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Vampir Geschichten

Kurzgeschichten über die Nachtwesen

Die letzte Nacht


(Mittel: 15041 Zeichen)
 Elisabetha Online seid 12.01.2006
(1152 mal gelesen)

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Die Abenddämmerung lag über der Stadt. Rot und golden in den Farben des Herbstes glühte der Himmel und verkündete das Sterben des Tages.
Die Menschen zogen an ihm vorbei wie bunte Schatten, er nahm sie gar nicht richtig wahr.
Was er allerdings wahrnahm war die Stadt um ihn herum.
Er war mit ihr verwachsen, seit 800 langen Jahren hatte er sie nur drei mal für einen längeren Zeitraum verlassen.
Die Stadt um ihn herum lebte, blühte in ihren schönsten Farben, egal zu welcher Jahres, egal zu welcher Tageszeit. Bis tief in die Nacht liefen Menschen durch die Straßen, lachten, sahen sich die Auslagen der Geschäfte an, aßen zu Abend, gingen in die Oper oder ins Theater
Die Jahre waren durch sie hindurch gezogen und hatten ihre Spuren hinterlassen, ohne allerdings die alten Spuren zu verwischen oder gar gänzlich auszumerzen. Oft wünschte er sich, nur halb so lebendig zu sein wie diese Stadt. Und doch schloss diese Stadt den Tod in ihre Arme, sog ihn auf und gewährte im Raum sich zu entfalten.
In Grüften toter Kaiser und Kaiserinnen, die am Tage geöffnet waren um Scharen von Touristen an den Toten vorbeizuschleusen.
Auf den unzähligen Friedhöfen, deren alte Schönheit erhalten wurde um sich an ihr zu erfreuen.
In den unterirdischen Katakomben der Stadt, in denen Zahllose Knochen von den Pestopfern ihrer Zeit erzählten. Diese Stadt war seine Stadt, Wien!
Doch an diesem Abend hatte er keine Zeit sich weiter mit der Schönheit seiner Stadt zu befassen. Er war auf dem Weg ins Krankenhaus, wie an fast jedem Abend des letzen Jahres.
Nur heute war es anders, er fühlte es, fühlte es seit er an diesem Abend erwacht war.
Er wußte, er würde Zarah heute das letzte mal besuchen, sollte sie sich wieder gegen ihn entscheiden.
Die großen Türen des Krankenhauses schwangen vor ihm auf und sofort schlug ihm der Geruch, nach Chemikalien, Desinfektionsmitteln, Krankheit und Tod entgegen und löste den Geruch von gebrannten Maroni ab der eine auf den Wiener Straßen überall verfolgte.
Er haßte Krankenhäuser, das grelle Weiß, die Leidenden und Kranken, er gehört einfach nicht hierher, denn er hatte über Krankheit und Tod triumphiert. Doch für sie würde er überall hingehen.
Keiner nahm ihn wahr als er sich den Weg in das dritte Stockwerk bahnte. Seit zwei Tagen lag sie nicht mehr auf der Intensiv Station, was in ihrem Fall aber kein gutes Zeichen bedeutete.
Die Ärzte hatten sie aufgegeben und wollten ihr nun das Sterben so angenehm wie möglich gestalten. Sie war in ein kleines Zimmer verlegt worden an dessen linker Wand sich ein großes Fenster befand. Von dort aus konnte man einen Teil der Stadt überblicken.
Viele Gerätschaften standen um sie herum und die Beatmungsmaschine pumpte unaufhörlich Luft durch ihre Nase in ihre schwachen Lungen.
Als er die Tür leise hinter sich schloß drehte sie ihrem Kopf langsam in seine Richtung. Ein leichtes Lächeln spielte um ihre Lippen.
„Julius, wie schön daß du da bist. Ich hatte gehofft dich noch einmal zu sehen und mir gewünscht daß du bei mir bist wenn...“ Ein starker Hustenanfall schüttelte sie.
Innerhalb einer Sekunde war er bei ihr und hielt ihre Hand.
„Es ist alles gut. Ich bin da. Ich werde immer für dich da sein, bis in alle Ewigkeit, wenn du nur willst.“
Sie wandte den Blick von ihm ab.
„Du weißt daß ich nicht annehmen kann was du mir anbietest. Ich könnte nicht so leben. Die Ewige Dunkelheit, das Töten...nein, ich könnte so nicht leben.“
Tränen schossen in ihre Augen während er sie schmerzlich ansah.
„Ich wünschte nur, ich hätte noch ein klein wenig mehr Zeit um sie mit dir zu verbringen. Nur ein wenig, und nicht hier in diesem kalten, sterilen Raum.“
Ein erneuter Hustenanfall schüttelte sie und ihre Hand verkrampfte sich in der seinen.
Nun spürte Julius die Anwesenheit des Todes. Er drehte sich in Richtung des Fensters und sah dort seine anmutige Gestalt stehen. „Tebosh, leider kann ich nicht sagen daß ich mich freue dich zu sehen.
Mit einer entschuldigenden Geste breitete der Tod seine Hände aus. Sein Gesicht zeugte von Verständnis.
„Es tut mir leid, Julius, aber ich kann keine Ausnahme machen. Ihre Zeit ist gekommen, ihre Leiden bringen ihr Leben zum erlöschen. Du könntest sie nur retten indem du sie mit dir nimmst.“
„Aber das will sie nicht!“ verzweifelt sah er ihn an.
„Ich weiß!“ Die Stimme des Todes klang warm und verständnisvoll.
„Gib mir noch diese Nacht mit ihr, ich werde sie am Morgen gehen lassen, ich verspreche es.“
„Julius, was ist da am Fenster?“ Schnell drehte Julius sich zur ihr um.
Er hatte vergessen daß Zarah den Tod weder sehen noch hören konnte.
„Es ist nichts!“ Er blickte zurück zu Tebosh.
Dieser nickte ihm leicht zu. „Diese eine Nacht, ja ich schenke sie euch.“
Julius wandte sich ab und wußte das der Tod verschwunden war.
„Zarah, wenn ich dir verspreche, dich nicht zu dem zu machen was ich bin, aber dich dennoch so sehr zu kräftigen daß du diese Nacht mit mir, frei von Schmerzen verbringen könntest, würdest du einwilligen?“
„Ja, denn ich vertraue dir. Du würdest nichts gegen meinen Willen tun, oder?“
„Niemals!“ Er löste sacht seine Hand aus der ihren.
Mit dem Daumennagel seiner rechten Hand ritzte er sich eine Ader an seinem linken Handgelenk an, so daß ein dünner roter Faden seinen Arm entlang rann. Ohne jegliche Regung zu zeigen sah Zarah im zu.
„Du mußt das jetzt trinken, mein Engel und dann zeige ich dir meine Stadt, eine ganze Nacht lang, nur du und ich und kein Schmerz wird dich diese Nacht einholen.“
Noch einen Moment lang sah sie ihn mit erstauntem Blick an, dann zog sie mit zittrigen Fingern sein Handgelenk an ihren Mund. Ein warmes Gefühl durchströmte ihn, ein Wärme, die er seit Jahrzehnten nicht mehr gefühlt hatte. Menschliche Wärme. Nach wenigen Minuten entzog er ihr sein Handgelenk und sah ihr liebevoll in die Augen.
„Und jetzt,“ er küßte ihre Finger. „Befrei dich von diesen Maschinen und zieh dir etwas an. Die Nacht und die Stadt warten auf uns.“
Nachdem sie schnell in eine blaue Jeans und einen roten Pulli geschlüpft war öffnete Julius ein Fenster und bot Zarah seine Hand.
„Aus dem Fenster?“
„Ich glaube die Angestellten des Krankenhauses fänden es ein wenig befremdlich wenn eine Sterbenden quicklebendig auf ihrem Flur erschien. Meinst du nicht?“
Mit einem Lächeln nickte sie und ergriff seine Hand. Er zog sie an sich, genoß einen Augenblick lang ihren Duft und hob sie dann auf seine Arme.
Durch die Kraft seiner Gedanken erhob er sich in warme Abendluft und ließ das Krankenhaus tief unter sich. Zarah stieß einen kleinen Schrei aus, als sie in die Tiefe sah.
„Wohin soll ich dich Tragen, Engel?“
„Es ist ganz egal, zeig mir deine Stadt.“
Ein kleines Stückchen Grün erschien unter ihnen und inmitten dieses Grüns berührten Julius’ Füße wieder den Boden. Sanft stellte er Zarah auf die Füße und staunend sah sie sich um.
Sie befanden sich inmitten eines alten Schloßparks, nicht so groß wie der des Schönbrunner Schlosses, doch ebenso schön. Weite Rasenflächen die immer wieder durch wunderschön bepflanzte Blumenbeete unterbrochen wurden, umsäumt von Kieselsteinwegen und steinernen Sphinxen die als Zeugen alter Zeit wachten. Unzählige bunte Flutlichtstrahler erhellten den Garten und das große Gebäude das am oberen Ende dieses Parks in den Nachthimmel emporragte.
Es war ein kleines Schloß daß heute eine immer wechselnde Galerie beherbergte.
In zahllosen Fenstern brannte Licht und so konnte man den Eindruck gewinnen man sei in der Zeit zurückgereist und dort drinnen würde ein rauschender Ball stattfinden.
„ Es ist schön hier, wo sind wir?“
Mitten im Herzen der Stadt, es ist das Obere Belvedere was du dort vor dir siehst, wenn du dich umdrehst, dort unten, das etwas unscheinbarere Gebäude ist das untere Belvedere.
Dahinter erstreckt sich die restliche Stadt, der Stephansdom, die Karlskirche, das Riesenrad, einfach alles. Vor vielen Jahrzehnten lebte ich einmal in diesem Schloß und seitdem suche ich es regelmäßig auf. Es gibt mir ein kleinwenig das Gefühl von Heimat.“
„Julius, wie alt genau bist du!“
„Das willst du gar nicht wissen!“ er lächelte sie verschmitzt an und strich ihr zärtlich über die Wange.
Dann nahm er sie an die Hand und zog sie durch den Garten.
Er erzählte ihr die Geschichten der verschiedenen griechischen Figuren und Brunnen die im Garten aufgestellt waren, sie lauschte im und schloß ab und an die Augen, um einen Windhauch zu genießen der ihr durchs Haar strich. Über ihnen waren mittlerweile unzählige von Sternen aufgegangen die die Nacht erhellten.
„Hast du dich sattgesehen? Denn nun führe ich dich an einen weitern Ort dieser Stadt den ich sehr schätze.“
Erneut hob er sie auf seine Arme und diesmal war sein Ziel die Wiener Hofburg.
Obwohl es schon spät war, waren noch einige Menschen auf den Straßen unterwegs. Sie schwatzten, lachten und genossen die Wärme der Nacht. Julius führte sie um das Gebäude herum, durch den kleinen Park an seiner rechten Seite, unter den Torbögen hindurch, durch die am Tage viele Fiaker fuhren und unzählige Touristen liefen.
„Warst du jemals in der Hofburg, Zarah?“
„Nur einmal kurz, wir wurden von einer Führerin hindurchgeschleust, die keinerlei Sinn für ihre Führung hatte.“
„Nun dann wollen wir das aber schnell ändern.“
Mit einem kurzen Blick fixierte Julius das Schloß der Tür und widerstandslos schnappte es zurück.
„Aber wir können doch nicht....“ setzte Zarah zu protestieren an.
„Warum nicht!“
Sanft aber bestimmend zog er sie am Handgelenk ins Innere. Sie schlenderten durch alle Räume, auch durch die die für Touristen nicht begehbar waren. Er zeigte ihr die Geheimgänge die bisher niemand je entdeckt hatte, erzählte ihr Geschichten von den Mitgliedern des Kaiserhauses und ließ die Vergangenheit in ihrem Geiste neu aufleben. Die Hofburg war nicht das Letzte was er ihr in dieser Nacht zeigte, er führte sie durch die Wiener Oper, die Kapuzinergruft und die heimlichen Gäßchen mit ihren alten Laternen die Wien diesen unveränderten Charme verliehen.
Er führte sie quer durch die Ganze Stadt, mit ihren alten und neuen Teilen, dort wo Gegenwart und Vergangenheit untrennbar miteinander verknüpft waren. Glaspaläste und alte Herrenhäuser, Parks, Grünanlagen und die Plätze an denen sich das moderne Nachtleben abspielte. Discotheken und Bars.
Die Zeit verging und schmerzlich merkte Julius jede Minute die verrann und er sehnte sich danach die Zeit anhalten zu können.
„Eins hast du mir noch nicht gezeigt!“
„Was denn?“
„Den Stephansdom. Natürlich kenne ich ihn, aber du siehst ihn sicher mit anderen Augen!“
„Aber natürlich“ platzte es aus ihm heraus. „Ich habe geholfen ihn zu erbauen.“
Vielsagend lächelte er, während sie ihn mit großen dunklen Augen ansah.
„Es sind nur einige Straßen komm, ich zeige dir den Dom. Warst du schon einmal oben, auf der Aussichtsplattform?“
„Eigentlich habe ich schreckliche Höhenangst, aber nachdem was mir heute schon alles wiederfahren ist, spielt das keine Rolle mehr!“
Endlich standen sie vor dem großen, prächtigen Gebäude. Der Große Turm starrte ihnen schwarz entgegen während das Mittelschiff frisch gereinigt und weiß im hellen Scheinwerferlicht erstrahlte.
„Der Dom ist nie verschlossen ,egal zu welcher Tageszeit. Doch ich will mit dir nach oben, die Stadt in ihrer ganzen nächtlichen Pracht bewundern. Höher hinaus als Touristen es dürfen, hinauf in den obersten Turm.“
Wieder hob er sie auf seine Arme, ewig wollte er sie so halten, und trug sie nach oben, weit über die Dächer und die Menschen, den Sternen entgegen. Als er sie abgesetzt hatte trat Zarah dicht an den Rand der Plattform die von einem Metallgeländer eingesäumt wurde und schaute über Wien.
„Die Lichter sind wunderschön, nicht!“ Julius legte beide Hände auf ihre Schultern.
„Die Lichter der Stadt und die Lichter über uns, ja sie sind wunderschön.“
Millionen kleiner Lichtpunkte tanzten in ihren dunklen Augen und spiegelten sich darin, sein geliebtes Wien, eingefangen in ihren Augen.
„Ich kann mich gar nicht satt sehen daran, ich komme sehr oft hierher, wenn ich nachdenken muß oder wenn ich gänzlich allein sein will, und bisher war niemand, weder Mensch, noch Vampir mit mir hier oben.“
Sie nahm seine Arme und legte sie um ihre Taille. „Siehst du, dort hinten färbt sich der Himmel schon hell. Die Nacht ist fast vorüber. Auf Dunkel folgt immer Licht, das eine besteht nicht ohne das andere.
Ich könnte nicht leben ohne das Licht des Tages, auch wenn ich dich hätte. Ich danke dir für diese Nacht und für alles was du für mich getan hast und tun würdest.“
Er drehte sie zu sich herum, so daß er ihr direkt in die Augen sehen konnte.
„Es ist noch nicht zu spät, das weißt du!“
Leicht legte sie ihm einen Finger auf die Lippen. „Doch das ist es!“
Sie küßte ihn und Julius ließ sich auf diesem Gefühl treiben. So sagte sie ihm mehr als Worte es jemals gekonnt hätten. Es dauerte viel zu kurz an.
Julius merkte wie Zarah sich in seinen Armen verkrampfte. Der Schmerz hatte sie eingeholt!
Er stützte sie und kniete sich mit ihr auf den steinernen Boden der Plattform.
„Diese Nacht war mehr, als ich zu hoffen gewagt habe. Sag, glaubst du an ein Leben nach dem Tod?“
„Früher tat ich es einmal, bevor ich zu dem wurde was ich heute bin. Ich denke für die Menschen gibt es ein Leben nach dem Tod, in welcher Form auch immer.“
„Die Sterne fangen an zu verblassen, aber die Lichter der Stadt strahlen unvermindert. Ich liebe Deine Stadt und...“ sie hustete, ihre Stimme schien zu brechen und Julius war nicht mehr im Stande seine Tränen zurückzuhalten. Dunkelrote Tropfen fielen auf den grauen Stein und versickerten in den steinernen Ritzen.
„...ich liebe Dich!“ Es war nur noch ein Flüstern, kaum zu vernehmen, dann sank ihr Kopf kraftlos an seine Schulter und die Lichter in ihren Augen erstarben.
Sie war fort und Julius spürte die Hand des Todes auf seiner Schulter.
„Laß sie gehen!“ mehr sagte er nicht.
von Elisabeth Salzmann

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