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Vampir Geschichten

Kurzgeschichten über die Nachtwesen

Der Rat des Blutes


(Mittel: 7051 Zeichen)
 Michael Schindler Online seid 22.03.2006
(1367 mal gelesen)

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Der große Rat der Vampire hat gesprochen. Ein endgültiges Urteil ist gefallen.
Heute war ich an der Rechtssprechung nicht beteiligt. Ich saß auf der Anklagebank. Sie werfen mir ein schweres Verbrechen vor. Die Existenz von Vampiren, besonders die des Vampirrates, darf keinem Menschen bekannt sein.
Der Rat ist die älteste Vampirinstanz. Seine Urteile sind bei allen Untoten gefürchtet. Seine Gesetze betreffen alle. Auch, wenn sie es nicht wollen. Ich bin das letzte Mitglied, das seit der Gründung dabei war. Alle anderen Gründer sind auf seltsame Weise gestorben. Mord im Machtstreben ist unter Vampiren genauso vertreten, wie unter Menschen.
Ich war zu unvorsichtig gewesen. Ich gab mich der Öffentlichkeit preis.
Der Rat kennt keine Gnade, auch nicht für jemanden, wie mich, der ihm schon hunderte Jahre treu diente.
Aber ich bereue nichts und das sollen sie wissen.
Einst war ich wie die anderen Ratsmitglieder. Kalt und unbarmherzig. Aber ich wurde verändert.

Es war eine stürmische Nacht vor 7 Jahren, als ich sie zum ersten Mal sah. Es fiel so starker Regen vom Himmel, dass kein Mensch sich nach draußen getraut hätte. Ich saß mit meinem Schirm auf einer Bank im Stadtpark. Die Straßenlaterne neben mir war defekt und flackerte irritierend. Der nächtliche Schauer gab mir das Gefühl lebendig zu sein. Vor allem kurz nach dem Trinken.
Plötzlich lief sie an mir vorbei. Durchnässt und erschöpft hielt das Mädchen ihre Hände schützend vors Gesicht und versuchte gegen den Sturm anzukommen. Sie war etwa 18 Jahre alt. Genau habe ich das nie erfahren, ebenso wenig, wie ihren Namen. Ein flüchtiger Blick auf sie zeigte mir eine Schönheit, wie ich sie nur selten zuvor gesehen hatte. Von ihr angezogen bin ich ihr hinterher gelaufen und bot ihr eine Begleitung nach hause an. Ein warmes Lächeln breitete sich über ihre Lippen aus.
„Vielen vielen Dank. Durch diesen Sturm schaffe ich es bestimmt nicht allein.“
Dieses freundliche Lächeln verzauberte mich. Jahrhunderte hatte ich keinen Kontakt zu Anderen. Das einzige, was ich kannte war die Kälte des Rates und die Grausamkeit seiner Urteile. Der Hammer fiel und Blut floss. Wenn es sein musste in Strömen.
Ich fragte mich, warum ich so lange den Kontakt vermieden hatte. Dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Die Ratsgesetze erlaubten nur zum Trinken an die Öffentlichkeit zu gehen.
Es dauerte nur eine Viertelstunde, bis wir ihr Haus erreichten. Sie hatte sich dicht an mich gedrängt, so dass wir beide Platz unter meinem Schirm fanden. Ununterbrochen redete das Mädchen mit mir. Sie fragte auch dreimal, ob sie zuviel plauderte, manchmal fiele ihr das nicht auf und sie würde ewig weiterplappern.
Es machte mir nichts aus. Ich fühlte mich geborgen.
Bei ihr zu Hause angekommen fragte sie mich, ob ich noch mit ihr einen Tee trinken wollte. Leider musste ich ablehnen, ich habe noch nie Tee getrunken.
Doch noch die ganze Nacht hatte ich dieses seltsame Gefühl im Bauch. Konnte das Glück sein? Ich wusste es nicht.
Ab diesem Zeitpunkt fing mein eigentliches Leben an. Jede Nacht machte das Mädchen einen Spaziergang und ich folgte ihr unentdeckt. Ihr Anblick ließ mich all die Schrecken der Ratsversammlungen vergessen. Leider war es unmöglich auszutreten. Austritt bedeutete Verrat und Verrat bedeutete Tod. So wäre der Hammer erneut gefallen.
Ich hatte durch das Mädchen etwas erkannt. Es füllte mein Leben nicht aus, ständig mit den Anderen in einem Saal zu sitzen und mit eiserner Hand über das Schicksal von Missetätern zu richten und jede Nacht mir im Stillen ein Opfer für meinen Durst zu suchen. Man konnte es nicht übersehen, auch an meinen Händen klebte Blut.
Es ging so noch sieben Jahre lang. Ich war bei ihr jede Nacht. Vor drei Tagen jedoch passierte das Unglück. Das Mädchen lief, wie immer durch den Park. Ich war ihr auf den Fersen.
Plötzlich sprang ein Unbekannter aus den Büschen auf sie zu. Er versuchte sie zu überwältigen und das schien ihm zu gelingen. Das Mädchen schrie um Hilfe. Es waren auch einige Menschen in der Nähe. Das Geschehen war höchstens 70 Meter vom, auch bei Nacht gut besuchten, Parkzentrum entfernt. Aber Keiner von ihnen griff ein. Alle standen sie da und gafften aus der Entfernung. Der Unbekannte fing an dem Mädchen die Kleider vom Leib zu reißen. Sie schrie immer noch. Ich konnte ihre Angst und ihren Schmerz fast selbst fühlen. Wenn das so weitergegangen wäre, hätte er sie missbraucht und wahrscheinlich getötet. Vor den Augen von vielen Zeugen, die nur zusehen wollten, aber nicht handeln. Nicht einer dachte daran, die Polizei zu rufen. Ich konnte die Menschen noch nie ganz verstehen.
Jetzt war die Zeit für mich gekommen. Sie hatte mich so viel gelehrt.
Ich kam aus meinem Versteck. Der Unbekannte hatte sie bereits auf den Boden gedrängt und lag über ihr. Ich riss ihn mit Gewalt von dem Mädchen herunter und hielt ihn hoch, so dass ich in seine widerlichen Augen sehen konnte. Er blickte schockiert und ängstlich drein. Ich beugte mich vor und flüsterte ihm zu.
„Das Urteil lautet: Tod!“
Für einen kurzen Augenblick war die Kälte in mich zurückgekehrt. Ich war wieder der Richter und der Vollstrecker. Nun konnte ich die bittere Wahrheit spüren. Jahrhunderte der Grausamkeit haben mich geprägt. Nichts kann das Rückgängig machen. Auch nicht Liebe.

Ich hielt den Unbekannten höher und nahm all meine Kraft zusammen. Einmal Richter, immer Richter. Ich warf das Schwein so weit ich konnte von mir. Etwa 20 Meter entfernt kam er auf dem Boden auf. Ein Knacken verriet seinen Genickbruch.
Das war es für mich. Kein Mensch kann einen anderen so weit werfen. So viele Zeugen haben es gesehen.
Ich blickte noch einmal zu dem Mädchen. Sie lag auf dem Boden. Die Hände schützend vors Gesicht haltend. Sie wimmerte.
„Bitte tun sie mir nichts. Ich flehe sie an.“
Das Mädchen kannte mein Gesicht nicht mehr. Sie fürchtete mich sogar.
Am nächsten Tag berichteten die Medien von einem mordenden Monster. Das Vampirversteckspiel war gefährlich aus dem Gleichgewicht gebracht.

Jetzt sitze ich gefesselt im dunklen Keller des Ratshauses. Jede Sekunde könnte mein Henker kommen. Sieben Jahre lang belog ich mich selbst. Ich bin ein kalter Mörder. Nichts kann meine Vergangenheit ungeschehen machen. Mein Platz ist im Kreis der Vampire. Meine Aufgabe ist es täglich brutale Urteile zu fällen. Zumindest war das so. Jetzt gibt es keinen Platz mehr für mich und keine Aufgabe.

Die Tür geht auf und mein Henker betritt den Kerker. Von außen dringt schwaches Licht in den Kerker, in dem die riesige Axt, die er über seiner Schulter trägt, glänzt. Der Hammer ist gefallen und diesmal wird mein Kopf rollen.



Von Michael Schindler

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