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Vampir Geschichten

Kurzgeschichten über die Nachtwesen

Vorbei


(Mittel: 10253 Zeichen)
 Claire de Lune Online seid 27.08.2007
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Es war kurz nach eins, als ich mich auf den Heimweg machte. Die Party war noch nicht vorbei, doch ich hatte es nicht länger ausgehalten. Es geschah nicht oft, dass ich so früh ging, doch heute war es anders. Heute war er da. Doch nicht mit mir, wie es eigentlich hätte sein sollen.
Als ich das Mädchen an seiner Seite gesehen hatte, war mich augenblicklich schlecht geworden. Ich hatte weggesehen, mich mit Freunden unterhalten. Über belanglose, unwichtige Themen. Nur um nicht an ihn denken zu müssen. Doch es war vergebens. Seine bloße Gegenwart machte mich nervös. Ich spürte jede seiner Bewegungen, hörte jedes seiner Worte. Mehr als einmal ertappte ich mich dabei, wie ich ihn sehnsüchtig anstarrte. Einmal sah er zurück. Er lächelte. Triumphierend. Wie konnte er mir das antun?
Ein Monat. Ein wunderschöner Monat war die Zeit mit ihm gewesen. Er hatte mich auf Händen getragen. Er hatte mir meine Wünsche von den Augen abgelesen. Er hatte mir die schönsten Liebesschwüre gemacht.
Alles Lügen.
Alles falsch.

Auf den Tag genau einen Monat. Solange hatte unsere Beziehung gedauert. Genau solange, wie er gebraucht hatte, mich ins Bett zu bekommen.
Und dann war es vorbei gewesen. Dreimal hatte er mich versetzt. Dreimal hatte er nicht zurück gerufen. Dreimal hatte er mich auf der Straße ignoriert. Einmal hatte ich ihn im Park mit einem großen, blonden Mädchen gesehen.
Kein Brief, kein Wort des Abschieds. Er hatte mich gevögelt und das war’s. Nach dieser Nacht hatte ich kein Wort mehr von ihm gehört.

Das Mädchen heute Abend war nicht die Blonde aus dem Park gewesen. Doch auch sie war schön. Und auch sie war für ihn nur ein Spielzeug. Ich hätte sie warnen sollen, doch dazu war ich zu feige. Stattdessen hatte ich es vermieden, hinüber zu sehen oder ihnen zu nahe zu kommen.
Meine beste Freundin hatte sofort verstanden, als ich ihr sagte, ich würde gehen. Sie verstand mich immer. Sie nickte nur und bot an, mich nach Hause zu bringen. Doch ich wollte nicht auch noch ihr den Abend verderben. Es reichte, dass ich schlecht gestimmt war.

Es war kurz nach eins, als ich das Haus verließ. Erst stand ich einfach so auf der Straße. Unschlüssig, was ich tun sollte. Ich konnte auf direktem Wege nach Hause gehen.
Ich konnte einen Spaziergang machen.
Ich konnte mich vor einen Bus werfen.
Ein Lächeln huschte über mein Gesicht, als mir der Gedanke kam. Würde er wissen, dass es seine Schuld war? Natürlich. Würde er ein schlechtes Gewissen haben? Auf keinen Fall.
Vermutlich würde eher stolz sein. Wie viele Männer konnten schon von sich behaupten, der Grund des Selbstmordes eines Mädchens zu sein?
Ja, das passte zu ihm. Er würde stolz sein, sein triumphierendes Lächeln aufsetzen und vor seinen Freunden damit prahlen.
Doch den Gefallen, ihm einen weiteren Sieg zu geben, würde ich ihm nicht tun. So tief würde ich nicht sinken.
Also wählte ich die ersten zwei Möglichkeiten. Ich würde nach Hause gehen. Zu Fuß. Es gab einen hübschen Weg. Durch den Wald. Bei Nacht war er besonders schön, wenn der fahle Mondschein durch die kahlen Baumkronen fiel und hier und da einen Blick auf den Waldboden ermöglichte. Außerdem war der Wald nachts ruhig. Niemand würde mir begegnen, niemand würde mich sehen. Keine Vögel würden unerträgliche, gute Laune verbreiten.

Es war, wie ich es erwartet hatte. Ich genoss den Spaziergang durch den Forst. Ich war immer noch traurig, doch trotzdem sang ich leise vor mich hin. Es war ein trauriges Lied.
Und mit einem Mal spürte ich, dass ich nicht mehr allein war. Jemand war ganz in meiner Nähe. Ich sah mich verstohlen um, ich konnte jedoch nichts erkennen.
Zu meinem Erstaunen hatte ich keine Angst. Es war Nacht, ich war im Wald, ich war allein. Doch die plötzliche Gegenwart des Fremden beruhigte mich, gab mir ein Gefühl der Sicherheit. Ich blieb stehen. Ich wartete. Würde er sich zeigen?
Mühsam starrte ich in die Dunkelheit und versuchte, eine Bewegung auszumachen. Es dauerte lang, bis ich schließlich direkt vor mir die Umrisse einer Gestalt erkennen konnte. Ich wagte nicht, etwas zu sagen, sah den Fremden nur stumm an. Er kam einen Schritt näher. Gespannt wartete ich ab, was er weiter tun würde.
Er hob die Hände und umfasste sanft meine Schultern. Sein Gesicht näherte sich meinem. Ich hielt die Luft an, als direkt vor mir plötzlich zwei leuchtend gelbe Augen in der Schwärze erschienen.
Ich war unfähig mich zu rühren. Unfähig, klar zu denken.
Vergessen war die Party, vergessen waren die letzten Wochen, die mir so wehgetan hatten. Vergessen war mein Leben. Ich sah nur noch die Augen.

„Möchtest du, dass es vorbei ist?“

Ich brauchte einen Moment um zu verstehen, was er gesagt hatte. Viel zu sehr hatte mich der Klang seiner Stimme verzaubert. Es war ein sanfter, tiefer, angenehmer Klang. Ich wollte mehr hören.

„Ja“, flüsterte ich heiser.

Ich konnte meinen Blick nicht abwenden. Die Augen lächelten. Erneut fragte er:

„Willst du, dass es vorbei ist?“

„Ja!“

Meine Stimme war nun fester und auch lauter.

„Willst du es wirklich? Willst du es für immer? Willst du, dass es vorbei ist?“

„Ja!“

Ich schrie fast. Ich wollte, dass es vorbei war. Ich wollte den Schmerz vergessen, wollte nicht mehr weinen, wollte nichts mehr fühlen, wollte nie wieder dieses triumphierende Lächeln sehen.
Und wie ich wollte, dass es vorbei war.

Es tat kaum weh, als der Fremde mich erlöste. Ein kurzes Stechen, ein lang anhaltendes, unangenehmes Ziehen, dann wurde mir schwarz vor Augen. Ich spürte, wie meine Knie einknickten, ich glitt zu Boden. Der weiche Waldboden fing mich auf. Ich versank in einem Meer aus Dunkelheit und Stille. Ich fühlte nichts mehr.

Als ich erwachte, war der Fremde weg. Es war immer noch dunkel, doch etwas hatte sich verändert. Wo ich vorher nur Umrisse gesehen hatte, konnte ich nun jedes Detail erkennen. Jedes einzelne Blatt, jeden Grashalm, jeden Zweig. Ich hörte das Graben eines Dachses, das Knurren der Füchse, das Nagen der Käfer in den Baumrinden. Ich roch das Harz, das in kleinen Tropfen aus den Nadelbäumen lief, unterschied die Düfte der Pflanzen und Bäume, roch die Kadaver der Kleintiere in den Nestern von Eulen.
Und mit einem Mal verspürte ich Hunger. Es war ein starker, zerrender, tiefer und endloser Hunger. Er machte mich fast rasend. Ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen.
Dann fiel mir die Party ein.
Er fiel mir ein, er und seine Brünette. Doch es tat nicht mehr weh. Ich fühlte nichts, als ich an ihn dachte. Da war nur der Hunger.
Wie in Trance machte ich kehrt und ging den ganzen Weg zurück. Ich war schneller als sonst, ich ging normal, war aber trotzdem schon nach wenigen Minuten am Ziel.
Das Haus hatte sich nicht verändert. Ich hatte mich verändert. Meine Wahrnehmung hatte sich verändert. Ich hörte die Musik, unerträglich laut. Ich roch den Schweiß, den Alkohol, das Erbrochene. Es war unangenehm und der Gedanke, hineinzugehen, widerte mich an. Doch der Hunger war stärker. Unerbittlich nagte er an meinen Eingeweiden, fuhr mir bis ins Mark.
Ich betrat das Haus durch die Kellertür. Langsam ging ich die Treppe hinunter. Der Gestank wurde stärker, die Musik lauter. Ich bekam kaum Luft.
Ich kam zum Partyraum und stieß die Tür auf. Sah mich um. Gehetzt, gierig.
Da war er. Allein. Die Brünette stand mit anderen Mädchen an der Bar.
Er war betrunken. Er hing auf dem Sessel, wie ein nasser Sack, eine Bierflasche in der Hand. Mir fiel auf, wie hässlich, wie kaputt, wie widerlich er war. Was hatte ich nur an ihm gefunden? Wie hatte mir einer wie er so wehtun können?
Ich ging auf ihn zu, bis ich vor ihm stand. Ich sah niemanden, nahm niemanden wahr, außer ihm. Ihn wollte ich. Er war meine Beute, mein Opfer. Ich packte ihn. Meine neuen Kräfte ermöglichten mir, ihn hochzuziehen und mit mir zu schleifen. Er taumelte, ging einfach mit, ohne sich zu wehren. Er erkannte mich nicht. Ich zerrte ihn aus dem Raum, ins Badezimmer. Dort warf ich ihn zu Boden und beugte mich über ihn. Ich roch an ihm. Alkohol, Schweiß, und darunter, ganz zart, der Duft seines roten, warmen, pulsierenden Blutes. Ich folgte seinem Geruch vom Herzen durch den Körper, verfolgte seinen Fluss durch die Lunge, durch die Kehle. Dort war der Geruch am stärksten. Mein Gesicht näherte sich seinem Hals. Er wehrte sich nicht, lag einfach nur da und starrte ins Leere. Blackout. Sein letzter.
Meine Zähne fanden seine Arterie, stießen in seine Kehle, wieder und wieder. Gierig, hungrig sog ich die warme, rote Flüssigkeit heraus. Sie schmeckte salzig, metallisch.
Ich konnte nicht aufhören. Ich spürte, wie er sich bewegte, langsam, träge. Der letzte Reflex, das eigene Überleben zu sichern, verlangsamt von Alkohol und anderen Drogen.
Als ich satt war, ließ ich von ihm ab.
Ich stand auf, ging zum Waschbecken und wischte meine Lippen ab, mit klarem, kaltem Wasser.
Ich drehte mich zu ihm um und musterte ihn. Da lag er, auf den harten, weißen Kacheln, die Augen noch geöffnet, und starrte ins Nichts.
Ich kniete nieder, verschloss seine Augen und küsste seine Stirn. Er hatte mich verletzt. Doch er hatte mir auch einen wunderschönen Monat geschenkt. Er hatte für seinen Egoismus und seine Arroganz bezahlt. Ich hatte ihn von den Qualen seines leeren, sinnlosen Lebens erlöst.
Ich wandte mich um und verließ den Raum. Ich ging durch den Korridor, stieg die Kellertreppe hinauf und trat durch die Tür nach draußen.
Ich ließ ihn zurück. Ich ließ die Party zurück. Ich ließ mein Leben zurück.
Über dem Horizont erschien ein schmaler, hellroter Streifen.
Die Sonne ging auf. Ich lachte befreit.

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