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Vampir Geschichten

Kurzgeschichten über die Nachtwesen

Man sieht nur mit dem Herzen gut


(Mittel: 10571 Zeichen)
 Leila Online seid 15.03.2006
(1027 mal gelesen)

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In einer kühlen regnerischen Nacht im Spätherbst lauerte in meinen Augen die Jägerin, wollte in dieser Nacht mit ihrer Beute spielen wie eine Katze mit der Maus. Suchend glitt mein Blick durch die Dunkelheit, aber zunächst kreuzte kein Mensch meinen Weg, was meinen Unmut nicht gerade besänftigte. Mit ängstlichem Blick musterte mich eine Katze und verschwand dann rasch um die nächste Ecke. Seltsamerweise schienen Katzen immer genau zu wissen, dass ich ein dunkles Wesen war, denn noch jede Katze hatte die Flucht vor mir ergriffen oder mich angstvoll angefaucht. Ich ignorierte das Tier und setzte meinen Weg fort. Schließlich erreichte ich belebtere Bereiche der Stadt und traf endlich auf Menschen, die eilig durch den strömenden Regen hasteten. Aber ich musste mir ein einsames Opfer suchen in einer Nacht wie dieser, denn ich war nicht gewillt schnell und unauffällig zu töten. Doch es sollte alles anders kommen.



Mein Umhang war vollkommen durchnässt, auch aus meinem Haar lief Wasser und meine Schuhe würde ich wohl wegwerfen können, wenn ich wieder zuhause war. Der dichte Regen fiel in unaufhörlichen Wasserfäden vom Himmel und kleine Sturzbäche spülten Dreck und Unrat aus den Rinnsteinen der Straßen. Vor mir tauchte ein Mann auf und ich heftete mich an seine Fersen. In einigem Abstand zu meinem Opfer ging ich durch die Straßen der nächtlichen Stadt. Ich hatte es trotz meines Hungers nicht eilig und machte für mich wie so oft ein Spiel daraus, meinem Opfer erst ein Stück zu folgen und einen kleinen Blick in sein Leben zu werfen – bis ich es dann beendete.


Der Mann führte mich in eine abgelegene Seitenstraße südlich der Seine, wo er ein baufällig aussehendes Haus betrat. Da das Haus nur einen einzigen Ein- und Ausgang hatte, lehnte ich mich auf der gegenüber liegenden Straßenseite unauffällig in den Schatten einer Hauswand und wartete. Ich stand dort im Regen, aber ich ließ mich selten von einem einmal gewählten Opfer abbringen und solche Unterbrechungen meiner Jagd hatten schon manche interessante Überraschung bereitgehalten und die Nacht zu einem Abenteuer gemacht. Erst über eine Stunde später erschien mein Opfer wieder auf der Straße, aber es war jetzt in Begleitung eines anderen Mannes. Ich folgte den beiden weiter, durch Straßen, die anständige Menschen mieden – und nicht nur zu dieser späten Stunde.


Plötzlich klang Schluchzen an mein Ohr. Auch die beiden Männer vor mir mussten es trotz des strömenden Regens gehört haben, denn sie waren stehen geblieben. Die Straße war dunkel und im Regen war selbst für meine Augen kaum etwas zu erkennen, aber das Schluchzen schien vom Eingang zu einem schmalen Hinterhof zu kommen. Meine beiden Opfer bewegten sich zielsicher darauf zu.


Das Schluchzen hörte auf und stattdessen hörte ich jetzt einen erschreckten, angstvollen Aufschrei. »Ja wen haben wir denn da?« konnte ich einen der Männer hören. Sie zerrten eine schmale, barfüßige Gestalt in einem schmutzigen, zerlumpten Hemdchen, das wohl einmal weiß gewesen war, auf die Straße. »Hast du dich verlaufen?« fragten sie die Kleine, aber ihr Tonfall und die Blicke, die sie sich zuwarfen, zeigten alles andere als Besorgnis. »Non! Bitte, lasst mich gehen… bitte!« Eine ängstliche Kinderstimme drang an mein Ohr. »Aber, aber … sollen wir dich nach Hause begleiten?!« Gespannt wartete ich was weiter geschehen würde – beinahe wie die Zuschauerin bei einem Theater. Doch ich würde mich auf keinen Fall einmischen, sondern warten bis meine Opfer weitergingen.


Dann blickte ich die kleine, verängstigte Gestalt an. Eine schmale, zerbrechlich wirkende Gestalt. Lange, blonde Haare, die ihr jetzt vom Regen wirr, dunkel und nass auf dem Kopf klebten. Blaue Augen, so tiefblau wie das Wasser des Meeres. Sie wirkte so klein, so zerbrechlich.


Entschlossen ging ich auf die beiden Männer zu. »Ich glaube, Ihr habt sie gehört!« Meine Stimme blieb freundlich, aber bestimmt. »Die junge Dame möchte alleine nach Hause gehen!« Die Blicke des Mädchens hingen voller Hoffnung an mir, wanderten aber angstvoll zu den Männern zurück, als diese in schallendes Gelächter ausbrachen.



Ich blickte wieder die beiden Männer an. »Sieh zu, dass du von hier verschwindest!« Mein ursprüngliches Opfer baute sich drohend vor mir auf. Er war einen Kopf größer als ich. Ich blieb reglos stehen. Mich konnten sie nicht einschüchtern wie dieses kleine, sterbliche Menschenkind. »Du hättest besser daran getan, dich nicht in unsere Angelegenheiten einzumischen!« Damit fasste er mich mit einer Hand an der Hüfte, mit der anderen an Hinterkopf und drückte mir einen Kuss auf den Mund. Er roch penetrant nach Alkohol und mir wurde beinahe übel.



Du weißt nicht, mit wem du dich anlegst! Eine rasche Bewegung und noch ehe der Mann sich versah, war sein Genick gebrochen. Erst als der schlaffe Körper auf die Straße sank, begriff sein Freund was eigentlich geschehen war. Doch zu spät. Ehe das Entsetzen ihn zu einer Reaktion fähig machte, war ich bei ihm und bohrte gierig meine Zähne in seinen Hals. Warmes Blut floss durch meine Kehle und für einen Moment vergaß ich alles um mich herum - den Regen, die zwielichtige Straße, das Mädchen.


Als auch dieser schlaffe Körper auf die Straße sank, fiel mein Blick auf das noch immer zitternd vor Kälte, Furcht und Schrecken an der Hauswand stehende Kind. Sie mochte nicht älter als zehn Jahre sein.»Du solltest zusehen, dass du bei diesem Wetter nach Hause kommst, meine Kleine. Deine Eltern sorgen sich sicher schon um dich.« Damit wollte ich mich zum Gehen wenden; was ging mich dieses Menschenkind eigentlich an?



Die kurze Ähnlichkeit mit Kassandra, mehr nicht… Aber das Mädchen schüttelte langsam den Kopf. »Auf mich wartet niemand. Mein Vater verließ meine Mutter nach meiner Geburt, und meine Mutter war Dienstmädchen in einer feinen Familie. Als ich acht Jahre alt war, starb sie an der Pest und seither lebe ich in den Straßen von Paris« erzählte sie mir in ernstem Ton, als sei das alles das natürlichste der Welt. Was musste die Kleine auf der Straße schon alles durchgemacht haben? Ihre Augen blickten immer noch vertrauensvoll auf mich und irgendwie rührte und verwunderte mich dieser Blick.


»Fürchtest du dich denn nicht vor mir?« Mit ihren großen blauen Augen sah sie mich überrascht an. »Warum sollte ich mich vor Euch fürchten?« Die offene Unbefangenheit eines Kindes. »Ihr habt mich gerade vor dem Tod oder schlimmerem bewahrt! Ich danke Euch!« Ihre Sprache und Gesten waren so fein und schienen überhaupt nicht zu der zerlumpten Gestalt vor mir zu passen. »Willst du mit mir kommen?« fragte ich das Mädchen, einer spontanen Regung folgend. Vertrauensvoll nickte sie und ergriff wie selbstverständlich meine Hand.



Durch den strömenden Regen gingen wir zurück in die Avenue Victoria, wo ich der Kleinen erst einmal aus ihrer nassen Kleidung half und sie kurzerhand in die Badewanne steckte. Anschließend machte ich mich mit einem Läusekamm an ihrem verfilzten Haar zu schaffen und befreite das Mädchen von den lästigen Tierchen. Dann gab ich ihr etwas Trockenes zum Anziehen – das kleinste, das ich finden konnte, aber auch das war viel zu groß für sie. Mit einigen Nadeln steckte ich das Kleid notdürftig hoch. Ich hätte dem Kind gerne etwas zum Essen angeboten, aber ich hatte natürlich nichts da.


Schließlich setzte ich mich auf das Sofa und das Mädchen neben mich.»Comment est-ce que tu t’appelles? Wie heißt du, meine Kleine? Wie alt bist du?« »Ich werde im nächsten Sommer elf und heiße Christine Fouquet. Und du?« fragte sie vertrauensvoll. Sanft strich ich ihr über das langsam trocknende, glatte Haar und Christine rollte sich zusammen wie eine Katze. »Ich bin Leila… Schlafe jetzt ein wenig, Christine.« Sie legte ihren Kopf in meinen Schoß, ich streichelte gedankenverloren ihr hellblondes Haar und dachte über die Ereignisse dieser Nacht nach. Vieles hatte ich erwartet, aber geschehen war, womit ich nicht einmal im Traum gerechnet hätte.


Ich hatte mir einst geschworen, dass niemals ein Sterblicher meine Wohnung betreten würde - oder sie dann zumindest nicht wieder lebend verlassen - und nun lag dieses Menschenkind in meinen Armen und schlief friedlich und völlig arglos. Es war ein spontaner Einfall ohne großes Nachdenken gewesen, als ich beschloss sie mitzunehmen. Ich musterte ihre feinen Züge. Die Stunden der Nacht verrannen und Träume formten sich in meinem Kopf. Dieses furchtlose Kind konnte die Tochter sein, die ich mir immer gewünscht, aber nie gehabt hatte. Sie war ein sterbliches Mädchen und eine Waise, und wenn sie bei mir blieb, dann konnte ich sie aufwachsen sehen.



Schon jetzt hatte ich mich in dieses halb verhungerte Bündel in meinen viel zu großen Kleidern verliebt. Christine konnte meinem Dasein wieder einen Sinn und eine Aufgabe geben. Sie konnte mir meine Grundsätze der Ehre wieder zurückgeben und mich dazu zwingen meine sinnlose Blutgier, die nur Zeitvertreib gewesen war in den letzten Monaten, wieder aufzugeben. Sie konnte mir helfen, meine Vergangenheit hinter mir zu lassen. Doch ich zweifelte auch. War das wirklich richtig von mir? Immerhin war ich kein Mensch…
Irgendwann in jener kalten, letzten Stunde vor dem Morgen erwachte das Kind wieder. Einen Moment lang sah sie sich furchtsam um und schien nicht gleich zu wissen wo sie war. Die arme Kleine… war ihr der Anblick der schmutzigen Straßen Paris’ schon so vertraut? »Hast du gut geschlafen, meine Kleine?« Sie nickte und lächelte mich an.


Ich starrte aus dem Fenster, wo der Himmel von nächtlichem schwarzblau zum schmutzigen grau eines Regentages wechselte. »Ich muss dich jetzt verlassen, Christine. Jetzt muss ich ein wenig schlafen. …Hier hast du etwas Geld. Kauf dir etwas zu Essen. Und morgen Abend werden wir dir etwas Passendes zum Anziehen kaufen. In Ordnung, meine Kleine?« Sie nickte. »Und schlaf noch ein wenig. Es wird eine lange Nacht werden morgen.« Sie setzte sich auf und ich ging in mein Schlafzimmer und verriegelte die Tür hinter mir.

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