie wollte ihre neugewonnene Unabhängigkeit nicht aufgeben.


Dann trat ihre Nachfolgerin, in sein Leben. Eine Neugeborene von edler Herkunft.
Catherine!
Sie war von zarter Gestalt und wunderschön, mit langem, blondem Haar. Ihr Schöpfer begegnete ihr nach seiner Jagd, in einem der Dörfer unter der Burg und verfiel dieser Frau, mit Haut und Haar. Aber nach einigen Monaten verließ diese Catherine, Magnus Heim wieder. Magdalenas ehemaliger Gefährte, verzehrte sich regelrecht nach seiner neuen Liebe, hoffte vergebens auf ihre Rückkehr, obwohl Catherine ihn insgeheim noch liebte. Sie war mit seinem grausamen Wesen nicht zurechtgekommen, hatte ihn deshalb verlassen, als er es immer mehr offenbarte.


An einem Abend im Jahre 1295, als sie zur Burg kam, um Magnus aufzusuchen, fand sie einen uralten, fremden Unsterblichen im Kaminzimmer vor.
Sie spürte seine Macht sofort und er sagte zu ihr:“ Dein Magnus existiert nicht mehr. Nun gehört die Burg mir.“
Seine Worte klangen nicht nach Triumph, nicht boshaft. Eher gelassen, wie wenn ihn das alles nicht kümmerte.
Magdalena wusste, was das bedeutete. Er war von diesem Mann besiegt und vernichtet worden.
„ Wo liegt er?“, fragte sie zaghaft.
Der andere antwortete:“ Wozu? Du kannst ihn nicht zurückholen. Ich habe seine Überreste begraben.“
„ Sag mir wo, bitte!“, flehte sie.
Der Ältere zeigte ihr die Stelle in seinen Gedanken und Magdalena überflog sogleich das Grasland, bis sie den Platz schließlich fand.
Sie scharrte in der Erde, bis geschwärzte Knochenstücke zum Vorschein kamen. Tränen kullerten über ihr Gesicht, aber sie grub weiter.
Ihre Finger erfassten auf einmal etwas Weiches, Seidiges. Es war sein blondes Haar, unversehrt, aber verdreckt. Ein Teil des schwarzen Schädels hing noch daran, als sie es herauszog.
Ihr Schluchzen wurde lauter:“ Wenigstens ist deine Seele nun erlöst, Liebster. Wohin gehen wir dann, Magnus? Wo ist dein Geist hin?“
Sie suchte jeden Knochensplitter zusammen und häufte alles in einen Teil ihres Rocks. Manche Knochen waren noch von ledriger, verschmorter Haut umspannt.
Magdalena wollte ihn bei sich aufbewahren und nahm alles mit sich. Magnus fand seine letzte Ruhe, in einer eisernen Kiste, nachdem er fast zweieinhalb Jahrhunderte, als Fürst in den schottischen Highlands geherrscht hatte. Er selbst, hatte über vierhundert Jahre existiert und nun hatte sich seine Bestimmung, als Krieger erfüllt, im Kampf zu sterben.
In dieser Schatulle verschloss sie jetzt seine kläglichen Reste, nachdem sie alles von der Erde gesäubert hatte. Vor allem seine wunderschönen Haare.
Eine Weile strich sie hindurch, bevor sie, sie in die Kiste obenauf legte und hinzufügte:
„ Bis, dass der Tod euch scheidet.“

Ende

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