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Vampir Geschichten

Kurzgeschichten über die Nachtwesen

Monolog eines Vampirs


(Mittel: 6101 Zeichen)
 G. Arentzen Online seid 11.01.2006
(1181 mal gelesen)

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Der Abend kommt. So pünktlich wie die Gezeiten, so unaufhaltsam wie der Sonnenaufgang am Morgen darauf. Die Sonne versinkt rot hinter den Bergen. Es ist meine Stunde. Die Stunde des Erwachens. Dort unten, im dunkelsten Eck des großen Schlosses, dort ist meine Heimat. Verborgen hinter den Mauern des Vergessens und eingegraben in die Schatten der Vergangenheit.
1492
Kolumbus entdeckte Amerika.
In Spanien erobert Königin Isabella Granada und vertreibt so die Mauren und Juden aus Spanien.
In Deutschland entsteht der erste Erdglobus.
Und ich treffe Konstanze.
Konstanze. Sie war so schön. So wunderschön. Das Haar – wie ein Goldregen im hellsten Sonnenschein. Ihre Haut, ihr Teint – weiß wie der Schnee. Und ihre Lippen? Ein sanftes Rosa. Niemals zuvor und niemals danach sah ich eine solche Schönheit.
Wir begegneten uns auf einem Ball. Ich glaubte, ich sei ein Auserwählter, weil sie nur mir ihre Aufmerksamkeit schenkte. An diesem Abend dachte ich, ein Engel habe mich berührt. Zu spät wurde mir klar, dass es ein Teufel war.
Wir tanzten. Hinein in die Nacht und hinein in den Morgen. Längst hatte die Turmuhr geschlagen, wurde es Zeit, das Bett aufzusuchen. Welch abwegiger Gedanke in einer Zeit, in der Keuschheit eine Tugend und Wollust eine Todsünde darstellte. Und doch folgte sie mir auf mein Schloss und auch auf mein Gemach.
Es war bereits weit nach zwei, als wir einander liebten. Sie war so anders als alle Frauen, die je mein Bett geteilt hatten.
Ihre Brüste – vom Schnee bedeckte Hügel mit kleinen, braunen Erhebungen. Ihr Körper – so begehrenswert. So verführerisch. Keine Haare auf dem Weg zu ihrer Oase des Glücks, in der ich zu versinken bereit war.
Ihre Hände erforschten erst meinen Körper, dann meine Seele.
Konstanze gab mir eine nie gekannte Nähe. Leidenschaft und Hingabe, Verruchtheit und fast schon kindliche Naivität. All dass schenkte sie mir scheinbar ohne Gegenleistung, nur aus Liebe zu mir.
Wie blind ich doch war.
Der Morgen graute bereits, als sie mich nahm.
Ihre Zähne strichen über meinen Hals, neckten, spielten.
Dann gab sie mir den Kuss.
In diesem Moment begriff ich, welch Biest sie doch war. Aber es war zu spät. Ihre Lippen – festgesaugt an meinen Hals. Ihre Zähne – tief eingedrungen in Haut und Fleisch. Ein unseliges Schmatzen und Saugen in meinen Ohren, während mir die Kraft durch die Adern davon rann, in ihren Mund hinein.
Ihr Glück – mein Tod.
Ihre Freude – meine Angst.
Ihre Gier – meine Gier.
Es dauerte, bis ich aus dem Reich der Toten zurückkehrte. Hinein in eine Existenz, so ganz anders als meine bisherige.
1492
Kolumbus entdeckte Amerika.
In Spanien erobert Königin Isabella Granada und vertreibt so die Mauren und Juden aus Spanien.
In Deutschland entsteht der erste Erdglobus.
Und ich werde zu einem Vampir. Einem Untoter. Dazu verdammt, Nacht für Nacht auf die Jagd zu gehen, um jenen unheiligen Hunger zu stillen, der tief in meiner Seele sitzt. Der mich nicht ruhen lässt, selbst wenn ich der Jagd überdrüssig bin. Der mir die Stärke verleiht, die Menschen zu beherrschen. Der mich diese Stärke mit Schwäche bezahlen lässt, mich zu einem Sklaven meiner selbst macht.
Der Beginn meiner neuen Existenz. So wild. So leidenschaftlich. Die Frauen lagen mir zu Füßen. Ich konnte sie haben. Alle. Ein Blick, eine flüchtige Berührung. Und doch jagte ich in all den Jahren jener einen Frau nach, die ich niemals wiedersehen sollte. Meine Schöpferin Konstanze. Sie verschwand während meines Todesschlafs. Keine Spuren. Niemand, der sie kannte. So jagte ich des Nachts und schlief bei Tag.
Die Zeiten änderten sich. Kaiser und Könige kamen und gingen, Weltreiche entstanden und zerfielen. Alles änderte sich. Die Mode. Die Technik. Nur ich, ich blieb stets der gleiche, überkommene Blutsauger. Gefangen in den Mauern der Nacht, mein Geist zu steif, zu unbeweglich für all die Veränderungen und gekettet an die Sucht nach jenem besonderen Saft. Blut.
Mein Schloss. Es gehört mir, ohne dass es jemand weiß. Des Tags, wenn ich in meinem Versteck liege, sicher vor Sonne und Entdeckung, trampeln Touristen durch die Säle, in denen ich einst Feste feierte. Kinder mit schmuddeligen Fingern, die alles anfassen müssen. Erwachsene ohne Respekt oder Ehrfurcht vor den heiligen Hallen, von meinem Vater mit eigenen Händen erbaut. Einmal, nur ein einziges Mal möchte ich aufstehen, sie alle jene Furcht lehren, die ich in der Lage bin zu verbreiten. Blankes Entsetzen in den Augen meiner Opfer, wenn ich ihnen die Gnade vorenthalte, in meinem Bann ihrem Ende entgegenzusehen. Die Urfurcht vor dem Urbösen. Den Tod – so deutlich vor Augen. So unausweichlich.
Ach könnte ich doch nur einmal bei Sonnenschein die große Freitreppe hinaufschreiten, wie ich es früher so oft getan habe, und das Pack zur Hölle jagen. Aber selbst diese kleine Freude, dieser kleine Triumph bleibt mir verwehrt.
Mein erstes Opfer.
Janina aus Böhmen. Eine Maid, die des Nachts ihren Weg suchte. Unter dem vollen, runden Mond nahm ich ihre Unschuld. Sie lag in meinen Armen, zitternd, fiebernd den Augenblick herbeisehnend, der sie zur Frau machte. Er machte sie auch zu einer Untoten.
Ich töte, was ich liebe.
Liebe?
Keine Liebe.
Keine Gefühle.
Nur Gier und der Drang, zu überleben.
Egal wie.
Bin ich nicht besser als ein Tier?
Ein Wolf, den Mond anheulend.
Ein Löwe, der seine Beute reißt, nur um das nackte Überleben zu sichern.
Wo ist meine Intelligenz, mein Wesen, das mich einst als Menschen auszeichnete? Verloren in den endlosen Jahren, Wochen und Stunden der Unsterblichkeit. Was bleibt, wenn das Menschliche stirbt? Die Bestie. Die Bestie. So lange sie Opfer findet. Bis zum Ende der Ewigkeit.
Verdammt.

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