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Vampir Geschichten

Kurzgeschichten über die Nachtwesen

Blut ist Leben


(Lang: 41565 Zeichen)
 Mystery Online seid 16.07.2009
(2436 mal gelesen)

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„Glaube mir, Du wirst diese Party genießen – Du hockst oft genug an dem blöden Laptop. Es gibt noch andere Dinge im Leben als Arbeit!“
Meine Freundin Stella war mal wieder in Hochform – und das am frühen Morgen! Für mich kaum nachvollziehbar!
„Dieser blöde Laptop ermöglicht es mir, den Anteil an der Miete zu bezahlen. Und falls Du es vergessen hast, diese Wohnung ist nun nicht gerade das, was man ein Schnäppchen nennen würde. Aber es musste ja unbedingt in Kensington sein – einem der teuersten Stadtteile Londons.“ Meine Stimme war nun doch sehr laut geworden – zumal ich nicht wusste, wo sich Stella nun schon wieder aufhielt. Sie rannte von einem Raum in den anderen, war völlig aufgedreht.

„Ach Süße, Kensington ist doch toll, ich liebe es! Hat nicht Prinzessin Diana auch mal hier gewohnt? Vor langer Zeit?“ Neugierig steckte Stella den Kopf in mein Zimmer. Sie wartete wohl auf eine Antwort von mir. Ich hatte es aufgegeben: Wie sollte man nur ausschlafen, mit so einem Energiebündel in der Wohnung? Sie brachte mich wirklich oft zur Verzweiflung. „Super Argument, ehrlich. Ich bin nicht Prinzessin Diana, Du auch nicht. Und mir fallen auch sonst wenig Gemeinsamkeiten ein.“ Stella war oft hoffnungslos romantisch – wobei das eigentlich MEIN Part war – ich war die Schriftstellerin, nicht sie!

„Also Sam, nicht dass Du wirklich viele Männerbekanntschaften hättest, aber wenn ich an den letzten Typ denke – Steven, oder? Na, da denke ich schon, ihr beide habt was gemeinsam. Er sah grauenvoll aus, fast noch schlimmer als Prinz Charles!“ Sie kicherte albern, und machte sich davon. Das war ja wohl die Höhe! Ich erhob mich endlich aus meinem Bett, zog den Morgenmantel über und folgte ihr. Ein Kaffee konnte nicht schaden – schlafen konnte ich später immer noch.

„Erstens, ich mag es nicht, wenn Du mich Sam nennst. Zu Deiner Erinnerung, meine Eltern ließen mich auf den Namen Samantha taufen. Und außerdem, was hast Du gegen Steven? Er war liebevoll, anhänglich, treu, wohlhabend…“ Stella verdrehte die Augen:“ Ja, und schrecklich langweilig….hatte ich das Wort HÄSSLICH schon erwähnt?“ Ich funkelte sie nun böse an:“ Lassen wir das Thema. Ich habe sowieso kein Interesse an Männern. Jedenfalls im Moment. Sei lieb, und gib der armen, übermüdeten Schriftstellerin, einen heißen Kaffee, ja?“

Wir saßen zusammen in der Küche – sehr klein, aber liebevoll eingerichtet. Seit drei Jahren bewohnten wir dieses viel zu schicke, und furchtbar teure Appartement. Stella arbeitete als Fotografin für eine bekannte Tageszeitung in London. Ich hatte mich voll und ganz, der Schriftstellerei gewidmet. Leider war unser Tagesrhythmus absolut verschieden: Stella ging zu Bett, wenn ich erst richtig anfing, zu arbeiten. Das hatte aber auch gewissen Vorteile, denn so konnte doch jeder sein eigenes Leben führen, ohne dem anderen ständig über den Weg zu laufen. Wir mochten uns auf jeden Fall. Aber wir waren zu verschieden, um wirklich dicke Freundinnen zu sein. Kennen gelernt hatten wir uns, über einen Aushang: „Suche Mitbewohnerin für kleine Wohnung in bevorzugter Wohnlage.“ Diese Mitbewohnerin wurde ICH – obwohl ich noch immer der Meinung war, diese Unterkunft sei unverschämt teuer.

„Was ist das nun genau, was Du heute Abend veranstalten willst? Und wie lange soll das gehen?“ Ich spürte, dass ich trotz Kaffee, nicht wirklich richtig zu mir kam. Das war definitiv NICHT meine Tageszeit – 8 Uhr morgens. Wie konnte man so früh, so furchtbar munter sein? Ich sah Stella fassungslos an.
„Es ist nur ein gemütliches Beisammensein, mehr nicht. Keine große Fete, sei beruhigt. Wir haben doch diesen neuen Kollegen, Jason. Und dem wollen wir das Eingewöhnen ein wenig erleichtern. Hey, er sieht übrigens super aus. Das nur am Rande.“ Meine Mitbewohnerin zwinkerte mir zu.

„Oh nein, bitte nicht Stella! Du willst mich nicht etwa verkuppeln, oder? Das Thema hatten wir doch schon. Ich habe weder Zeit noch Lust, einen Mann kennen zu lernen. Und wenn ich Sex haben will, kümmere ich mich selbst darum. Ich bin stolze Besitzerin eines super modernen Dildos. Damit Du es weißt.“
Stella sah mich schockiert an:“ Du hast echt so ein Teil? Naja, wem es gefällt. Aber wegen Jason, schau ihn Dir doch einfach mal an, ja? Damit vergibst Du Dir nichts. Weißt Du, er würde gut zu Dir passen. Er ist genauso ein Nachtschwärmer wie Du, eher verschlossen und…ja, einfach anders.“ Stella schien von diesem Jason total begeistert zu sein. „In der Redaktion nennen sie ihn den VAMPIR. Ist das nicht lustig? Passt doch genau zu Deiner Geschichte!“

Aha – Stella wollte mir also einen Mann vorstellen, der dem entsprach, über was ich gerade schrieb. „Kann er fliegen? Verwandelt er sich in eine Fledermaus, hasst er Knoblauch und Kruzifixe?“ Ich bemerkte, dass sie mit dieser Frage hoffnungslos überfordert war und lachte. Wir redeten noch eine Weile über den neuen Kollegen, und seine Vorliebe, nur am Abend arbeiten zu wollen. Himmel, wie gut ich ihn verstehen konnte. Ich selbst war die totale Nachteule, warum auch immer. „Ich werde Euch eine Weile Gesellschaft leisten, versprochen. Aber nur, damit Du mich endlich in Ruhe lässt, ja? Danach verschwinde ich wieder in mein Zimmer. Bitte denke daran, ich habe einen Abgabetermin für meinen Roman. Ich kann es mir nicht leisten, die Nächte mit Smalltalk zu vergeuden.“

Damit war das Thema erledigt. Stella ging zur Arbeit, ich legte mich wieder ins Bett. Es dauerte nun aber doch eine ganze Weile, ehe ich wieder in den Schlaf fand. Kein Wunder, es war ein wunderschöner Sommermorgen. Die Sonne schien bereits in mein Zimmer, und allmählich wurde es heiß und stickig. Außerdem schien ganz London auf den Beinen, oder im Auto unterwegs zu sein – die Geräuschkulisse war mehr als störend. Und das, obwohl ich bereits das Fenster geschlossen hatte. Ich dachte an den heutigen Abend. Die meisten von Stellas Kollegen kannte ich – und die wenigsten mochte ich! Sie waren hoffnungslos aufgedreht, wie Stella selbst. Und auch eine gewisse Oberflächlichkeit war nicht zu verleugnen. Sie lebten in ihrer Welt, und ich in der meinen. Sie nannten mich die „Hexe“, weil ich recht zurückgezogen lebte, die Nacht liebte und außerdem eine Schwäche für mystische Geschichten hatte. Mich amüsierte diese Bezeichnung. Nein, sie gefiel mir sogar.

Irgendwann war ich doch eingeschlafen. Allerdings wurde ich recht unsanft geweckt, als ich Stella laut fluchen hörte. War es schon so spät? Wie lange hatte ich denn geschlafen? Egal, es war noch hell, also beruhigte ich mich. Kurz darauf erfuhr ich den Grund für Stellas Wutausbruch. Sie war früher von der Arbeit heimgekommen, weil sie die kleine Zusammenkunft vorbereiten wollte. Dabei fiel ihr leider ein Tablett aus der Hand, auf dem sich mindestens 10 wertvolle Weingläser befanden. Als das größte Chaos beseitigt war, setzte ich mich wieder an meinen Laptop. Ich wollte noch etwas Produktives vollbringen, ehe ich dieser sicherlich langweiligen Feier beiwohnen musste. Warum nur hatte ich Stella versprochen, dabei zu sein? Ich ärgerte mich schon wieder über mich. Warum konnte ich nie NEIN sagen, sobald sie mich, mit ihren großen braunen Hundeaugen ansah?

Als es langsam Abend wurde, war Stella nicht mehr zu halten: Wie ein aufgescheuchtes Reh sprang sie durch unsere Wohnung. Zwischen der liebevoll angerichteten Käseplatte, und dem permanenten Wechsel ihrer Wohnzimmer-Deko, fand sie noch immer Zeit, um zu duschen, ihr Partykleid auszusuchen und sich zu schminken. Ich betrachtete ihr hektisches Treiben, mit gebührendem Abstand. Allerdings fragte ich mich allmählich, ob sie mir die ganze Wahrheit gesagt hatte, was den Besuch anging. Ihrem Aufwand zufolge, erwarteten wir hohen Staatsbesuch – oder würde Prinz Charles hier erscheinen? Nun, wenn man Stella glauben durfte, war das ja genau DER Mann, der in mein Beuteschema passte. Perfekt!

Wie auch immer, dieser Abend schien meiner Freundin wirklich viel zu bedeuten. Daher zog ich mich nun ebenfalls zurück, um ein passendes Kleidungsstück für das „große Event“ zu wählen. Wenn schon Hexe, dann richtig! Stella wollte mich vorführen? Diesem neuen Kollegen, dem „Vampir“ - gut das konnte sie haben. Mit Fledermäusen in Menschengestalt,konnte ich es jederzeit aufnehmen. Ich musste schmunzeln, als ich mir vorstellte, wie dieser arme Mann wohl reagieren würde, sollte er jemals erfahren, wie man ihn heimlich nannte.

Als ich mich in Schale geworfen hatte, und auch das Make-up vollendet war, wagte ich letzten Blick in den Spiegel. Ich war durchaus zufrieden – nein, mehr als das, ich war begeistert! Da hatte ich wirklich ganze Arbeit geleistet. Ich trug ein schwarzes Minikleid aus Satin, das hauteng geschnitten war. Es betonte meine schlanke, fast zierliche Figur hervorragend. Dazu schwarze Nylonstrümpfe, halterlos natürlich und High Heels – in derselben Farbe . Ich war dezent, aber wirkungsvoll geschminkt: Schwarzer Eyeliner und dick aufgetragene Wimperntusche, betonten meine grauen Augen.. Dazu hatte ich einen blutroten Lippenstift gewählt. Ein toller Kontrast zu meinen langen, hellblonden Haaren und meiner ohnehin hellen Haut.

Ich konnte im Geiste schon das Gerede von Stellas Freunden hören, die mich sowieso alle sehr „seltsam“ fanden. Und heute würden sie mich als eine Art „Gothic-Vampir“ erleben. Egal, es interessierte mich nicht wirklich, was sie von mir dachten. Ich konnte nichts mit ihnen anfangen, umgekehrt war es nicht anders. Ich wollte nur Stella eine Freude machen – und war auch etwas neugierig auf den fremden Besuch.

Ich hatte mir vorgenommen, nicht sofort bei der Party zu erscheinen. Die Stimmung, gerade zu Anfang, war bei solchen Zusammenkünften immer sehr gezwungen. So gönnte ich mir ein Glas Wein, setzte mich gemütlich in meinen Schaukelstuhl und hörte, wie es ständig an der Türe klingelte. So eine Hausbar auf dem Zimmer, hatte doch was – ich genoss die Ruhe vor dem Sturm. Als mir klar wurde, dass ich mich nicht länger davor drücken konnte, verließ ich seufzend meine Festung. Ich hatte überhaupt keine Lust auf diesen Abend, aber versprochen war versprochen.

Ich hatte kaum meine Türe geöffnet, da stieß ich schon fast mit Tom zusammen, einem Kollegen von Stella. Ein furchtbar arroganter und selbstverliebter Mensch, wenn auch äußerst attraktiv. „Hallo Kleines, da bist Du ja! Ich habe Dich schon vermisst.“ Er lächelte mich, in seiner altbekannt schleimigen Art an, so dass mir fast übel wurde. Ich ersparte mir einen Kommentar, obwohl ich durchaus einige gute Ideen gehabt hätte. Stattdessen grinste ich ihn nur an, und drängte mich vorbei, in Richtung Wohnzimmer. Dort tobte das Leben – kein Wunder, es war der einzig wirklich große Raum in unserer Wohnung. Somit fiel es gar nicht auf, wie viele Gäste Stella geladen hatte.

Ich trat ein, und kam mir plötzlich hilflos und verloren vor. Wer waren all diese Leute? Ich kannte Stellas Kollegen, ja – aber diese waren eindeutig in der Minderheit. Die meisten Gesichter waren mir fremd. „Sam, meine Süße, da bist Du ja! Komm,ich muss Dich unbedingt Jason vorstellen. Und bitte erschrecke nicht, er hat noch einige Freunde mitgebracht.“ Nun, das Wort „einige“ empfand ich doch eher als unpassend: Seine Sippe schien fast den ganzen Wohnraum einzunehmen!

Stella strahlte, sie war ganz offensichtlich voll in ihrem Element. Sie packte meine Hand und zerrte mich in das Getümmel. Ich spürte die Blicke – vor allem die Blicke der Fremden. Und ich kann nicht behaupten, dass ich mich wirklich wohl fühlte. Sie schauten mich nicht nur einfach an, nein – sie fixierten mich. Und mir fiel auf, dass sie alle eine Gemeinsamkeit hatten: Sehr ausdrucksstarke Augen, die fast schon unheimlich wirkten.

Aber ehe ich weiter nachdenken konnte, blieb Stella endlich stehen. „Jason, darf ich Dir Sam...äh, Samantha vorstellen? Meine Mitbewohnerin, von der ich Dir bereits erzählt habe.“ Der Mann, von dem ich bisher nur den Rücken bewundern durfte, drehte sich um – und mir blieb fast die Luft weg. Himmel, sah dieser Kerl verboten gut aus! Er war sehr groß und schlank. Trotzdem konnte man gut erkennen, dass er muskulös gebaut war. Seine langen braunen Haare, hatte er zu einem Zopf gebunden. Seine Lippen waren herrlich geschwungen, und luden förmlich ein, sie leidenschaftlich zu küssen. Natürlich trotzte ich dieser Versuchung, was gar nicht so einfach war! Aber was mir wirklich die Sinne raubte, waren seine Augen, diese traumhaften Augen. Sie waren fast schwarz, schienen aber permanent ihre Farbe zu wechseln. Ich fragte mich, wie so etwas möglich sein konnte. Was seine Kleidung anging, hatten wir wohl instinktiv dieselbe Idee: Er trug eine schwarze Hose, und ein schwarzes Hemd. Dieses hatte er recht weit aufgeknöpft, so dass ich seine leichte Brustbehaarung sehen konnte. Insgesamt betrachtet, war er eine sehr elegante Erscheinung, die Macht und Selbstbewusstsein ausstrahlte. Und verdammt sexy dazu. Ich fing an, Stellas Begeisterung zu verstehen.

„Schön Sie kennen zu lernen Samantha. Ich habe schon viel über Sie gehört. Sie sind Schriftstellerin, nicht wahr?“ Gott, was für eine Stimme! Sehr ruhig, sehr tief und eindringlich. Ich konnte nicht sofort antworten, denn die Art, wie er mich ansah, verwirrte mich zusätzlich....es war, als würde er in mich hineinsehen wollen. Er fixierte mich, noch viel intensiver, als das seine Freunde getan hatten. Es war, als würde ich seine Blicke spüren, an jeder Stelle meines Körpers. Ich fühlte mich wie in Trance. „Sam, geht es Dir gut? Warum sagst Du denn nichts?“ Stella brachte mich in die Realität zurück – was unter anderem auch daran lag, dass sie eine sehr schrille Stimme hatte. Wie hielten das ihre Kollegen nur aus?

„Hallo Jason, ich freue mich ebenfalls. Ja, Sie wurden richtig informiert. Ich bin die introvertierte Schriftstellerin, die den Tag scheut und erst nachts wirklich munter wird.“ Ich reichte ihm die Hand. Er nahm sie und hauchte einen zarten Kuss darauf. Ich spürte,wie ich anfing, innerlich zu beben. Mein Gott, hoffentlich merkte er das nicht. „Sie lieben also die Nacht? Nun, dann haben wir ja eine Gemeinsamkeit. Ich bin tagsüber zu nichts zu gebrauchen.“ Jason lächelte charmant. Ich bemerkte, dass er, trotz seines Lächelns, kühl und irgendwie gefährlich aussah. Meine innere Stimme meldete sich plötzlich zu Wort – sie warnte mich vor ihm...

„Nun, das dürfte wohl der Grund sein, warum man sie den Vampir nennt?“ Ich konnte mir, diese provokante Frage nicht verkneifen. Stella sah mich böse an, was ich diskret ignorierte. Jasons Augenfarbe schien sich erneut zu verändern, sein Blick war nicht zu deuten. „Und Sam schreibt gerade einen Roman über Vampire. Irgendwie hängt sie an diesen mystischen Sachen.“ Stella kicherte wie ein kleines Schulmädchen. Na, zumindest war sie nicht böse auf mich.

Jason kam einen Schritt näher, stand nun ganz dicht vor mir:“Sie schreiben über Vampire? Das interessiert Sie? Glauben Sie an Vampire?“ Er sprach sehr leise zu mir, und ich fühlte mich plötzlich sehr unbehaglich. „Nein, das sind nur Märchen. Ich glaube natürlich nicht an Vampire. Aber diese Wesen faszinieren mich.“ Ich sah ihn direkt an – verdammt, was war das? Ich fühlte mich zu diesem Mann hingezogen, und gleichzeitig spürte ich ganz deutlich, dass irgend etwas nicht mit ihm stimmte. Aber was? Ich schien die einzige Person zu sein, der das auffiel.

Ich hielt es für besser, mich zurückzuziehen. Ich sehnte mich nach meinem kleinen Zimmer,meiner Ruhe und dem Laptop. Ich war nun genau in der richtigen Stimmung, um zu schreiben. Die Eindrücke, die ich eben gewonnen hatte, durch Jason und seine Freunde, waren überwältigend. Außerdem war mir nicht entgangen, dass Stella, diesen Jason förmlich anhimmelte. Ich wollte den beiden also keinesfalls im Wege stehen. Als ich mich verabschiedete, fiel mir auf, dass Stellas selbst gemachte Bowle, fast gänzlich unberührt blieb.

„Jason, wie wäre es? Wollen Sie nicht einmal kosten? Trinken Sie überhaupt?“ Mist, ich konnte es nicht lassen! Was war denn mit mir los? Glaubte ich ernsthaft, Jason sei ein Vampir? So ein Blödsinn. Nur weil er in vielen Dingen, genau dem entsprach, was ich mir unter einem Blutsauger vorstellte. Jason reagierte gelassen:“ Ich trinke keinen Alkohol, vielen Dank. Was aber nicht heißen soll, dass ich nicht durstig wäre. Und hungrig noch dazu. Ich sollte bald für Abhilfe sorgen.“ Mir lief es eiskalt den Rücken herunter, als der das aussprach – vor allem aber, WIE er es tat. Spielte er ein Spiel mit mir? Er wollte mir Angst machen, oder er verspottete mich einfach. Ich hatte genug. Ich wollte nur weg.

„Feiert ihr mal noch schön. Mir reicht es für heute. Ich widme mich lieber meinen Vampiren. Ihr wisst schon, diese erotischen Wesen der Nacht.“ Stella lachte über diese Bemerkung, aber als ich Jason ansah, bemerkte ich ein gefährliches Funkeln in seinen Augen. Ich wich seinem Blick nicht aus – ich hielt ihm stand. Damit schien er wohl nicht gerechnet zu haben:“Schade, dass Sie uns schon verlassen, liebe Samantha. Ich denke, wir hätten uns noch sehr viel zu sagen. Aber vielleicht ist es wirklich besser, wenn Sie jetzt gehen.“ Was sollte das denn nun heißen? Störte ich ihn in irgendeiner Form? Oder empfand er mich einfach als verrückte Nervensäge? Wie auch immer, ich bewegte mich an all den seltsamen Gestalten vorbei, um endlich mein Zimmer zu erreichen. Und wieder starrten mich Jasons Freunde unentwegt an. Und irgendwie sahen sie hungrig aus...

Instinktiv drehte ich mich noch einmal um, ehe ich mein Zimmer betrat...nicht weit entfernt stand Jason. Ich hatte seine Blicke die ganze Zeit gespürt und mir war, als würde seine Hand nach mir greifen. Dort stand er nun, weit entfernt und doch so nahe. Sieh mich an Samantha! Himmel, was war das nun gewesen? Wer sprach zu mir? Samantha, hörst Du nicht?Sieh mir in die Augen! Doch es stand niemand neben mir, die anderen waren alle ein gutes Stück entfernt. Es gab nur einen, der mich mit Blicken durchbohrte, Jason! Aber er sprach nicht, seine Lippen machten keinerlei Bewegung. Konnte das sein? Sprach Jason zu mir? So ein Blödsinn Samantha. Deine Vampirgeschichten steigen Dir allmählich zu Kopf. Und den Wein hätte ich wohl auch nicht trinken sollen. Jason hatte Recht, man sollte besser ganz auf Alkohol verzichten. Ich war das beste Beispiel dafür, welche seltsamen Folgen das haben konnte. Zumal ich wirklich nicht viel vertrug.

Ich war unendlich erleichtert, als ich endlich mein Zimmer betrat, und die Türe schließen konnte. Ich wusste nicht warum – aber zum ersten Mal, seit ich hier lebte,dachte ich daran, abzuschließen. War das albern? Ja, vielleicht. Trotzdem holte ich den Schlüssel aus der untersten Schublade meines Schreibtisches und folgte meinem inneren Drang. Diese Nacht war anders, ganz anders – und es würde nie mehr so sein wie bisher. Ich konnte nur nicht deuten, was hier geschah. Hatte ich Angst? Ja, in gewisser Weise schon. Aber voll Schrecken musste ich mir eingestehen, dass ich freudig erregt war. Und das bezog sich vor allem auf Jason. Dieser Mann hatte das geschafft, was mir inzwischen völlig fremd war: Ich dachte an ihn, unentwegt. Er faszinierte mich. Nein, da war noch mehr, viel mehr...aber ich war nicht in der Lage, meine Gefühle zu analysieren. Aber wer war er? Und vor allem, WAS war er?

Als ich eine Weile an meiner Geschichte gearbeitet hatte, wurde ich träge..und müde dazu. Ich hörte, dass die Feier noch in vollem Gange war. Laute Musik und Gelächter waren der sichere Beweis. Ich beschloss, für einige Minuten auszuruhen, und legte mich auf mein Bett. Es war zwar keineswegs geplant, doch dann schlief ich ein...und wieder war da plötzlich diese Stimme in meinem Kopf: Samantha, bleib wo Du bist! Wenn Du leben willst, dann befolge meine Worte...

Als ich aufwachte, war es totenstill in der Wohnung. Ich sah auf die Uhr: Erst kurz nach Mitternacht, Geisterstunde also. Ich war selbst überrascht, dass es noch so früh war – so lange hatte ich gar nicht geschlafen. Plötzlich das Geräusch von klirrendem Glas, und der Schrei einer Frau – Stella? Ich erschrak. Kurz danach ein Rütteln an meiner Türe, die Gott sei Dank verschlossen war. Eine energische Stimme, die ein deutliches „Nein“ rief, und von der ich sicher war, ich hatte sie schon einmal gehört. Jason? Danach nichts mehr – es war wieder ruhig.
Mir wurde das alles langsam suspekt und ich beschloss,nachzusehen. Was konnte schon sein? Eine Horde Betrunkener, die teilweise schliefen, teilweise orientierungslos in unserem Appartement herum irrten? Oder waren sogar die meisten Gäste längst gegangen? Da man Stella unmöglich zu lange ertragen konnte, hielt ich das für möglich.

Ich warf einen letzten Blick in den Spiegel – absolut unwichtig – aber es konnte ja sein, dass Jason noch anwesend war. Jason – da war er schon wieder. Konnte ich an gar nichts anderes mehr denken? Jedenfalls hatte mein Aussehen nicht gelitten, obwohl ich geschlafen hatte. Ich drehte vorsichtig den Schlüssel im Schloss um, damit mich auch ja niemand hören konnte. Ich drückte leise die Türklinke herunter, öffnete und verließ mein Zimmer. Es war alles ruhig, kein Mensch zu sehen. Leider war es nicht möglich, unauffällig einen Blick in den Wohnbereich zu werfen – die Türe war geschlossen.

Gut, dann musste ich eben die Höhle des Löwen betreten, es half ja nichts. Wahrscheinlich würde ich zuerst über einige Schnapsleichen stolpern, oder in Glasscherben treten. Ich erinnerte mich an das Geräusch von vorhin. Hatte ich Angst? Nein, nicht wirklich – aber dieses ungute Gefühl, das ich hatte, seit mir Jason und seine Freunde begegnet waren, kam zurück. Und es war wesentlich stärker als zuvor.

Ich war auf alles gefasst, als ich eintrat. Aber was ich dann tatsächlich erblickte, konnten weder meine Augen, noch mein Gehirn, so schnell verarbeiten. Überall lagen Menschen, zum Teil halb ausgezogen. Ich sah, dass es sich,ohne Ausnahme, um Stellas Kollegen handelte. Da war zum Beispiel Sandy, ebenfalls Fotografin: Sie lag, mit geschlossenen Augen, auf der Couch. Über ihr kauerte ein Mann, der mir fremd war. Als ich näher trat, verstand ich, was hier geschah: Sandy war überall mit Blut beschmiert, aber hauptsächlich lief es aus ihrem Hals. Der Mann, der mich keines Blickes würdigte, leckte sich die Lippen. Aus seinem Mund lief Blut – Sandys Blut wie ich vermutete. Der Kerl trank ihr Blut!

Ich hätte entsetzt aus dem Zimmer rennen müssen, aber irgend etwas hinderte mich daran. Wohin ich auch sah: Blut, menschliche Körper, die von von Jasons Freunden ausgesaugt wurden. Das konnte doch nicht wahr sein – Vampire! Ich selbst schrieb darüber, aber ich hatte doch niemals ernsthaft, an deren Existenz geglaubt! Tom, dieser schmierige Kerl – er lag auf dem Boden, keuchend. Über ihm waren gleich 3 Vampire, die seinen roten Lebenssaft voller Hingabe tranken. Einer saugte an seinem Hals, eine Frau vergnügte sich an seinem Arm, der dritte Blutsauger biss gerade im Brustbereich zu. Toms Augen wurden immer ausdrucksloser und dennoch hatte ich den seltsamen Eindruck, es gefiel ihm. Wie verrückt!

Ich fragte mich,woher ich die Kraft nahm, das anzuschauen - vor allem aber den Mut, einfach im Wohnraum stehen zu bleiben. Es war sicher nur eine Frage von Minuten, ehe sich einer der Vampire auf mich stürzen würde. Lag es daran, dass mich meine Vampirgeschichte, und das Interesse für Mystik und Grusel, schon so weit abgehärtet hatten, dass mich nichts mehr schockieren konnte? Ich hörte ein Stöhnen und drehte mich um. Carolyn, ebenfalls eine Bekannte , lag vor dem Kamin. Sie war vollkommen nackt. Auf ihr lag ein äußerst attraktiver Vampir mit roten, halblangen Haaren und einem Körperbau, der mich erzittern ließ. Er trank gierig das Blut, das aus Carolyns Hals tropfte, nachdem er zuvor, seine langen Fangzähne, hinein gestoßen hatte. Die Bewegungen des Paares waren eindeutig: Sie vollzogen den Liebesakt. Carolyns Stöhnen wurde immer lauter, sie stand wohl kurz davor, den Gipfel der Lust zu erreichen.

Ich fragte mich allmählich,ob ich am Ende pervers war, und davon bisher noch nichts gewusst hatte. Denn ich empfand keinen Ekel, obwohl ich eigentlich kein Blut sehen konnte. Auch der erste Schock war schnell überwunden – obwohl hier Menschen starben... ich fand das alles mehr als erregend, und schämte mich fast dafür. Apropos Erregung, wo war Jason? Wo war Stella? Ich lief durch das Zimmer, ohne dass mich jemand aufgehalten oder gar angegriffen hätte. Aber warum? Ich fing an mich zu fragen, ob ich streng roch, in irgendeiner Form – oder ob ich, eventuell, nicht dem Schönheitsideal von Vampiren entsprach.

Da entdeckte ich sie, Jason und Stella! Sie wurde von Jason an die Wand gedrückt, so dass sie nicht entfliehen konnte. Stella hatte ihren Kopf zur Seite geneigt und Jason hielt ihn mit einer Hand fest. Somit war sie außerstande, sich ihm zu entziehen. Gerade als ich dazu kam, bohrte er seine Zähne in Stellas Hals. Sie schrie auf, und ich konnte ihr ansehen, wie stark der Schmerz sein musste. Sie versuchte verzweifelt, den Kopf zu bewegen, Jason weg zu stoßen – ohne Erfolg. Gierig trank der Vampir den roten Saft, der nun aus ihrem Hals lief.

Schon nach kurzer Zeit, veränderte sich Stellas Gesichtsausdruck. Und sie wehrte sich nicht mehr gegen den Angriff. Sie umarmte Jason, und lächelte ihn an. Er ließ kurz von ihr ab, um liebevoll ihr Gesicht zu streicheln. Stella griff daraufhin energisch in seinen Nacken, und zog ihn erneut zu sich. Ja, es war eindeutig, sie wollte, dass er ihr Blut trank – sie schien es zu genießen! Ein leises Stöhnen kam über ihre Lippen,und sie hatte die Augen geschlossen. Ich hörte das schmatzende Geräusch, als Jason erneut saugte.

Die beiden hatten mich noch nicht bemerkt. Ich stand regungslos da, und beobachtete, wie Stella, diesem unwiderstehliche Mann, alles von sich gab. Ihr Blut, ihre Seele – ihr Leben! Und dann spürte ich etwas in mir,das mich fast krank machte: Eifersucht! Was wollte Jason von Stella? Hatte er Gefühle für sie? Wie zärtlich er ihr Gesicht berührt hatte,wie leidenschaftlich er sie umarmte.

Mistkerl dachte ich, und wollte mich gerade weg drehen, als Jason abrupt den Kopf hob. Er sah mich an, sah mir direkt in die Augen. Ich vermochte nicht zu deuten, was darin zu sehen war....Überraschung, Wut? Sie funkelten gefährlich. Blut lief sein Kinn herab, und endlich sah ich sie: Zwei spitze Fangzähne! Ich wollte mir nicht ausmalen,wie es sich anfühlen musste, diese in den Hals geschlagen zu bekommen. Doch trotz allem, er sah wild aus, gefährlich – und irrsinnig verführerisch!
Samantha, warum bist Du hier? Das hättest Du Dir nicht ansehen sollen.
War ich komplett verrückt? Schon wieder diese Stimme – die Stimme von Jason. Aber wie konnte das sein? Er sprach nicht mit mir,er starrte mich nur an.
„Entschuldige die Störung beim Essen.“ Mit dieser recht dämlichen Bemerkung rannte ich aus dem Zimmer. Niemand hielt mich auf – komischerweise.

Als ich im Flurbereich stand, plagte mich mein Gewissen: Hätte ich helfen können? Aber wie? Die Vampire waren eindeutig in der Überzahl. Und ob ich nun Vampirgeschichten schrieb oder nicht – ich wusste nicht, wie man Vampire töten könnte. Viel schlimmer aber, wollte ich diese Wesen wirklich vernichten? Die ich doch so aufregend fand,wenn auch bisher nur theoretisch? Und die Polizei rufen? Nun, das konnte ich nun wirklich vergessen. Was sollte ich denn erzählen:“Entschuldigen Sie Sir, ich habe eine Horde hungriger Vampire in meiner Wohnung.“

Dann musste ich wieder an Jason denken, und ich spürte einen Stich in der Herzgegend. Verdammt, warum war ich eifersüchtig? Wäre es mir lieber gewesen, er hätte MICH ausgesaugt? Und jetzt legt er sie bestimmt gerade flach – ich wusste nicht, dass Vampire auch fleischliche Gelüste haben. Meine Gedanken waren wirr. Wir haben sehr wohl Gefühle, auch körperliches Verlangen. Aber für Stella interessiere ich mich überhaupt nicht. Sie ist meine Nahrungsquelle, mehr nicht.

Ob es mir nun gefiel oder nicht, zwischen Jason und mir gab es eine Verbindung, die es uns erlaubte, auch ohne Worte, miteinander zu kommunizieren. Warum auch immer. Viel schlimmer aber, der Kerl konnte scheinbar meine Gedanken lesen. Jedenfalls viele davon. Samantha, geh jetzt! Verlasse dieses Haus und komme nie wieder zurück. Hast Du mich verstanden? Ich gebe Dir diese Chance – aber nur diese eine! Das war ja nochmal schöner, nun machte er mir schon Vorschriften. Ich wurde allmählich richtig sauer Du spinnst wohl! Und wo soll ich hin? Und mein ganzes Hab und Gut?Und wenn ich gehe, sehe ich Dich und Deine Freunde wirklich niemals wieder? Es entstand eine kurze Pause Nein, niemals wieder. Ich verspreche es Dir. Und sei nicht so verdammt unverschämt zu mir!

Ich stand schon an der Türe, die Hand an der Klinke. Ich konnte gehen – er würde mich nicht aufhalten. Ich hatte eine Freundin in Mayfair, dort könnte ich erstmal bleiben. Natürlich durfte ich nicht sagen, was geschehen war – sie würde mich sonst für komplett verrückt halten. Und ich würde Jason nie mehr wiedersehen. Ich würde wieder mein altes Leben leben. Wenn auch ohne Stella. Ich fragte mich ernsthaft, wollte ich das? Wirklich? Nein, so leicht sollte mich der Herr Vampir nicht loswerden! Nicht mit mir! Ich musste komplett lebensmüde geworden sein,als ich anfing, ihn zu provozieren. Ich nutzte nun die Vorteile unserer mentalen Verbindung. Außerdem gefiel mir der Gedanke,ihn beim „Essen“ zu stören.

Ein nächster Versuch, ich drückte die Türklinke herunter – hielt die Türe aber nur leicht geöffnet. Wirklich gehen wollte ich nicht, das spürte ich ganz tief in mir drin. Das hier war alles neu – wenn auch auf erschreckende Art und Weise. Stella war tot – jedenfalls so ähnlich. Und in unserem Wohnzimmer fand eine Blutorgie statt, angeleitet von einem gefährlichen, dominanten aber verdammt attraktiven, unwiderstehlichen Vampir. Was sollte ich tun? Wie weit konnte ich gehen?

Weißt Du was, es ist mir ganz egal, was Du von Stella oder sonst einer Frau willst. Es interessiert mich nicht. Wahrscheinlich bist Du sowieso ein ganz mieser Liebhaber. Aber ich lasse mich doch nicht aus meiner Wohnung vertreiben! Dass Du es weißt! Ich musste komplett irre sein, so mit Jason zu reden. Kurze Stille...Samantha, es reicht. Weißt Du überhaupt, mit wem Du es zu tun hast?
Nun, wusste ich das? Nein, nicht wirklich – und das machte mich wohl mutiger.

Mit einem rechthaberischen ausgeflippten Vampir, der glaubt, mit einem kessen Augenaufschlag, beherrscht er alles und jeden. Wow, das war gut, ich war stolz auf mich. Plötzlich, ohne mein eigenes Zutun, schlug die Türe zu. Du bist zu weit gegangen Samantha. Ich werde Dich Respekt lehren.

Ich war beeindruckt, die Verbindung zwischen Jason und mir, warum auch immer, war genial. Fast als stünde er hinter mir. Ich hatte diesen Gedanken noch nicht wirklich zu Ende gedacht, da geschah es: Eine Hand griff grob in meine Haare, und bog meinen Kopf brutal nach hinten. Dann legte sich ein Arm um meine Taille, umklammerte mich fest. „Es war ein großer Fehler, nicht zu gehen. Bist Du auch mutig genug, die Konsequenzen zu tragen?“

Plötzlich ein stechender Schmerz – schlimmer als alles, was ich jemals erlebt, jemals gespürt hatte. Spitze Zähne schlugen in meinen Hals, durchbohrten meine Haut. „Nein Jason, hör auf damit! Hör sofort auf! Es tut so weh!“ Ich schrie mir die Seele aus dem Leib, und strampelte wie ein wild gewordenes Kind. Aber dadurch wurde der Schmerz nur noch schlimmer. Ich hatte keine Chance, zu entkommen. Jason war viel zu stark für mich. Er hielt mich fest umklammert.

Wehre Dich nicht Samantha, es macht keinen Sinn. Ergib Dich, lass Dich fallen. Dann wirst Du es sogar genießen. Ergeben? Genießen? Niemals! Obwohl ich langsam schwächer wurde, versuchte ich eisern, Jason zu treten, meinen Kopf zu drehen. Ich konnte spüren, dass er langsam wütend wurde. Ich fragte mich, ob er mich nun töten würde, ob es schon soweit sei. Der stechende Schmerz hatte nach gelassen. Ich spürte, wie er mein Blut trank, wie es von meinem Körper in seinen floss. Dann, von einem Moment zum anderen, wurde mir übel. Ich versuchte, noch etwas zu sagen, doch plötzlich wurde es mir schwarz vor Augen. Meine Beine gaben nach und ich sackte zusammen. Das letzte was ich fühlte, war Jasons warmer Atem und Arme, die mich hoch hoben und davon trugen...

„Jason, sie kommt zu sich.“ Ich sah in ein wunderschönes Gesicht, mit großen grünen Augen. Es war der Vampir, den ich zuvor beim Liebesakt beobachtet hatte. Die langen roten Haare, waren inzwischen zu einem Zopf gebunden. Das schien wohl eine äußerst beliebte Frisur bei Vampiren zu sein. Ich versuchte zu erkennen, wo ich war und mit wem. Ich befand mich immer noch in unserer Wohnung, aber inzwischen wieder im Wohnzimmer. Die anderen Vampire, waren um mich versammelt, machten fast schon einen besorgten Eindruck. Ich lag auf dem weichen Fell beim Kamin – wo zuvor Carolyn große Lust, wohl aber auch den Tod gefunden hatte.

Seltsamerweise hatte ich keine Angst – ich spürte, sie würden mir nichts tun. Wo waren all die anderen? Die Opfer der Vampire? Stella und ihre Kollegen? Ich wollte mich aufsetzen, nachfragen. Doch der Schmerz an meinem Hals gebot mir Einhalt. „Mist, tut das weh.“ Ich schimpfte und erinnerte mich daran, was Jason mir angetan hatte. Ich hasse Dich! Ich hatte für einen Moment vergessen, dass er meine Gedanken lesen konnte. Jason trat an mich heran, sah auf mich herab, wie ich auf dem Fell lag. „Tust Du das Samantha? Wirklich?“ Seine Augen sahen mich fast traurig an. Verdammt, ich log und ich war mir sicher, er würde es spüren. Früher oder später. „Was vorhin geschah...es tut mir leid! Es war nicht meine Absicht, Dir solche Schmerzen zu bereiten. Doch ich war so wütend, Du hast mich provoziert und...“ Er unterbrach mitten im Satz und ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen.

„Soso, ich habe es also geschafft, den großen bösen Vampir aus der Reserve zu locken? Das war es mir dann doch fast Wert.“ Jasons Augen funkelten böse, doch dann meinte ich, ein Lächeln zu erkennen. Da war etwas zwischen uns, das ich nicht erklären konnte. Dieser Mann, der eigentlich ein Monster war, verkörperte alles, was ich jemals gesucht hatte. Aber welche Zukunft hatte das? Ein Mensch und ein Vampir? Wenn ich überhaupt noch ein Mensch war! Voll Panik berührte ich meinen Hals und war wohl leichenblass vor Schreck. „Keine Angst Sam – ich habe nur wenig von Deinem Blut getrunken. Bisher...ich wollte Dich ja nur bestrafen. Du bist noch kein Vampir.“

Das beruhigte mich nun nicht wirklich: „Was meinst Du damit Jason? Ich bin noch kein Vampir? Und bitte nenne mich nicht Sam!“ Ich bekam nun doch ein wenig Angst,das musste ich mir eingestehen. Jason setzte sich zu mir, sah mich lange an...dieser Blick, der bis tief in meine Seele reichte. Er streichelte mein Gesicht, und betrachtete mich. Zuerst nur mein Gesicht, doch dann wanderten seine Augen weiter, schienen meinen gesamten Körper in Besitz zu nehmen. Und plötzlich konnte ich es genau erkennen – die Gier in seinen Augen. Gier nach meinem Körper? Gier nach meinem Blut?

„Jason, es wird Zeit für die Umwandlung. Die Sonne geht in wenigen Stunden auf. Bis dahin müssen wir von hier verschwunden sein. Die Zeit drängt!“ Es war wieder der rothaarige Vampir,der zu ihm sprach. Jason sah mich an, dann nickte er:“ Dann lasst uns jetzt bitte alleine. Geht ihr schon voraus, nehmt die anderen mit. Ich komme mit Samantha nach.“ Er verbeugte sich vor Jason,was mir bewies, dass Jason eine große Macht über die anderen hatte. „Bist Du sowas wie Graf Dracula?“ Jason sah mich verständnislos an:“Wie bitte? Wer soll das sein?“ Ich war zu aufgeregt, zu nervös, um das nun zu erklären. „Wo sind Stella und die anderen,die ihr ausgesaugt habt?“ Ich musste es wissen. „Sie sind schon auf dem Weg zu unserer Unterkunft. Sie werden bald ihr neues Leben beginnen. Du hast Stella also nicht verloren. Wenn Dich das beruhigt.“

NEIN, Jasons Worte hatten leider genau das Gegenteil bewirkt,und mir wurde langsam klar, auf was das alles hinauslaufen sollte. „Das mit der Umwandlung – Dein Kumpel sprach nicht zufällig von MEINER Umwandlung?“ Meine Stimme klang inzwischen nicht mehr so selbstsicher. Ich wollte aufstehen, doch Jason zog mich unverzüglich zurück. „Ja, das meinte er Samantha. Du bist anders als die anderen. Anders als all die Frauen, die mir in den letzten 300 Jahren begegnet sind. Ich habe es sofort gemerkt, als ich Dich sah. Zuerst wollte ich Dich verschonen. Daher haben Dich auch die anderen Vampire nicht angerührt.“ Ich erinnerte mich...das Pochen an meiner Türe und Jasons Stimme, die mich wohl vor schlimmerem bewahrt hatte.

„Doch Du hast Deine Chance nicht genutzt – und ich habe gespürt, dass ich dem Drang, Dich zu besitzen, nicht länger widerstehen konnte. Und als ich vorhin Dein Blut trank, wenn auch nur wenig, war mir klar, dass ich Dich niemals wieder gehen lassen konnte. Du gehörst zu mir Samantha.“ Er sah mich an, und zum ersten Mal, konnte ich so etwas wie Wärme in seinen Augen erkennen. Er beugte sich zu mir herab, und seine Lippen berührten zärtlich die meinen. Ich verlor mich in diesem Gefühl, und gab mich ganz seinem Kuss hin. Ich musste verrückt sein, doch ich wollte ihn – ich wollte ihn so sehr! Nun kannst Du ja selbst urteilen, ob ich ein so mieser Liebhaber bin...seine Worte, eindeutig sarkastisch, hallten in meinem Kopf...musste er mir das, was ich vorhin dummerweise gesagt hatte, gerade JETZT vorhalten?

Ich presste meinen Körper an seinen, und seine Hände schienen plötzlich überall auf meiner Haut zu sein. Ich hatte das Gefühl zu verbrennen, und wieder sah ich in seinen Augen diese unbeschreibliche Gier. Langsam zog er mich aus, schien den Anblick meines nackten Körpers, aus vollen Zügen zu genießen. Ich löste sein Haarband, und seine langen braunen Locken fielen weich auf seine Schulter, umrahmten sein wunderschönes Gesicht. Ich hatte noch nie einen so perfekt aussehenden Mann getroffen. Als er sich ebenfalls entkleidet hatte, ließ er sich langsam auf mich nieder, öffnete meine zitternden Schenkel...in dem Moment, als er in mich eindrang, als ich seine ganze Kraft, seine Männlichkeit in mir spürte, wusste ich, dass es kein Zurück gab.

Wir liebten uns wie im Rausch. Ich verlor jegliches Zeitgefühl, und es schien nur noch uns beide zu geben. Gleich gehörst Du mir – der erste Schritt ist bereits getan. Ich brauche Dein Blut Samantha, bitte...er sah mich fordernd an. Ich hatte Angst vor dem letzten Schritt,vor dem Weg ins Dunkel, der unausweichlich schien. In dem Moment, als ich den Höhepunkt meiner Lust erlebte, als mein Körper zu beben begann, spürte ich Jasons warmen Atem an meinem Hals. Ehe ich wirklich begriff, was geschah, spürte ich einen stechenden Schmerz am Hals. Ich schrie auf – der Schmerz war stark, aber nicht so intensiv, wie ich es bereits erleben musste. Allmählich beruhigte ich mich, ergab mich an mein Schicksal. Jason trank gierig mein Blut, und ich spürte, dass es ihn unsagbar stark erregte. Noch immer war er in mir, groß und unsagbar stark.

Ich spürte, dass ich allmählich schwächer wurde. Mit jedem Tropfen, der von meinem Körper in Jasons floss. Es schien endlos zu dauern, und er bewegte sich nun schneller . Als ich wirklich müde wurde, und alle Kraft mich verließ, bäumte sich der Vampir plötzlich auf. Es war grotesk: Während er mir Leben nahm, indem er mein Blut trank, ergoss er pures Leben, tief in mich hinein. Doch was ich fühlte, war pures Glück, Zufriedenheit und Liebe – zu einem Mann, den ich nicht wirklich kannte. Und der mir trotzdem so nahe war. Mit dem ich sprechen konnte, ohne meine Lippen zu bewegen. Nur über unsere Gedanken.

Mein neues Leben konnte beginnen, ein Leben ohne Sonnenschein, in ewiger Finsternis – doch ich würde es nicht alleine leben müssen. ER war bei mir, für jetzt und für alle Ewigkeiten. Ich schloss die Augen und war bereit...

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