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Vampir Geschichten

Kurzgeschichten über die Nachtwesen

Viola und Jason


(Lang: 36887 Zeichen)
 Teresa Online seid 17.07.2009
(1742 mal gelesen)

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Eine leichte Brise lies sie erzittern. Etwas war ungewöhnlich an diesem Abend. Irgendetwas, aber was? Viola sah sich um: sie stand im Wald, diesem vertrauten Wald, wo sie schon so oft gewesen war. Beinahe jeden Tag machte sie abends Spaziergänge in diesen Wald. Doch noch nie hatte sie sich so merkwürdig gefühlt. Es war schwer zu beschreiben: Einerseits fühlte es sich so vertraut und sicher an, andererseits… gefährlich. Sie fühlte sich beobachtet, das war es. Schon seit geraumer Zeit. Deshalb war sie heute in den Wald gegangen, um sich zu entspannen. Aber der Spaziergang schien das genaue Gegenteil zu bewirken. Sie fühlte sich ausgeliefert. Ihre Stimmung schlug um. Aus dem Unwohlsein wurde Panik. Sie ging nach Hause. Ihre Füße waren zu langsam. Sie rannte. Rannte den matschigen kleinen Trampelpfad entlang, bog ab, rannte die Straße entlang. Da war es, ihr Haus. Aber sie schien davon wegzurennen, statt darauf zu. Schweiß stand ihr auf der Stirn. Endlich hatte sie das kleine Gartentor erreicht. Ungeschickt verschloss sie es hinter sich. Sie stolperte die Treppe hoch zur Haustür, der Schlüssel schien nicht ins Schloss zu wollen. Sie knallte die Tür hinter sich zu, verriegelte sie und lehnte sich daran. Müde schloss sie ihre Augen. Sie hatte überreagiert. Mal wieder. Es passierte viel zu häufig in letzter Zeit. Reiß dich am Riemen, verdammt. Langsam öffnete sie ihre Augen wieder. Sie registrierte den breiten, mit dunklem Holz ausgebauten Flur. Den kleinen Schrank gleich neben der Tür, mit dem Telefon darauf und ein paar Notizzetteln. Die kleine Wendeltreppe in ihr Schlafzimmer. Und in der Ecke die Badezimmertür, die sperrangelweit offen stand. Sie trottete nach links am Telefonkästchen vorbei in die Küche und holte sich einen Apfel aus dem Obstkorb. Dann ging sie schlafen.



Sie schlief nicht gut in dieser Nacht. Sie träumte immer wieder von diesem Mann, der seit wenigen Wochen in das alte Schloss eingezogen war: Jason Dohring. Das Schloss lag oben an der Spitze des kleinen Berges, inmitten ihres vertrauten Waldes. Manchmal sah sie ihn auch spazieren gehen, aber meist nur sehr früh morgens oder spät abends. Sie hatte ihn bisher nur gegrüßt, kaum mit ihm geredet. Er schien ein stiller Einzelgänger zu sein, aber sehr charmant. Allerdings ließ er sich nur selten außerhalb seines Hauses blicken. In ihren Träumen war sie in ihrem Wald. Sie spürte, dass er sich in der Nähe befand, aber sie sah ihn nicht. Sie suchte ihn, wollte mit ihm reden, ihn kennen lernen, diesen mysteriösen Fremden. Aber er schien sich vor ihr zu verstecken. Er war nie in greifbarer Nähe.



Sie kam sich paranoid vor, doch sie glaubte manchmal, er würde etwas verbergen.



Am nächsten Morgen entschied sie schließlich, ihn zu besuchen.

Es war noch dunkel, als sie den flachen Berg hinaufging. Nach einer langen, steil verlaufenden Straße entdeckte sie hinter einigen Tannen das Schloss. Vorsichtig öffnete sie das knarrende Gartentor und schritt den Kiesweg entlang. Zum Glück wird es gerade etwas hell, dachte sie. Als sie das große Tor erreichte, bekam sie ein wenig Angst. Sie hoffte, er würde ihr den unerwarteten morgendlichen Besuch nicht übel nehmen. Als sie klopfte, ging die Tür einen Spalt auf. Es war nicht verschlossen, die Tür war nur angelehnt!! Sie stutzte. Damit hatte sie nicht gerechnet. Nach einiger Überlegung zog sie die Tür noch weiter auf, gerade so weit, dass sie hindurchschlüpfen konnte. Obwohl sie wusste, dass es falsch war, ging sie langsam den Flur entlang und sah sich dabei gut um. Die Türen innerhalb des Schlosses waren zu, bis auf eine. Das flackernde Licht von Feuer drang in den Flur. Ein Kamin! schoss es ihr durch den Kopf. Sie näherte sich leise der Tür. Aus dem Zimmer kamen Geräusche. Sie lugte hindurch und erschrak: Da stand Jason, schwer verletzt, und kämpfte mit einem Fremden. Sie stieß einen Schrei aus. Der Fremde erschrak und ließ von Jason ab, der zusammenbrach. Der andere starrte Viola an. Dann stieß er sich an der Couch ab und rannte auf sie zu. Sie wollte dem Fremden gerade eine verpassen, so klein auch ihre Chance war, doch dieser wich geschickt aus und verschwand durch den offenen Eingang. Zuerst stand sie wie betäubt da, dann verschloss sie die Haustür, falls dieser Irre wiederkam, und rannte danach sofort zurück in Jasons Wohnzimmer. Jason lag blutend auf dem Boden und schrie Viola an, sie solle verschwinden, bevor er sich nicht mehr beherrschen könne. Beherrschen? Sie hatte keine Ahnung, was er meinte, doch sie starrte ihn ohnehin nur an. Was sie sah erschreckte sie mehr, als der Fremde sie hätte erschrecken können.



War das Jason? Sie wusste es nicht. Sie hätte es nicht für möglich gehalten, doch er kannte ihren Namen und sie fand, er sah Jason ähnlich. Teilweise. Denn Jason hatte kein Paar langer Vampirzähne, Jason hatte keine weißen Augen. Jason Dohring war kein Vampir. Oder doch? Momentan sah es so aus, auch wenn sie sich für diesen Gedanken vor 5 Minuten noch selbst ausgelacht hätte. Sie trat näher an ihn heran. Einen winzigen Augenblick dachte sie, jemand wollte sie auf den Arm nehmen. Aber dieser jemand krümmte sich vor Schmerzen auf dem Boden und brauchte scheinbar all seine Willenskraft um sie nicht anzuspringen und auszusaugen.

Jason hatte sich mittlerweile aufgesetzt, er schien nicht aufstehen zu können. Sie trat wieder ein Stück näher. Plötzlich und völlig unerwartet sprang er auf, so schnell, das sie die Bewegung nicht einmal sah, und sprang aus dem Fenster. Der Abhang, der am Fenster lag, schien ihn nicht zu stören, er zögerte keine Sekunde. Sie starrte ihm nach. Dann brach sie bewusstlos zusammen. Als sie aufwachte, brummte ihr Kopf. Sie lag noch immer auf dem Wohnzimmerteppich. Langsam und vorsichtig stand sie auf. Sie merkte, dass sie sich nicht verletzt hatte, aber Jason war noch immer nicht wieder da. Sie sah sich am ganzen Grundstück um, auch in den anderen Räumen. Nichts. Das Feuer im Kamin war dabei, auszugehen. Sie legte Holz nach und setzte sich in den großen Ohrensessel. Sie würde warten.

Als sie das Schloss nach Jason durchsucht hatte, hatte sie keine Küche gefunden. Besser gesagt, sie hatte etwas gefunden, was wohl mal eine Küche gewesen war. Jetzt allerdings war das Zimmer stark verstaubt, wenn auch die Möbel noch in gutem Zustand waren. Sie grübelte. Noch immer kam es ihr vor wie ein Scherz, schließlich konnte man sich künstliche Vampirzähne und auch farbige Kontaktlinsen überall kaufen. Aber was war mit der Geschwindigkeit, mit der er zuerst aus dem Fenster und dann den Abhang hinunter verschwand? Sicher, er hatte geblutet, aber in verschiedenen Vampirmythen hatte sie auch davon gehört. Und die Küche war mit Sicherheit schon Ewigkeiten nicht mehr benutzt worden.

Schließlich hatte sie 2 Tage und 2 Nächte auf ihn gewartet, aber er war noch immer nicht gekommen. Langsam bekam sie richtig Hunger. Sie wollte zwar nicht, ging aber dennoch nach Hause.

Geschlafen hatte sie im bequemen Ohrensessel genug, deshalb war sie nach einer ordentlichen Malzeit bald wieder fit. So schnell sie konnte, räumte sie auf und machte sich wieder auf den Weg zu Jasons Schloss, diesmal mit ein wenig Proviant.



Als sie ankam hörte sie wieder Geräusche. Sofort schlug ihr Herz schneller. Trotzdem schlich sie sich nur ins Haus, anstatt zu rennen, denn sie hatte Angst, es könnte wieder dieser irre Fremde sein. Die Haustür war einen großen Spalt geöffnet, so dass sie sich hindurchzwängen konnte, ohne die Türangeln zu bewegen und das verräterische Knarren auszulösen. Sie huschte mucksmäuschenstill den Flur entlang und spähte ins Wohnzimmer. Da saß Jason, er sah so majestätisch aus in dem Ohrensessel, dass sie Anfangs nicht bemerkt hatte, dass seine Wunden noch immer nicht geheilt waren. Er hob den Blick nicht vom Feuer. „Sie können ruhig reinkommen, ich werde Ihnen nichts tun.“ Sie erschrak leicht. Dann ging sie langsam in Richtung Kamin und setzte sich vor ihn auf die Couch. Nun löste er den Blick vom Feuer und sah ihr direkt in die Augen. Braune Augen, fast Schwarz. Wunderschön. Fast vergaß sie ihre Konzentration. Sie öffnete den Mund, um ihn etwas zu fragen, doch er kam ihr zuvor. „Ich weiß, was Sie von mir denken. Sie halten mich für ein Monster. Ich sah den Ausdruck in Ihren Augen. Aber das ist egal, Sie müssen mir vertrauen.“ Er beugte sich vor. „Hören Sie gut zu: Sie müssen verschwinden. Gehen Sie, und kommen Sie nicht wieder. Sie sind in Gefahr. Es tut mir leid… kommen Sie, ich begleite Sie zur Tür.“ „Nein! Sie sind für mich nicht gefährlich! Vor 2 Tagen hätten Sie mich töten können, aber sie taten es nicht! Warum wollen Sie, dass ich verschwinde?“, platzte es aus ihr heraus. „Weil ich nur eine begrenzte Selbstbeherrschung habe! Sie müssen jetzt gehen… kommen Sie.“ Schweigend standen die beiden auf und gingen zur Haustür. Sie wollte nicht, alles wehrte sich in ihr. Doch sie wollte ihm vertrauen, deshalb tat sie, was er sagte.



3 Monate waren vergangen und sie konnte noch nicht so richtig in ihr altes Leben zurückfinden. Immer wieder dachte sie an ihn, seinen „Lebensstil“. Es faszinierte sie. Sie war hingerissen von ihm, und es zerfraß sie, dass sie niemandem von ihm erzählte. Oft war sie so in Gedanken, dass sie alles um sich herum vergaß. Sie hoffte noch immer, ihn wieder zu sehen, doch diese Hoffnung schwand.



Als sie dann eines verregneten Mittwochabends aus dem Einkaufszentrum kam, passierte es: mal wieder war sie gedankenverloren und achtete kaum auf ihre Umgebung. Als sie sich für den Heimweg bereitmachte, fiel ihr eine Orange aus der Einkaufstüte auf den Boden. Viola blieb stehen. Es dauerte sogar eine Weile, bis sie sich danach bückte. Sie merkte nicht, dass sie mitten auf der Straße stand. Langsam hob sie die Orange auf. Plötzlich kam ein Auto um die Kurve geschossen, mitten auf sie zu. Sie hatte kaum Zeit zu reagieren, das Einzige, was sie tat, war, weit die Augen aufzureißen. Sie öffnete den Mund, um zu kreischen, doch da kam wie aus dem Nichts eine kalte Hand und schubste sie beiseite. Sie landete mit einigem Abstand seitlich vom Auto. Doch noch vor der unsanften Landung hörte sie das quietschen von sich verbiegendem Metall und sogar verängstigte Schreie. Benommen blickte sie auf und sah, was los war: Zuerst nahm sie die Leute wahr, die alle glotzten, dann Jason.

JASON!! Er hatte sie vor dem Auto gerettet, indem er sie beiseite schubste, aber keine Zeit mehr gehabt, selbst zu flüchten. Das Heck des Autos war zusammengebeult, genau da, wo er gestanden hatte, sah das Auto aus, als wäre es in eine Presse gekommen. Sie wusste, was die Leute gesehen hatten, und warum alle so starrten: Ein Mensch, der scheinbar keiner war, oder eine Art Superman. Nach einem langen Schockmoment stürmten alle auf ihn und das Auto zu, um ihn zu fragen, wie er das gemacht hatte, wer er sei. Der Autofahrer selbst war natürlich der Erste mit der Fragenstellerei. Aber vor allem regte er sich über das geschrottete Auto auf. Er drohte, Jason zu verklagen, koste es was es wolle und es war ihm scheinbar egal, wie Jason das angestellt hatte. Aber Jason achtete gar nicht auf den Trubel. Er starrte Viola an, dann ging er auf sie zu und streckte ihr eine Hand hin. Viola ergriff sie, und ehe sie sich versah, hatte er sie hochgehoben und hielt sie nun in den Armen wie ein Baby. Obwohl er ganz offensichtlich verletzt wurde und Schmerzen hatte, hielt er sie gut fest. Dann fing er an, zu rennen.

Und wie er rannte! Schneller als jeder Mensch, als jeder Zug, er wurde für menschliche Augen unsichtbar! Viola hielt die Luft an. Alles zischte mit tödlicher Geschwindigkeit an ihr vorbei. In diesem Tempo dauerte es gar nicht lange, bis sie beim Schloss ankamen. Er öffnete Gartentor und Haustür, obwohl sie noch immer in seinen Armen lag. Dann legte er sie sanft auf seine Ledercouch.

Sie starrte ihn an, so viele Fragen hatte sie im Kopf, doch sie wollte warten, bis er anfing zu erzählen. Und das tat er schließlich auch.

Er setzte sich zu ihr auf die Couch, bedächtig, sie nicht zu berühren. „Viola, darf ich dich so nennen? Es wird Zeit, dass ich dir einiges erkläre. Es tut mir leid. Ich hätte das nicht tun dürfen, ich weiß. ICH habe dir hinterher spioniert. Ich glaube, du hast es gemerkt, nicht? Du nimmst deine Umgebung sehr genau wahr, du bist sehr klug. Die wenigsten Leute nehmen sich Zeit, ihre Umgebung praktisch zu sondieren, was du jedoch automatisch tust, mit deinen Sinnen. Du hast von Kindesbeinen an gelernt, damit umzugehen und darauf zu hören. Das hat dir dein Vater beigebracht, und er lernte es… von mir.“ „Sie kannten meinen Vater??“ „Du kannst mich Jason nennen. Ja, ich kannte ihn. Genau wie dich habe ich ihn einmal gerettet. Allerdings bekam kein Mensch etwas von der Rettung mit, anders als heute. Nun ja, damals freundeten wir uns an, weil er nicht aufgab, mit mir Kontakt aufzubauen. Wie du dir vorstellen kannst, war ich über menschliche Kontakte nicht sonderlich erfreut. Das sind wir nie, denn Menschen neigen dazu, Geheimnisse auszuplaudern. Aber dein Vater sagte damals, ich dürfe ihn töten, würde auch nur ein Wort über seine Lippen kommen. Tatsächlich behielt er es für sich. Nie hat er es jemandem erzählt, nicht einmal deiner Mutter. Er dachte, sie wäre nicht stark genug für solche „Neuigkeiten“. Weißt du, eigentlich stammst du aus einer zu damaligen Verhältnissen reichen Familie. Leider wusste das jeder in der Umgebung, vor allem deshalb, weil deine Mutter und dein Vater ein eigenes Haus besaßen. Jedenfalls hörte auch eine Bande Diebe davon, und deshalb griffen sie euer Haus eines Nachts an. Du warst 4 Jahre alt. Ich war damals nicht nah genug, um deine Eltern zu beschützen. Sie wurden bei dem Angriff getötet. Merkwürdigerweise ließen sie dich am Leben, doch das Haus brannte. Als ich zurückkam, war es schon zu spät, um das Haus oder das Leben deiner Eltern zu retten. Als ich die Rauchschwaden bemerkte, rannte ich sofort zu euch. Deine Mutter… sie hatten sie erstochen. Dein Vater hatte versucht, sie zu beschützen und erschoss drei von ihnen. Aber er kam zu spät. Als er um sie trauerte, kam ein vierter und tötete auch ihn beinahe. Aber dein Vater war schon immer stark, er kämpfte, obwohl er schwer verletzt war. Doch er war durch seine Verletzungen unterlegen und außerdem zehrte der Rauch des Feuers an ihm. Ich kam gerade noch rechtzeitig um ihn zu retten, aber er war zu schwer verletzt. Ich wollte ihn in ein Krankenhaus bringen, doch er sagte nur: „Nein, keine Zeit. Hör zu, Jason: kümmere dich um Viola!“ Er spuckte Blut. „Du musst sie von hier wegbringen. Das Feuer! Rette Viola, Jason! Und wache über sie, mein Freund. Ich flehe dich an, wache über sie.“ Dann starb er.“

Viola konnte die letzten Worte kaum mehr verstehen, eine solche Flut von Gefühlen – und auch von Fragen - stürzte auf sie ein. „W-wie alt bist du denn schon?“ Er fing an zu lächeln. Und sein Lächeln allein war so schön, dass es sie für einige Augenblicke betäubte. „Als ich deinen Vater damals kennen lernte, stellte auch er diese Frage als Erstes. Du hast viel mit ihm Gemein. Ich bin noch nicht sehr alt dafür, dass ich ein Vampir bin.“ Sie zuckte zusammen, er hielt kurz inne. Noch immer war er sich nicht sicher, ob er es ihr erzählen sollte. Dann fällte er einen Entschluss.

„Ich bin – genau genommen – erst 21, denn ab der Verwandlung hört der Körper auf zu altern. Aber ich lebe schon 128 Jahre.“ Er ließ ihr Zeit, er sprach nicht weiter. Er wartete auf eine Reaktion. Aber Viola starrte ihn nur an. Sie spürte, wie sich ein Gefühlsausbruch näherte. „Sie… sie… sie haben meinen Vater gerettet, und mich, als ich noch ganz klein war! Und heute noch mal…“ Und dann fiel sie ihm um den Hals und fing an, hemmungslos zu weinen. In dieser Nacht erzählte er ihr alles, über sich, die Freundschaft zu ihrem Vater, aber vor allem über ihre Eltern erzählte er sehr lange, und sie hörte genau zu. Erst am frühen Morgen fielen ihr langsam die Augen zu. Sie lehnte sich gerade rechtzeitig an ihn, als sie vom Schlaf übermannt wurde. Er sah sie liebevoll an. Dann legte er seinen Arm um sie und trug sie in sein Bett. Er selbst setzte sich wieder in den Sessel und starrte auf die aufziehende Morgensonne, bevor sie ihm zu grell und heiß wurde und er überall im Haus die Jalousien schloss.



Viola schlief den ganzen Tag durch, und auch einen Teil der Nacht. Sie war so froh, endlich bescheid zu wissen. Über einige Dinge, die Jason ihr erzählt hatte, wunderte sie sich sehr. Zum Beispiel konnten Vampire leicht verletzt werden, und um die Wunden zu heilen, brauchten sie Blut. Je mehr sie tranken, desto schneller heilte alles wieder. So unsterblich sind sie dann also doch nicht, dachte Viola. Aber wurden sie nicht getötet und tranken etwa wöchentlich, konnten sie ewig leben. Außerdem, und das überraschte sie am meisten, funktionierte es auch mit Tierblut. Jason war jedoch der Ansicht, dass man sich diesen „Stil“ für Notfälle aufheben sollte. Er hatte erzählt, er wolle niemanden töten, aber Tierblut war ihm zu unangenehm. Er tötete seine Opfer nie, er saugte nur ein wenig. Zum Glück bekamen seine Opfer nichts mit, er schlich sich immer nachts in fremde Häuser, wo die Menschen schliefen. Er hatte ihr erzählt, er könne ihren Herzschlag hören und wusste dadurch, ob sie noch wach waren. Und da er sich angewöhnt hatte, mit einem Zahn zu beißen, statt mit beiden, hielten seine Opfer den Biss für einen Mückenstich oder ähnliches. Sie war erstaunt gewesen, wie viele Umstände er sich machte, um niemanden zu töten, obwohl er vermutlich kaum ein zehntel seiner Kraft dafür bräuchte, so stark wie er war. Außerdem hatte sie viel über ihre Eltern erfahren, wie sie sich kennen gelernt hatten, wie ihre Mutter einmal fast ertrunken wäre und Jason sie gerettet hatte, da er nicht atmen müsste. Wie Viola geboren wurde. All das hatte Jason ihr erzählt, und noch viel mehr, was ihre Eltern ihr nicht mehr hatten erzählen können. Und während er ihr das alles erzählt hatte, glaubte sie sich in ihn verliebt zu haben.



Es war dunkel, als sie aufwachte. Sie erschrak. Wo war sie? Und wo war Jason? Schlagartig setzte sie sich auf und merkte, dass sie in einem weichen Bett lag. Auch hatte sie keine Schuhe mehr an, aber noch Jeans und T-Shirt. „Ganz ruhig. Dein Herzschlag hat sich ja fast verdoppelt. Du liegst in meinem Bett. Soll ich Licht anmachen?“ Das war sie, wohl die schönste aller Stimmen: Jasons. „Ja, bitte. Ich seh ja gar nichts.“ Das Licht ging an. Es war nur eine kleine, nicht gerade helle Nachttischlampe, aber sie genügte. „DU hast ein Bett? Ich dachte, du schläfst nicht?“ „Nun ja, Requisite. Wie meine Küche. Du hast sie schon gesehen, nicht? Ich habe es gerochen.“ Jetzt setzte sie sich langsam auf und sah sich im Zimmer um. Jason hatte vor ihr auf dem Boden gekniet, um auf ihrer Augenhöhe zu sein, jetzt stellte er sich hin. „Ja, deine Küche ist ganz schön verstaubt. Wann putzt du eigentlich mal?“ Er lächelte. Wieder dieses umwerfende Lächeln. „Aber das hier ist ein Doppelbett, und du bist doch alleine. Wie kommt das?“ „Ich hatte früher einmal eine Gefährtin, aber wir trennten uns, als sich meine Freundschaft zu deinem Vater festigte. Sie hielt es für unklug, „jedem dahergelaufenen Sterblichen“ unser Geheimnis anzuvertrauen. Und da ich die Freundschaft zu deinem Vater nicht mehr aufgeben wollte, verließ sie mich.“ Erst jetzt verstand sie den zweiten Grund für die Anwesenheit eines Bettes und errötete. Sein Lächeln wurde breiter. Dann setzte er sich auf die freie Seite des Bettes und legte seinen Arm um sie. Seine kalte Haut auf ihren Schultern zu spüren fühlte sich gut an. Vertraut und sicher.

„Jason, ich… ich muss dir etwas sagen. Das ist sehr schwierig für mich, ich weiß ja nicht, wie du das aufnehmen wirst… aber du musst es wissen.“ Er hörte, wie sich ihr Herzschlag verschnellerte. Er war jetzt fast noch schneller als vorhin, wo sie nicht wusste, was los gewesen war. Sie setzte noch einmal an. „Jason… ich… ich glaube, ich hab mich in dich verliebt.“ Vorsichtig sah sie ihn an. Der Blick glich einem kleinen Kind, das glaubte, etwas sehr Schlimmes getan zu haben. Jasons Gesichtsausdruck ließ nichts erkennen. „Viola…“ „Ja ja, ich weiß, was du sagen willst: du bist ein Vampir und ich ein Mensch und es könnte nie…“ Er ließ sie nicht ausreden, sein Mund lag schon auf ihrem. Heiß und innig küssten sie sich. Sie war überglücklich und vergaß nicht, dass sie noch immer auf dem Bett saßen. Als sich ihre Lippen lösten, erklärte er: „Viola, ich liebe dich. Ich liebe dich von ganzem Herzen, auch wenn es nicht mehr schlägt. Das ist der einzige Grund, warum ich dir nachspioniert habe. Dein Vater sagte zwar, ich solle auf dich aufpassen, meinte damit aber dich vor körperlichen Schmerzen zu bewahren, nicht dir hinterher-zuschnüffeln.“ Er grinste. Dann küssten sie sich noch einmal, und dieser Kuss dauerte diesmal einige Minuten. Es störte sie kein bisschen, dass sich seine Lippen so kühl anfühlten. Mit der Intensität, mit der sie sie küssten, fühlten sie sich heiß an. Für ihn fühlte sich ihre Haut immer heiß an, aber der Kuss verstärkte das umwerfende Wärmegefühl noch.

Als sie diesmal die Lippen voneinander lösten, sah er sie eindringlich an. „Viola, wir haben ein Problem. Als ich dich rettete, sahen mich so viele Menschen, und eben diese Menschen sind jetzt gerade auf dem Weg hierher! Ich höre sie!“ Ihr stockte der Atem. „Was?? Was wollen die von dir? Sollen wir flüchten?“ „Nein, sie sind schon zu nah. Sie sind schon am Schloss, und dieses hat nur diesen einen Ausgang.“ „Und die Fenster?“ „Nein, ich glaube, ich sollte mich ihnen stellen. Ich muss Vampirgerüchte aus der Welt schaffen.“ „Bist du verrückt? Sie könnten dich töten! Außerdem wird es bald hell, und ich darf dich nicht verlieren! Ich liebe dich!“ „Ich weiß, meine Liebe. Ich liebe dich doch auch. Aber wenn die Menschen Vampirgerüchte in die Welt setzen, werden wir auffallen. Das darf nicht sein! Sie werden uns ausrotten! Ich muss etwas dagegen tun, bitte.“ „Wenn du es sagst. Aber ich begleite dich.“ Sie hielt seinen rechten Arm mit beiden Händen fest und so eingeklammert gingen sie den Flur entlang, gerade als jemand klopfte. „Aufmachen, sofort, du Blutsauger! Oder sollen wir dein ganzen Schloss abfackeln und dich dazu?“ Viola schluckte. Sie gingen die letzten Schritte zur Tür. Jason öffnete sie, das Knarren begrüßte die Eindringlinge. Da hatte sich doch tatsächlich ein Mob zusammengestellt, dachte Jason, jetzt mit Taschenlampen statt mit Fackeln. Die Waffen waren natürlich auch moderner geworden. Viola erschrak: die meisten Leute hatten einfache „Waffen“ wie Baseballschläger dabei, aber es gab auch einige mit Handfeuerwaffen. Insgesamt hatten sich etwa dreißig Personen im Vorgarten versammelt. Als Jason die Tür öffnete, stießen einige erstickte Schreie aus. Vermutlich erwarten sie ein Monster mit Klauen und weißen Augen, dachte Jason und erinnerte sich an Violas Gesichtsausdruck, als sie ihn das erste Mal so anders sah. „Was ist los, was wollt ihr alle auf meinem Grundstück? Habe ich Einladungen verteilt?“ „Wie ich sehe hast du schon ein Opfer gefunden! Lass das Mädchen gehen, sofort, oder wir erschießen dich, du Monster!“ Schützend stellte sich Viola vor ihren Geliebten. „Nein! Lasst ihn zufrieden! Er hat euch nichts getan und mir hat er das Leben gerettet!“ „Was? Bist du völlig verrückt? Du beschützt einen Dämon, der wohl schon tausende Menschen getötet hat!“ Jason erkannte den Führer des Mobs: es war der Mann, dessen Auto er demoliert hatte. Dieser Mann vergisst, dass ER MICH dabei auch fast getötet hätte, dachte er. „Jason hat noch niemanden getötet! Er ist kein Dämon!“ „Ich verschwende meine Zeit nicht mit Diskussionen! Töten wir sie beide!“ Er zog seine Waffe und zielte auf Jasons Kopf. Viola wurde übel. Da sie kleiner war als Jason, konnte sie einen Kopfschuss nicht verhindern. Jason reagierte blitzschnell: Als der Führer des Mobs seine kleinkalibrige Waffe zog, hob Jason Viola hoch, drehte sich um 180 Grad und setzte sie wieder ab, um sich dann wieder dem Lauf der Waffe zuzudrehen, das alles mit einer solchen Geschwindigkeit, dass einige der Leute wieder aufschrien. „Lasst sie in Ruhe. Sie kann nichts dafür, dass dein Auto zerstört ist. Übe Rache, wenn du willst, aber nicht an ihr!“ „Was? Meinst du das ernst? Du bist wohl völlig verrückt!“ „Ich meine es todernst! Komm, lass uns kämpfen. Deine Hände gegen meine. Wenn du verlierst, lässt du uns mitsamt deinem Mob hier in Ruhe. Verliere ich, verlasse ich die Stadt. Und?“ Viola lugte an seinen Schultern vorbei, blieb aber still. Ihr gefiel der Verlauf des Gespräches überhaupt nicht. „Überleg dir das gut, Blutsauger! MEINE Rache ist das wohl Schlimmste, was du dir vorstellen kannst! Danach wirst du niemanden mehr töten können!“ Viola schrie auf: „Nein, Jason, tu das nicht!“ „Ruhig, Viola, ich weiß, was ich tue. Bitte.“ Viola brach zusammen. Sie saß am Boden und weinte herzzerreißend, während Jason und der andere Kampfhaltung annahmen. Mittlerweile war die Sonne aufgegangen. Es war Freitag.



„Wenn du dich rächen willst, solltest du dich ein wenig beeilen, bevor die Sonne deinen Job erledigt!“, fauchte Jason. Mike, so hieß der nach Rache dürstende, hielt Jason am Arm fest und zerrte ihn in die Sonne, weg aus dem Schatten der Tannen. „Na, mal sehen. Wie fühlt sich das denn an, Blutsauger?“ Gleich ging es Jason schlechter. Die Sonne prallte nun direkt auf seinen Kopf und es war zwar erst die kühle Morgensonne, aber Jason merkte, wie sie ihm die Kräfte raubte. Tagsüber konnte er sich nicht wehren, das wusste er. Er war zu schwach, zumindest heute, da die Sonne schien. Es war keine einzige Wolke am Himmel gewesen. Dann müsste er eben im Schatten kämpfen. Eigentlich wollte er Viola nicht allein lassen, denn sie wusste nichts davon, dass er, sobald die Sonne verschwunden war, sofort gewinnen konnte. Sie sorgte sich. Und er sorgte sich auch, aber mehr um Violas Wohlergehen statt um sein Leben. Gewiss, schleiften sie ihn in die Sonne, würde er bald sterben. Aber dieser Mike wollte ja seine Rache. Verbrennung würde zu schnell gehen. Er hatte noch nie einen Menschen getötet, aber das würde sich heute vielleicht ändern. Und sei es auch nur damit keine Gerüchte entstanden. Normalerweise mochte er den Gedanken nicht, ein lebendes Wesen zu zerstören. Aber heute musste er es wohl tun, denn wenn ER Mike nicht tötete, würde MIKE höchstwahrscheinlich ihn töten. Jason kannte die menschliche Natur inzwischen gut genug, um Mike einzuschätzen. Der würde sich nicht so schnell geschlagen geben. Aber mir soll das nur recht sein…

Sobald die ersten Sonnenstrahlen seinen Kopf berührt hatten, fing Jason an, bedrohlich, wenn auch leise zu fauchen wie ein wildes Tier. Er riss sich mit gewaltiger Kraft von Mikes Griff los und trat so schnell, das die Bewegung unsichtbar wurde, rückwärts einige Schritte in den Schatten, um dort wieder seine Kampfhaltung einzunehmen: die Knie gebeugt, hob er die Arme vor dem Körper wie ein Boxer, mit leicht geöffneten Handflächen fixierte sein Gegenüber. Seine Hände sahen in diesem Moment tatsächlich aus wie Krallen. Mikes Haltung war locker, er starrte Jason nur herausfordernd an. Dann trat er ein paar Schritte in den Schatten. „Anscheinend nicht so gut, was? Meinetwegen, dann eben im Schatten. Zu leicht will ich es ja auch nicht haben.“ Über Jasons Gesichtsausdruck glitt ein verächtliches Lächeln. Er stand mit dem Rücken zu Viola, die mittlerweile gebannt zusah, genau wie der Mob, der einen Halbkreis gebildet hatte.

Der erste, der angriff, war natürlich Mike. Plötzlich zog er einen Dolch. Jasons Augen waren schnell, er wusste sofort was auf ihn zukam und wich geschickt aus. Viola stieß einen Schrei aus. „Hey, hey, ich sagte „Hände gegen Hände“, Mike! Nun ja, meinetwegen…“ Mike stieß noch einmal zu, diesmal zielte er statt auf den Körper auf den Kopf. Jason bog sich jedoch weit nach hinten, sodass Mike ihn mit dem Messer nicht erreichen konnte. Dieser ging einen Schritt vor und stieß das Messer Richtung Hals, als Jason versuchte, sein Gleichgewicht wiederzugewinnen. Jason schnappte sich Mikes Hand, zog ihn zu sich und wich ihm dann aus. Mike knallte auf den Boden, Jason hatte sein Gleichgewicht wider. Nachdem Mike ungefähr 20 weitere Male zugestochen hatte, immer in einer anderen Choreografie, wurde er müde. Müde und wütend, denn er hatte kein einziges Mal getroffen. Er stützte sich auf den Knien ab, um zu Atem zu kommen. „Ich habe es dir nicht gesagt, weil ich dachte, du wüsstest es: Ich kann mich, wenn ich will, seehr schnell bewegen. Deshalb war es eigentlich unklug von dir, diese Wette anzunehmen.“ „Pah! So gut bist du nicht!“ „Gibst du dich geschlagen?“, fragte Jason, obwohl er die Antwort schon kannte. „Niemals!“ keifte Mike. „Na gut, wie du willst…“ Während Jason antwortete, zog Mike wieder seine Pistole. Jason kam ihm zuvor, bevor Mike schießen konnte. Er hielt seine Hand so fest, dass Mike aufschrie und die Waffe fallen ließ. Plötzlich verlor einer der Männer die Beherrschung und schoss Jason in die Brust.



Sofort ließen die Kontrahenten voneinander ab, Jason fiel schlaff auf den Boden, Mike rieb sich das Handgelenk. Viola fing an zu kreischen und stürzte zu Jason. „Ihr Schweine!!“ schrie Sie. Sie kniete am Boden und wiegte weinend Jasons leblosen Oberkörper. „Du Idiot, ich wollte das Monster abmurksen, ICH!!!“ herrschte Mike den anderen an. „Mann, ich wollte Ihnen doch bloß helfen!“, verteidigte sich dieser. „VERSCHWINDET, ALLE!!“, brüllte Viola die Männer an. „Ihr habt ja euren Job erledigt und jetzt VERSCHWINDET!!!“ Sie starrten sie an. Mike meinte: „Oh Mann, lassen wir die Verrückte in Ruhe, bevor sie uns noch ansteckt!“ Und damit verließen die Dorfbewohner alle das Grundstück und gingen wieder ihren jeweiligen anderen Beschäftigungen nach während Viola allein zurückblieb.

„Jason, oh mein Gott, Jason, verlass mich nicht, bitte verlass mich nicht! Jason!“, flehte Viola. Aus Jasons Wunde und auch aus seinem Mund floss Blut. Ihre Hände und ihr Schoß waren damit voll, sobald sie ihn an sich drückte, aber das störte sie nicht. Nichts interessierte sie mehr als Jason. Sie saß so lange dort im schattigen Gras. Ab und zu sang sie ihm vor, dann bekam sie wieder Nervenzusammenbrüche. Langsam wurde es dunkel. Noch immer ließ sie nicht von ihm ab. „Jason, nein, mein Jason, das darf nicht sein, mein Jason“, sagte sie immer und immer wieder. Als die Sonne untergegangen war, saß sie noch immer dort und hielt ihren Jason fest. Sie wollte es einfach nicht glauben. Es war unmöglich, er war schließlich unsterblich!

Sie wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, als sie dann aufstand und Jasons Körper ins Schloss trug. Vorsichtig legte sie ihn auf den verstaubten Küchentisch und sah ihn an. Plötzlich bewegten sich seine Lippen. Viola erschrak, dann beugte sie sich über ihn. Tatsächlich, er sprach!! „Blut… Viola! Brauche… Blut…“ Er hatte sich nicht bewegt, doch er lebte! Viola überlegte kurz, dann zog sie den Ärmel hoch und schnappte sich ein Messer aus der Schublade. Sie schnitt sich in den Unterarm, legte das Messer weg und hielt die Blut triefende Wunde über Jasons Mund. Als die ersten Tropfen seine Kehle hinunterliefen, kam Leben in den Vampir. Er öffnete benommen die Augen. Sie sah wieder diese merkwürdige Augenfarbe, die schon beim ersten Mal Gänsehaut verursacht hatte: die Regenbogenhaut war beunruhigend weiß. Nach weiteren Tropfen hob er schließlich die Arme und zog Violas Arm zu seinem Mund. Dann trank er. Mit jedem Schluck wurde er stärker und kräftiger. Seine Wangen färbten sich in ein gesundes Rot und seine Wunde begann sich zu schließen, sein Körper „spuckte“ die Kugel, die ihn scheinbar getötet hatte, einfach aus.

Viola sah geschockt zu, wie Jason immer mehr trank. Es fühlte sich schrecklich an. So etwas ließ sich mit nichts vergleichen. Langsam wurde ihr schwindlig. Nach weiteren Schlucken sackte sie schließlich ganz weg, Jason ließ gerade noch rechtzeitig von ihr ab, um sie aufzufangen. Aus ihrem Arm floss noch immer Blut, auch aus seinen Mundwinkel hatten sich einige Tropfen gestohlen und liefen ihm nun über das Kinn. In rasender Geschwindigkeit stand er vom Tisch auf und legte nun Viola dorthin. Dann verschwand er kurz aus dem Zimmer, um Verband und Salbe zu holen. Er säuberte die Wunde, verteilte Salbe darüber und wickelte zu guter Letzt den Verband darum. Dann – diesmal zog er die Bewusstlose um – legte er Viola in einem Nachthemd in sein Bett. Die ganze Nacht wich er nicht von ihrer Seite, auch den folgenden Samstag nicht. Sie schlief fast 24 Stunden durch, und währenddessen hatte Jason viel Zeit gehabt, zu überlegen.

Alles, was er in den letzten 15 Jahren tat, tat er nur für Viola. Er beschützte sie, anfangs zog er sie sogar groß, doch er wusste, ein Vampir und ein kleines Kind passten nicht zusammen. Also gab er sie den Großeltern, bis sie vor einem Jahr dort auszog. Ständig war er in ihrer Nähe, um sie im Notfall zu beschützen. Er trank so selten wie möglich, um sie nicht allein zu lassen, und mit der Zeit wuchs auch seine Liebe zu ihr. Anfangs liebte er sie natürlich wie ein Vater seine Tochter und hatte auch nicht vor, dass mehr daraus wurde. Doch eines Tages wurde es mehr. Er konnte es sich nicht erklären, wie es passiert war. Seine Gefährtin hätte ihn dafür ausgelacht, überlegte er. Ein Mensch, noch dazu klein und jung. Aber sie hatte umwerfend geschmeckt, besser, als jeder andere Mensch, den er je gekostet hatte! Und sie lag in seinem Bett und schlief, weil sie sich von seinem Biss erholen musste! Wut und Zweifel quälten ihn. DAS war das mit Sicherheit Letzte gewesen, was er jemals hatte tun wollen: jemanden, den er liebte, zu verletzen. Aber genau das hatte er getan. Er hatte sie gebissen, gebissen, gebissen, verdammt! Er wusste nicht, wie er das jemals wieder gut machen sollte. Er hätte 15 Jahre fast hingeschmissen.

Das erste, woran er merkte, dass sie aufwachte, war ihr Herzschlag. Er hatte sich einen Tick verschnellert, genauer gesagt zwei hundertstel Sekunden pro Minute. Dann gähnte sie kurz. Er schaltete wie am Abend zuvor die kleine, düstere Nachttischlampe ein, während sie sich aufsetzte. „Du hast mich umgezogen“, bemerkte sie. „Ja, das habe ich. Stört es dich?“ „Nein, nein. Schönes Nachthemd!“ „Danke. Es gehörte meiner Gefährtin.“ Er wagte nicht, sie anzusehen, er kniete wieder am Bettrand und starrte auf den Bettbezug. Sie grinste ihn an. Dann wurde ihr Blick unsicher. „Was… was ist los, Jason?“ „Ich habe dich verletzt. Das… das wollte ich nicht. Nie. Es tut mir so leid! Wie kann ich das nur jemals wieder gut machen? Verletzt…“ Er hob nicht eine Sekunde den Blick. Ihr Blick wurde liebevoll. Sie hob sein Kinn mit ihren Fingerspitzen an, damit er ihr ins Gesicht sah, dann sagte sie: „Jason, jetzt hör doch mal zu. Hätte ich es nicht gewollt, hätte ich es sicher nicht getan. Und außerdem… wärst… wärst du sonst wohl wirklich gestorben. Irgendwann, wenn du weiter in diesem komischen Zustand geblieben wärst, sicher, oder? Es, ja, es war ein wirklich seltsames Gefühl, aber es hat dir dein Leben gerettet. Es hat dich zu mir zurückgebracht. Ich liebe dich, Jason. Ohne dich, wie sollte ich da leben wollen?“ Zum ersten Mal an diesem Abend sah er sie direkt an. Dann lächelte er unsicher. Als sie zurückgrinste, wurde sein Lächeln breiter und ließ ihr wieder ein Mal den Atem stocken. Dann stand er auf und küsste sie, leidenschaftlicher und intensiver als je zuvor.

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